06/09/2026
🙏 GOTTES BARMHERZIGKEIT IST GRÖSSER ALS UNSERE SCHULD
Liebe Schwestern und Brüder,
nach meinem Urlaub freue ich mich sehr, wieder mit euch unterwegs zu sein und auf der Facebook-Seite von „Kongo Social Care“ Neuigkeiten, Gedanken und Predigten mit euch zu teilen.
Der September ist für uns ein besonderer Neubeginn, denn wir starten in das Pastoraljahr 2026/27.
Ein neues Jahr liegt vor uns mit neuen Begegnungen und Aufgaben. Gleichzeitig sind wir eingeladen, unseren Glauben immer wieder neu zu entdecken und miteinander zu leben.
In der ersten Septemberwoche durfte ich bereits viele schöne Begegnungen erleben. Rund um die Heiligen Messen um 18:30 Uhr bzw. 19:00 Uhr hatte ich die Gelegenheit, mich mit den verschiedenen Kontaktgruppen des Pfarrverbandes Bütgenbach im Dekanat Eifel zu treffen.
Diese Kontaktgruppen bestehen aus engagierten Ehrenamtlichen in den einzelnen Pfarreien. Sie tragen Verantwortung für das kirchliche Leben vor Ort und setzen sich gemeinsam mit den Hauptamtlichen dafür ein, dass der christliche Glaube in unseren Gemeinden lebendig bleibt.
Bisher durfte ich die Kontaktgruppen in Elsenborn, Nidrum und Weywertz kennenlernen. Ich bin dankbar für diese Begegnungen, für die offenen Gespräche und vor allem für die Menschen, die ihre Zeit und Kraft in den Dienst der Gemeinschaft stellen.
Ein besonders schöner Moment war am Samstag, dem 5. September, als ich gemeinsam mit den Kindern, die sich auf ihre Firmung vorbereiten, mehrere Stunden rund um den Bütgenbacher See wandern durfte. Solche gemeinsamen Wege sind für mich immer auch ein Bild unseres Glaubens: Wir gehen nicht allein. Wir begleiten einander, wir hören einander zu und wir ermutigen uns gegenseitig.
Um 18:00 Uhr durfte ich schließlich mit großer Freude die Heilige Messe in der Kapelle St. Antonius von Padua in Neidingen feiern.
Die Botschaft des 23. Sonntags stellt uns eine wichtige und zugleich sehr menschliche Frage: Wie gehen wir miteinander um, wenn jemand einen falschen Weg einschlägt?
Wenn euch diese Gedanken oder die Predigt berühren, teilt sie gerne mit anderen, abonniert meinen Kanal und hinterlasst ein „Gefällt mir“. So können wir gemeinsam die frohe Botschaft weitertragen. 🙏
Ihr könnt uns auch über unsere Website www.kongo-social-care.de folgen.
Euer
Pater Badi O.P. 🙏
PREDIGT:
Liebe Schwestern und Brüder,
seit 32 Jahren bin ich Priester. Wenn ich auf diese lange Zeit zurückblicke, gibt es einen Ort, an dem ich Gottes Gnade immer wieder auf besondere Weise erfahren habe: den Beichtstuhl.
Der Beichtstuhl ist für mich ein heiliger Ort. Dort begegnen mir Menschen mit ihrer Schuld, ihren Verletzungen, ihren Ängsten und ihrer Sehnsucht nach einem neuen Anfang. Manchmal kommen die Worte nur schwer über die Lippen.
Gerade dort habe ich immer wieder erfahren: Gott verurteilt den Menschen nicht. Er wartet auf ihn. Seine Barmherzigkeit ist größer als unsere Schuld, und seine Liebe eröffnet immer wieder einen neuen Weg.
Der Beichtstuhl ist für mich deshalb ein Ort der Demut. Der Mensch wagt es, ehrlich gegenüber Gott und sich selbst zu sein. Und auch ich als Priester werde dort immer wieder daran erinnert. Ich bin nicht Richter, sondern Diener der Barmherzigkeit Gottes.
Immer wieder darf ich miterleben, wie Menschen erleichtert, aufgerichtet und mit neuer Hoffnung den Beichtstuhl verlassen. In solchen Augenblicken spüre ich: Hier wirkt Gottes Gnade. Hier bekommt ein Mensch die Möglichkeit, neu anzufangen.
Der Beichtstuhl ist ein Ort der Vergebung – der Vergebung durch Gott und der Versöhnung untereinander. Es ist ein Ort, an dem die Schuld nicht das letzte Wort behält. Das letzte Wort hat die Barmherzigkeit.
Und genau darum geht es auch in der heutigen Lesung und im Evangelium. Die Botschaft ist anspruchsvoll. Es geht um unsere Glaubwürdigkeit als Gemeinde. Es geht um die Frage:
Wie sollten wir als Christen mit Menschen umgehen, die in Sünde gefallen sind? Wie gehen wir mit einem Bruder um, von dem wir wissen, dass er einen falschen Weg eingeschlagen hat?
Gott sagt durch den Propheten Ezechiel: „Du bist verantwortlich. Ich habe dich zum Wächter über deinen Bruder oder deine Schwester bestellt“ (vgl. Ez 33,7).
Das bedeutet, dass wir nicht einfach wegschauen dürfen. Christliche Liebe bedeutet nicht, dass uns alles gleichgültig ist. Wenn wir sehen, dass ein Mensch auf einen falschen Weg gerät, dann sollen wir ihn nicht einfach seinem Schicksal überlassen.
Es kommt jedoch darauf an, wie wir auf ihn zugehen.
Jesus gibt uns im heutigen Evangelium einen Hinweis. Er sagt: „Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, dann geh zu ihm und stelle ihn unter vier Augen zur Rede” (vgl. Mt 18,15). Nicht zuerst zu den anderen. Nicht hinter seinem Rücken. Nicht durch Gerüchte. Sondern persönlich.
Das ist eine wichtige Botschaft für unser Zusammenleben.
Jesus zeigt uns einen anderen Weg: Geh hin! Sprich mit dem Menschen selbst! Rede mit ihm, nicht über ihn.
Wenn das Gespräch allein nicht hilft, dann hole dir Unterstützung von einer anderen Person. Wenn auch das nichts bringt, soll die Gemeinde bzw. die Verantwortlichen helfen.
Aber auch hier müssen wir genau hinhören, was Jesus sagt. Es geht niemals darum, den anderen fertigzumachen. Es geht nicht darum, ihm eins auszuwischen. Es geht nicht darum, sagen zu können: „Ich habe es dir doch gesagt!”
Jesus sagt: „Wenn er auf dich hört, hast du deinen Bruder oder deine Schwester zurückgewonnen“ (vgl. Mt 18,15). Das ist der entscheidende Satz. Nicht: „Du hast gewonnen.“ Sondern: „Du hast deinen Bruder oder deine Schwester zurückgewonnen.“
Es geht also nicht darum, Recht zu haben, sondern darum, zurückzugewinnen. Es geht nicht um Verurteilung, sondern um Rettung. Es geht nicht darum, mit dem Finger auf andere zu zeigen, sondern sie mit Liebe auf den richtigen Weg zurückzuführen.
Und manchmal können wir überhaupt nichts mehr sagen. Es gibt Situationen im Leben, in denen jedes Gespräch, jede Ermahnung und jede Form der menschlichen Hilfe an ihre Grenzen stoßen.
Was können wir dann noch tun? Beten. Durch das Gebet selbst wird Gott unsere Herzen wandeln, sodass wir fähig sind, zu vergeben. Wenn wir einen Menschen nicht mehr erreichen können, können wir ihn immer noch Gott anvertrauen.
Dann können wir sagen: „Herr, ich kann diesen Menschen nicht verändern. Ich kann sein Herz nicht erreichen. Aber du kannst es. Deshalb lege ich ihn in deine Hände.“ Denn am Ende geht es nicht darum, wer Recht behält.
Es geht darum, dass in unserer Gemeinde das sichtbar wird, was wir selbst im Beichtstuhl immer wieder erfahren dürfen. Gottes Barmherzigkeit ist größer als unsere Schuld. Denn bei Gott ist Schuld niemals das letzte Wort. Das letzte Wort haben die Liebe und die Barmherzigkeit. Amen.
Pater Badi O.P.