10/06/2026
Schnellüberblick zum Doppelbudget 2027/28: "Sparen" ohne sparen.
Verkauft als Entlastung, geliefert werden neue Belastungen – inzwischen wird dieselbe Zielgruppe gleichzeitig be- und entlastet (linke Tasche, rechte Tasche). Die größten Ausgabentreiber – Pensionen & Gesundheit (3,6 von 6,1 BIP-Punkten Ausgabenanstieg seit 2019) – bleiben unberührt, die Schuldenquote steigt weiter (81,5 → 85 % bis 2031), die Zinslast explodiert (8,3 → 15,4 Mrd. €). Unsere Einschätzung der größten Maßnahmen:
1. Einheitliche ALV-Beiträge (289 Mio. € 2027, 379 Mio. € 2028): Die Bevorzugung von Teilzeit zu beenden ist richtig, nur gehört der Satz nach unten angeglichen, nicht nach oben.
2. Bankenabgabe verlängert (300/300 Mio. €): „Temporär" ist in Österreich nur ein Etikett – willkürliche Branchensteuern sind Gift für Standort und Investitionssicherheit.
3. Höhere Höchstbemessungsgrundlage (229/288 Mio. €): Trifft Leistungsträger bis in die Mittelschicht und treibt morgen die Pensionsansprüche – Mehreinnahmen heute auf Kosten der nächsten Regierung.
4. ALV-Beiträge für Ältere (142/166 Mio. €): Sachlich vertretbar, unterm Strich aber wieder nur: höhere Abgabenlast.
5. Sachbezug für E-Autos (110/190 Mio. €): Der grüne Lack ist ab – die Politik braucht Geld, also wird auch das Dienst-E-Auto besteuert.
6. ImmoESt auf Altgrundstücke (100/120 Mio. €): Besteuert wird, was nicht weglaufen kann – schlecht fürs Vertrauen, wenn die Spielregeln je nach Kassenlage wechseln.
7. Sonderdividenden & verschobene ÖBB-Investitionen (163/180 bzw. 55/285 Mio. €): Sanieren auf Kosten der Zukunft – Eigenkapital entzogen, Investitionen auf den Sankt-Nimmerleinstag geschoben.
8. Dazu zahlreiche weitere Einnahmeposten: KöSt 23→24 %, höhere Alkoholsteuer, Glücksspiel-Lizenzmodell, Aus für die Homeoffice-Pauschale, Vorwegbesteuerung der Pensionskassen, Ökologisierungsbeitrag, Familienbonus-Kürzung, ausgesetzte Valorisierungen.
9. Pensionsanpassung unter Inflation (273/559 Mio. €): Statt das Antrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln, kürzt die Politik bei der Anpassung – zweitbeste Lösung, keine Reform.
10. Lohnnebenkosten-Senkung (2 Mrd. € ab 2028): Richtige Richtung, aber zu wenig, zu spät – und finanziert durch genau die neuen Belastungen von nebenan.
11. Arbeitsmarktanreize & Agrardiesel (220/100 Mio. €): Erst die Beschäftigung Älterer verteuern, dann bezuschussen – plus klassische Klientelpolitik beim Agrardiesel.
12. Sozialpaket für Kinder, Pflege & Bildung (330/420 Mio. €): Der Lichtblick – das zweite verpflichtende Kindergartenjahr ist ökonomisch sinnvoll und längst überfällig.
Unterm Strich: rund 40 % der Konsolidierung 2027 kommen von der Ausgabenseite – netto, also samt Offensivmaßnahmen, praktisch gänzlich einnahmenseitig. Dasselbe Reformdefizit im neuen Kleid. Link zu unserer vollen Einschätzung in den Kommentaren.