04/07/2023
Hunderte Häuser stehen aufgefädelt am Wasser. Sie gleichen sich bis ins letzte Detail. Ein weißer Würfel neben dem andern, Fassade an Fassade, Garage an Garage, Zaun an Zaun. Von den Gärten ragen Stege in den künstlichen See. Glänzend schlängelt er sich durch die Siedlung. Das Rendering erinnert an Dubai, an die prahlerisch grünen Wohnanlagen mitten in der Wüste. Doch das Baufeld liegt nicht in der Wüste. Es bettet sich in satte Futterwiesen, Kornfelder, Äcker.
Bürgermeister Riedl ist in das Projekt involviert – und hat damit viel Geld verdient. Der WZ liegen Grundbuchauszüge, Firmenbucheinträge, Kaufverträge, Gemeinderatsprotokolle, Studien, Gutachten vor. Sie zeigen die Rolle des Privatmanns Alfred Riedl in der Geschichte eines erstaunlichen Bauvorhabens.
Im Jahr 2017 wurde die Siedlungsgrenze im Osten der Gemeinde aufgehoben. Im Juni 2018 verschob die Gemeinde die Grenze der Kastralgemeinde, die sich durch den heutigen Sonnenweiher zog – und einen Bau verunmöglicht hätte.
Im Februar 2019 stand einer Umwidmung nichts mehr im Wege. Der Gemeinderat von Grafenwörth machte aus neun Feldern teures Bauland. Vier davon gehörten dem Bürgermeister. Bereits im Sommer des Jahres wurden alle Felder um 20 Euro pro Quadratmeter verkauft – an einen Bauträger, bei dessen Mehrheitseigentümer Riedl Aufsichtsrat ist.
Das werden garantiert mehrheitlich Zweitwohnsitze, hört man. Wochenendhäuser sorgen für viele Probleme. Sie heizen die Immobilienpreise und Mieten in der Region an. Sie stehen die Woche über leer. Gemeinden bekommen vom Bund kein Geld für Nebenwohnsitze. Deren Bewohner:innen nutzen die kommunale Infrastruktur trotzdem – gehen ins Freibad, befahren die Straßen, profitieren von der Schneeräumung. Am Gemeindeleben nehmen sie nicht teil. Kaum ein Wochenendhäusler ist im Ort integriert.
In Grafenwörth werden hunderte Häuser auf die Wiese gebaut. Der Bürgermeister hat damit viel Geld verdient.