Die Straßenzeitung erscheint 14-tägig und wird von sozial benachteiligten Menschen auf den Straßen Wiens verkauft. Der AUGUSTIN wurde 1995 nach dem Beispiel amerikanischer, britischer oder französischer Straßenzeitungen gegründet. Der Verkauf von Straßenzeitungen hilft Menschen, die aus verschiedenen Gründen vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind (Obdachlosen, Langzeitarbeitslosen, Asylwerber_innen,
von Armut betroffenen Personen, u.a.), ihre Not zu lindern, da sie die Hälfte des Verkaufspreises erhalten. Professionelle Sozialarbeiter_innen des AUGUSTIN sind an ihrer Seite. Vorrangiges Ziel der AUGUSTIN-Sozialarbeit ist aber nicht, die Marginalisierten jobready zu machen, sondern ihren Ausbruch aus der Entmündigung zu fördern. Der AUGUSTIN erscheint zweimal monatlich, und wird in Wien und zum Teil in Niederösterreich und im Burgenland angeboten. DIE ZEITUNG
Der AUGUSTIN steht für Solidarität mit den Armen und der kritischen Beobachtung der Reichen. Unser Ziel ist, soziale Ungleichheiten zu benennen, Ungerechtigkeiten auf den Grund zu gehen und Beispiele guter Praxis zu befördern. Ein relevanter Teil unserer journalistischen Arbeit besteht aus Berichterstattung über Menschen, Orte und Ideen, die Wien zu einer wirklich lebenswerten Stadt machen – für alle, aber insbesondere für die Ausgeschlossenen und Marginalisierten. Wir bieten Blicke hinter den Vorhang und stehen für respektvolle und qualitativ hochwertige Recherchearbeit, mit der wir den Horizont der AUGUSTIN-Leser_innen stetig zu erweitern suchen. In unserem Politikressort (tun & lassen) fokussieren wir auf Reichtum und Armut, auf Immobiliengeschäfte und Wohnungslosigkeit, auf das Sozialsystem, Arbeitsrechte und Korrpution, auf den Klimawandel und ökologisch und sozial nachhaltige Projekte. Auf Seite 3 stellen wir AUGUSTIN-Verkäufer_innen und Mitarbeiter_innen vor. Im Feature-Ressort (vorstadt) finden sich Reisereportagen von Orten, die mit Fahrrad und Bahn erreichbar sind, alternative Sportberichterstattung und Porträts von lokalen Held_innen, die Wien zu einer schöneren Stadt für alle machen. Im Kunstressort (art.ist.in) ist Platz für Literatur-, Theater-, Performance-, Musik- und Filmbesprechungen, wir berichten von künstlerischen Off-Spaces und lokalen Musiker_innen und arbeiten mit einem alternativen Zugang dazu, was und für wen Kunst ist. Der Literaturteil (dichter innenteil) hat Platz für Kurzgeschichten und Gedichte sowohl von professionellen Autor_innen als auch von ambitionierten Anfänger_innen. In unserer Programmbeilage (Strawanzerin) werden den Leser_innen Kulturtipps in den drei Abschnitten «gratis/bis 7 Euro/ab 7 Euro» angeboten. Einen Vorschlag der Verkäufer_innen aufnehmend, haben wir 2018 im AUGUSTIN fixe Kinderseiten (Augustinchen) eingeführt. Die Straßenzeitung AUGUSTIN ist Teil des Medien- und Sozialprojekts AUGUSTIN, das von Sozialarbeiter_innen, Redakteur_innen, einer Buchhalterin, Grafiker_innen und einer Putzkraft betrieben wird. Alle Angestellten haben gleiche Rechte in der Organisation und verdienen denselben Stundenlohn. DAS SOZIALPROJEKT
Rund 400 Verkäufer_innen verkaufen den AUGUSTIN regelmäßig. Es gibt keine formalen Voraussetzungen (Bedarfsnachweis, Sprachkenntnisse o.ä.), um Verkäufer_in zu werden. Das eigentliche Konzept des AUGUSTIN ist es, keine Gruppe auszuschließen. Die Zahl der Verkäufer_innen ist beschränkt nach den Ressourcen der Sozialarbeit. AUGUSTIN-Verkäufer_innen nehmen an einem einführenden Training teil und verschreiben sich den Verkaufsvereinbarungen (kein Weiterverkauf der Zeitung an andere Verkäufer_innen, keine Verkaufspreisänderung, kein Drogeneinfluss während des Verkaufs, einzeln verkaufen, nicht in der Gruppe,...). Sie bekommen einen AUGUSTIN-Verkaufsausweis und für den Start 15 Gratis-Zeitungen (für Neuanfänger_innen ohne Deutsch- und Englischkenntnisse wird außerdem ein_e Dolmetscher_in organisiert). Im Juni und November jeden Jahres bekommen Verkäufer_innen 30 Zeitungen gratis, als Äquivalent für den Urlaubs- und Weihnachtsbonus. Die zahlreichen Projekte im Projekt, der Chor Stimmgewitter AUGUSTIN, die Schauspielgruppe 11%K-Theater, der Fußballklub Schwarz-Weiß AUGUSTIN bilden das Gesamtkunstwerk AUGUSTIN. Sie bieten die Chance, dass Menschen, denen pauschal gerne Leistungswilligkeit abgesprochen wird, ihre verborgenen und von der Gesellschaft entwerteten Talente entfalten können. Die Verkäufer_innen bestimmen Intensität und Ort ihrer Verkaufstätigkeit selbst. Während der Öffnungszeiten des Vertriebsbüros (Mo, Mi, Do: 11 bis 16 Uhr, sowie Sa: 10 bis 12 Uhr) gibt es für die Verkäufer_innen die Möglichkeit des geselligen Beisammenseins und Essens, Nutzung von Telefon & Internet, Büromaterial sowie Unterstützung in Lebensfragen bzw. Informationen und Hilfe in sozialrechtlichen (wie z.B. Tilgung von Schulden durch Schwarzfahren, etc.), der Rechtsberatung, einen D-Kurs zu besuchen und der Teilnahme an einem der Projekte: Chor, Theater oder Fußball. Außerdem bemühen sich die Sozialarbeiter_innen am Verkaufsplatz ein gutes Einvernehmen mit der Umgebung zu erwirken, sollte dies erforderlich sein. Der AUGUSTIN bekennt sich zur Beförderung von Gleichberechtigung und Diversität in allen Teilaspekten des Projekts. Als Arbeitgeber, Partner für AUGUSTIN-Verkäufer_innen, als Sozial- und als Medienprojekt verpflichten wir uns, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem alle Beteiligten mit Würde und Respekt behandelt werden. FINANZIERUNG
Die wichtigste Finanzierungsquelle des AUGUSTIN sind die AUGUSTIN-Leser_innen. Das AUGUSTIN-Gesamtprojekt bekommt die Hälfte des Verkaufspreise pro verkaufter Zeitung. Diese Einkünfte machen im Jahr in etwa 60 % der Gesamteinkünfte aus.
30 % der Jahreseinkünfte beziehen wir über monatliche Spenden der «AUGUSTIN-Liebhaber_innen», durch Einzelspenden, und 10% durch den Verkauf von AUGUSTIN-Produkten, Inseraten und Partner_innen-Beilagen. Um die politische Unabhängigkeit des Medien- und Sozialprojekts zu sichern, nimmt der AUGUSTIN keine öffentlichen, Kirchen- und Parteiförderungen in Anspruch. Als zweiwöchentlich und lokal erscheinende Zeitung kann der AUGUSTIN keine Presseförderung beantragen.