15/10/2025
10 Jahre Breaking Grounds
An einem Dienstag im Herbst 2015, 17:30 Uhr, standen wir auf einem staubigen Nebenplatz in Wien-Favoriten mit zwölf Jugendlichen und einem Ball.
Heute, zehn Jahre später, blicken wir auf Tausende Trainingseinheiten, Turniere und Workshops und vor allem auf die vielen jungen Menschen, die diesen Weg mit uns gegangen sind. Manche waren nur kurz dabei, andere sind geblieben, einige sind als Youth Leader oder Trainer:innen zurückgekehrt.
Dieses Heft stellt zehn solcher Wege vor, unterschiedlich in Herkunft, Alter und Biografie, und doch verbunden durch die Leidenschaft für Sport und Bewegung.
Da ist Mkdad, der als 14-Jähriger Syrien verließ und heute als Kfz-Techniker mit ölverschmierten Händen seinen Traumberuf lebt. Shikofa, die in Afghanistan nicht mit den Buben kicken durfte und seit sieben Jahren in einer Wiener Bäckerei arbeitet. Mahdi, der Integration wie Klatschen beschreibt: Es funktioniert nur, wenn beide Hände aufeinander zugehen.
Reyhan wechselte vom Handy aufs Fußballfeld und träumt davon, Profi zu werden. Hossna begann zurückhaltend und studiert heute an der WU Wien, organisiert Events und motiviert andere, ihre Stimme zu erheben. Afzal arbeitete sich vom Küchenjob bis zum IT-Experten hoch und weiß: Chancengleichheit muss man erkennen und nutzen.
Manche haben schon viel erreicht, wie Amir, der nach schwierigen Jahren nun eine Ausbildung beginnt und entschlossen ist, »es zu schaffen«. Andere jonglieren noch zwischen vielen Plänen, wie Rana, die in Graz das Mädchenteam von Kicken ohne Grenzen leitet und zwischen Flughafenjob, Bundesliga und Studiengedanken pendelt. Sie spricht offen über ihre Erfahrungen mit Rassismus und darüber, wie ihr der Fußball geholfen hat, Selbstvertrauen zu gewinnen.
Khadija fand im Fußball einen Ort, »an dem man auftanken kann«, und hat sich von der Friseurin zur Augenoptikerin neu erfunden. Und Jihad, der schon am zweiten Tag in Österreich im Tor stand, erinnert sich bis heute: »Wir waren wie eine Familie.«
Diese zehn Porträts sind keine Geschichten aus einem Hochglanzmagazin. Sie erzählen von Flucht, Verlust, Neuanfang und Hürden, aber auch von Zugehörigkeit, Freundschaften, Bildungsabschlüssen, neuen Jobs und der Kraft, nicht aufzugeben.
Zum 10-jährigen Jubiläum blicken wir nicht nur zurück, sondern auch nach vorn. Wir wollen weiter Räume schaffen, in denen junge Menschen ihre Stärken entdecken und ihre Zukunft selbst gestalten können. Orte, an denen Herkunft oder Status keine Grenzen setzen, sondern Vielfalt der Ausgangspunkt ist.
Allen, die in den letzten zehn Jahren Teil von Breaking Grounds und unseren Projekten wie Kicken ohne Grenzen und Life Goals waren – als Teilnehmer:innen, Trainer:innen, Unterstützer:innen, Partner:innen oder Freund:innen – sagen wir: Danke!