28/05/2026
Antiqueere Gesetze im Senegal 🇸🇳 Part 2
Auszug aus dem Artikel von Kübra Atasoy (konkret 05/26)
„Die verschärfte Verfolgung von Homosexuellen im Senegal spielt sich also vor dem Hintergrund einer veritablen Regierungskrise und einer tief sitzenden Misogynie ab und hat das Potential, neue Allianzen zu schmieden.
Das Wolof-Wort Goor-jigeen (»Männerfrauen«) bezeichnete ursprünglich Transidentitäre und Menschen, die außerhalb der tradierten Geschlechterkonstruktionen lebten, heute wird der Begriff abwertend für schwule Männer verwendet. Die Goor-jigeen sind es, gegen die sich die konservativ-islamische Gruppierung And Samm Jikko Yi rund um Ababacar Mboup richtet. Sie arbeitet zur Durchsetzung ihrer Ziele mit der Regierungspartei Pastef und der US-Initiative Mass Resistance zusammen, einer seit den neunziger Jahren in den USA aktiven, reaktionären Lobby, die ihre Pro-Life-Positionen nicht nur in den USA, sondern auch in anderen Ländern umgesetzt wissen will.
Gemeinsam hetzen sie öffentlich gegen queere Menschen. Im Januar 2026 etwa wurden zwei Fälle im Senegal publik, die zwar nichts miteinander zu tun hatten, medial aber ständig miteinander in Verbindung gebracht wurden: Ein Netzwerk von Männern, die Kinder sexuell missbrauchen, wurde aufgedeckt, wobei ein französischer Staatsbürger als Ringführer verhaftet wurde. Zugleich wurden mehrere Homosexuelle geoutet und verhaftet, darunter ein bekannter Moderator. Und die Hetze springt über in Gewalt, zumal sich Täter durch das neue Gesetz bestärkt fühlen: Wenige Tage nach dem Beschluss des Parlaments wurde der Mord an einem vermeintlich schwulen Jungen, Malick Ndiaye, 17 Jahre alt, bekannt. Er wurde auf offener Straße von Halbwüchsigen niedergestochen. Ndiaye wird nicht das letzte Opfer bleiben.“