13/08/2026
Im ersten Halbjahr 2026 wurden österreichweit um ein Drittel mehr Einbürgerungen verzeichnet, in Wien sogar um 60 % mehr. Was sich nach einem signifikanten Anstieg anhört, ist jedoch in Wahrheit nur ein laues Lüftlein. Denn die Einbürgerungsrate ist weiterhin extrem niedrig. In Österreich beträgt sie gerade mal ein Prozent, in Wien sogar weniger. Das heißt, von 100 hier lebenden Personen ohne Ö-Staatsbürgerschaft wird pro Jahr gerade einmal eine eingebürgert. Das ist weit unter dem EU-Durchschnitt von 2,7 % und viel zu wenig, um die wachsende Demokratielücke einzubremsen oder gar zu schließen.
Einbürgerungen sind ein wichtiger Demokratie-Baustein! Auf Zugehörigkeit, Bildung und Arbeitschancen wirken sie stärkend. Ohne eine ausreichende Einbürgerungsrate wächst der Anteil der Menschen, die von Anerkennung, gleichen Rechten und Beteiligung ausgeschlossen sind. Das sehen wir besonders in Wien, wo bereits mehr als ein Drittel der Bevölkerung eingeschränkte oder gar keine demokratischen Beteiligungsmöglichkeiten hat.
Hier geborene Kinder sind ganz besonders betroffen. Inzwischen leben in Österreich fast 300.000 hier geborene junge Menschen, die nicht die Ö-Staatsbürgerschaft erhalten haben, obwohl ihre Eltern großteils schon viele Jahre hier leben. In Deutschland gilt, dass Kinder mit der Geburt automatisch die Staatsbürgerschaft erhalten, wenn ihre Eltern mehr als 5 Jahre legal im Land leben.
Wir haben eine Umfrage unter über 600 Personen ohne Ö-Staatsbürgerschaft gemacht. Es zeigt sich, dass viele starke Zugehörigkeitsgefühle zu Österreich haben und es einen breiten Wunsch nach Einbürgerung gibt. Gleichzeitig ist der Frust über die sehr hohen Staatsbürgerschaftshürden groß. So müssen beispielsweise auch hier geborene Kinder bzw. ihre Eltern ein hohes Mindesteinkommen nachweisen, um eine Chance auf die Staatsbürgerschaft zu haben. Das ist soziale Ausgrenzung pur.
Um diese Ausgrenzung zu beenden, braucht es einen besseren Zugang zur Staatsbürgerschaft! Sozial diskriminierende und schikanöse Hürden müssen abgebaut werden. Erst bei einer Einbürgerungsrate über dem EU-Durchschnitt von 2,7 % würde sich die Demokratielücke in Österreich langsam wieder schließen.