04/10/2026
Mato
Manche Menschen die Mato zum Beispiel im Mantrail erlebt haben, oder unter Medikation gut geführt oder auch sonst mal, können sich kaum vorstellen, dass er auch Aggressionsthemen hat. Er ist enorm offen bei allen Menschen. Und distanzlos. Er "begrüsst" jeden Menschen erst mal überschwänglich und "drüber" als wäre es sein lange nicht gesehener "best buddy". Nicht wie das ein "normaler" Hund machen würde. Nicht wie ein Hund der erzogen wurde und dem Anstand vermittelt wurde. Nicht wie viele Rottweiler, die rassentypisch bei Fremden erst mal reserviert und eher misstrauisch sind. Mato ist anders und kann sich durch seine Störungen eben oft nicht "normal" verhalten. Der Unterschied zwischen problematischem Verhalten und Verhaltensstörungen ist oft nur mit geübtem Blick und genauem Hinschauen zu erkennen.
Was aber dann doch auch Rotti-typisch ist, sind seine Statusthemen. Er kann sehr gut an Menschen hochstehen in freudiger, distanzloser Art, dann beginnen zu Klammern und dann fletscht er einem ins Gesicht und der Status"kampf" ist eröffnet. Diese Momente sind schon länger kein Thema mehr, aber gleichwohl braucht er klare Regeln und nicht zu viel Freiheit, damit er nicht auf die Idee kommt, da wieder ein Fass zu öffnen. Dies ist einer der Gründe, weshalb Mato nie zur Vermittlung stand - Menschen die ihn führen können und sich das "antun" wollen, sind rar. Denn im "Kleinen" testet er das immer mal aus und ohne wirksame Medikation ist er für normale Hundehaltende nicht tragbar.
In der Medikamentenpause kamen nun immer wieder kleine Ansätze seiner Statusthemen hervor. Nicht weil die Führung oder Regeln anders waren, sondern weil seine Selbstbeherrschung oft nicht funktioniert. Eines der verschiedenen Symptomen von ADHS. In diesem Video ging es ohne körperliche Korrektur meinerseits.
Er drückte sich richtig fest auf meine Beine, klar er mag ganz eng Kontaktliegen, in dieser Situation waren wir aber weit weg von Kontaktliegen. Es tat mir auch weh, so drückte er. Er war ganz klar sehr körperlich, trotz meinem von Anfang an signalisiertem "jetzt nicht". Als ich dann sass, schmiss er sich regelrecht auf meine Beine. Das kann er mit unterschiedlichen Emotionen und vor allem Absichten. Da zu spüren was wann das Thema ist, ist wichtig. Wenn er Nähe braucht, weil er sich selbst nicht spürt oder halten kann wäre es fatal, ihn jeweils strickt wegzuschicken, dann ist es eine Art "Hilferuf" und manchmal ist es eben was anderes und wird zur Statusfrage, was übrigens auch jeweils sehr schnell wechseln kann. Weil es mich schmerzte, schob ich ihn etwas beiseite, was ihm nicht passte und dies kommunizierte er mir auch ganz klar. Auch Grenzen setzen ist etwas, was Hunde tun sollen und dürfen, diese Situation hat aber nichts mit seiner zu wahrenden Grenze zu tun, sondern es ist meine die hier von ihm massiv überschritten wird. Kommt in so einer Situation keine ebenso klare Antwort - kriegt man ziemlich schnell ein mächtiges Problem. Was dann nicht selten in Storys endet, dass einem der Hund nicht aufs Sofa oder in die Wohnung lässt.. oder es eben zum körperlichen Durchsetzen der Regeln des Hundes gegenüber des Menschen mit seinen 42 Argumenten kommt.
Ah und um das auch gleich zu erwähnen, statusbedingte Aggression ist eher eine Ausnahme, jedenfalls hatten hier nur wenige Hunde mit Aggressionproblematik diese auch im Statusbereich. Aber auch das gibt es und das muss entsprechend beantwortet und vor allem im Alltag gelebt werden. Mit einmal "feste draufhauen" löst man kein Problem. Der alltägliche Umgang macht den Unterschied, nebst der entsprechenden Reaktion in den Momenten, in denen der Hund den Status in Frage stellt. Und nein, auch da muss es oft nicht körperlich sein, manchmal aber schon.
Es ist hoch beunruhigend, dass sich das Hundewesen weit in ein Extrem rein entwickelt. Gut haben wir die "alte Schule" hinter uns gelassen, das Gegenteil ist nicht minder schädigend.
Menschen neigen so unglaublich stark zum schwarzweiss Denken - das verursacht so viel Leid.
Wie so oft liegt der "goldene Weg" irgendwo in der Mitte und muss individuell an die beteiligten Individuen und die Situation angepasst werden. Manche brauchen maximal mal eine hochgezogene Augenbraue und andere brauchen auch mal körperliche Interventionen in unterschiedlichen Stärken.
Ähnlich wie bei uns Menschen.
Aber ja, der "Trend" ist teilweise weit übers Ziel hinausgeschossen..