29/01/2026
Lebensretter auf vier Pfoten - Die Bergrettung Hundestaffel Niederösterreich/Wien der Bergrettung Niederösterreich/Wien zwischen Alpinromantik, Extremsituationen und Rettungseinsätzen
Wie viele von euch wissen, bin ich bei der Bergrettung Triestingtal und könnte mir vorstellen, dass die Rettungshundestaffel der Bergrettung NÖ/Wien ein paar Tierfreundinnen und Tierfreunde interessiert ....
Text: Bergrettung NÖ/Wien
Fotos: Lukas Panzenböck
Gerade dieser Tage, wenn der Winter die niederösterreichischen Berge fest im Griff hat und Schnee, Kälte und Eis die Wege säumen, hat sie Hochkonjunktur: die Hundestaffel der Bergrettung Niederösterreich/Wien - die Spezialeinheit des alpinen Rettungswesens mit 13 Hunden und Hundeführer:innen. Gegenüber konventionellen Rettungstaktiken hat die Arbeit mit Rettungshunden dabei einen entscheidenden Vorteil: “Mit unbestechlicher Spürnase und unermüdlichem Einsatzwillen sind die vierbeinigen Lebensretter ein unverzichtbarer Teil des alpinen Rettungsehrenamtes – und das unter immer anspruchsvolleren Bedingungen, denn Wetterextreme und Einsatzzahlen steigen stetig. "Auf jede:n Einzelne:n sind wir stolz und jede:r Einzelne leistet im Einsatzfall einen unverzichtbaren Beitrag,” so Karl Weber, Landesleiter der Bergrettung NÖ/W.
Unverzichtbar macht die Hundestaffel beziehungsweise die Lawinenhundestaffel ihre Spezialisierung auf Sucheinsätze nach vermissten und verschütteten Personen im alpinen Gelände. Sie kommen überall dort zum Einsatz, wo Zeit, Wetter und Gelände gegen das Einsatzziel arbeiten: Lebensrettung nach Lawinenabgängen, großflächige Suchaktionen nach vermissten Wander:innen, nach Alpinunfällen sowie bei Einsätzen in unwegsamem Gelände. Mit ihrer außergewöhnlichen Spürnase können die Hunde große Flächen in kurzer Zeit absuchen – oft schneller und effektiver als technische Hilfsmittel allein. Dafür sind hunderte Millionen Riechzellen sowie die Atem- und Schnüffeltechnik der Vierbeiner verantwortlich.
Die Herausforderung: Ehrenamt im Alltag
Ein Haupttrend zeichnet sich in der Einsatzstatistik deutlich ab, der auch die Hundestaffel in besonderem Maße fordert. Immer mehr Einsätze, insbesondere Sucheinsätze, finden wochentags sowie unter widrigen Wetterbedingungen oder nachts statt. “Rund 25 Prozent aller Einsätze der Bergrettung NÖ/W, etwa 200 an der Zahl, finden bei Dämmerung, nachts oder bei Schlechtwetter statt”, erläutert Weber.
Das heißt, Bergretter:innen wie Hundeführer:innen müssen ihren regulären Beruf oft von einer Minute auf die andere verlassen. Die Bereitschaft, Privatleben und Job dabei für die Rettung von Menschenleben hintanzustellen, bildet das Rückgrat der Bergrettung und damit auch der Hundestaffel. “Dafür sagen wir unseren Hundeführer:innen und Einsatzhunden einen großen Dank für die Professionalität, den Einsatzwillen und das Herzblut”, sagt Hundeführer Franz Eggl mit Diensthund Rango, einem Schäfer, der bereits 10 Jahre im Einsatz ist. “Im Jahr 2025 hat unsere Hundestaffel in Summe rund 250 ehrenamtliche Einsatz-, Trainings-, Vor- und Nachbereitungsstunden geleistet - eine ausgesprochen hohe Anzahl, vor allem, wenn man bedenkt, dass diese Leistung privatwirtschaftlich kaum leistbar wäre.” Rettungs-, Such- und Lawinenhunde gelten darüber hinaus als Vorbilder unter Hunden. Sie benötigen zusätzlich zu all ihrer kognitiv basierten Ausbildung auch eine intensivere medizinische und hygienische Betreuung, da ihnen im Rahmen der Einsätze viel abverlangt wird. “Motivationstreiber, sich so eingehend mit Hunden zu befassen, gibt es viele. Wir Hundeführer:innen tun das nicht nur, um uns in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen und Menschenleben zu retten, sondern auch aus Liebe zu den Tieren. Es gibt nichts Schöneres als den Umgang mit unseren Partner:innen mit der kalten Schnauze”, so Franz Eggl.
• Unsere vierbeinigen Einsatzkräfte: Fenix, Kira, Kanie, Coco, Leya, Mila, Mimi, Neytiri, Pepper, Rango Mineo, Sky, Sunny und Yukon.
Der Weg zum Einsatzhund: “Drei Jahre Geduld, Feingefühl und harte Arbeit”
“Die Ausbildung eines Bergrettungshundes ist ein Marathon, der Mensch und Tier alles abverlangt. Das bedeutet drei Jahre Geduld, Feingefühl und harte Arbeit”, sagt Franz Eggl, Hundeführer der Bergrettung Reichenau.
• Voraussetzung: Jedes Mitglied muss bereits fertig ausgebildete:r Bergretter:in sein, bevor die Arbeit mit dem Hund beginnt. Interessent:innen sind herzlich eingeladen, sich über die Bergrettung für die Hundestaffel zu bewerben.
• Ausbildungsweg: Beim Schnuppertag wird festgestellt, ob ein Hund grundsätzlich für die Rettungshundearbeit geeignet ist, insbesondere in Bezug auf Wesen und Motivation. Es folgen die A- und die B-Prüfung. In der A-Prüfung werden grundlegende Fähigkeiten wie Gehorsam, Fährtenarbeit und erste Elemente der Flächensuche überprüft, in der Regel nach etwa zwölf Monaten Training. Im Rahmen der B-Prüfung werden die für reale Einsätze erforderlichen Fähigkeiten weiter vertieft. Nach bestandener B-Prüfung ist der Hund einsatzfähig und kann gemeinsam mit seinem:seiner Hundeführer:in in realen Lawinen- und Geländeeinsätzen eingesetzt werden. Über einen Zeitraum von rund zwei bis drei Jahren absolvieren die Teams regelmäßig Sommer- und Winterkurse, um die Einsatzfähigkeit aufrechtzuerhalten und weiter zu festigen.
• Spezialisierung: Neben der Lawinen- und Flächensuche werden Zusatzqualifikationen wie die Trümmer- oder Leichengeruchssuche trainiert.
Höchstleistungen für Mensch und Hund
Die Auswahl der Hunde erfolgt nach strengen Kriterien. Die Rasse ist dabei zweitrangig, entscheidend sind die absolute Geländegängigkeit und die Stressresistenz. Da die Hunde im Ernstfall an einer Winde aus dem Hubschrauber abgeseilt oder über steile Felswände transportiert werden, müssen sie physisch und psychisch belastbar sein. Nach der Eignungsfeststellung wird die Suchfähigkeit über die Lehrjahre spielerisch aufgebaut und konstant gesteigert: Eine „Bestätigung“ durch Spielzeug oder Futter motiviert die Tiere, auch unter widrigsten Bedingungen – etwa bei Nachtübungen oder während der Fahrt mit Sessel- oder Schleppliften – hochkonzentriert zu bleiben. Für die Hunde ist die Lebensrettung das „größte Spiel ihres Lebens“, für die Vermissten ist es oft die letzte Chance auf Rettung.
Vielseitige Einsätze im alpinen Raum
Wie vielseitig das Einsatzspektrum ist zeigen die Berichte der vergangenen Monate, etwa bei einem Sucheinsatz im Mai 2025:
Um 01:20 Uhr nachts wurde die Suchhundestaffel alarmiert: Eine Person war im Bereich des Hubertushauses auf der Hohen Wand nach einer Klettersteigtour abgängig. In der Dunkelheit koordinierten die Retter:innen eine großangelegte Suche über das Plateau und die steilen Abstiege. Während eine Drohne in der Wand einen Kletterhelm sichtete, suchten die Hundeführer:innen am Wandfußsteig und den umliegenden Steigen nach Spuren. Gefundene Ausrüstungsgegenstände wie eine Jacke und ein Handy verdichteten die Hinweise, führten aber zunächst nicht zum Ziel. Erst am Vormittag, gegen 10:15 Uhr, folgte der Durchbruch: Der Vermisste wurde im mittleren Wandteil, bei der sogenannten Wolfshöhle, lokalisiert. Dank der schnellen Erstversorgung durch die Bergretter:innen und einer präzisen Taubergung durch den Rettungshubschrauber C3 konnte die Person lebend gerettet und ins Krankenhaus transportiert werden.
Weitere Einsätze:
• Tierrettung in den Tormäuern/Ötschergräben: In Gaming rettete im August 2025 die Hundestaffel in Zusammenarbeit mit der Ortsstelle Lackenhof einen abgestürzten Hund aus 15 Metern Tiefe.
• Erfolgreiche Personensuche: Im Piestingtal konnte im Mai 2024 eine vermisste Person nach einer großangelegten Suche gemeinsam mit Polizei und Rettungshundebrigade wohlbehalten gefunden werden.
Modernste Ausrüstung für den Ernstfall “unabdingbar”
“Um die vierbeinigen Einsatzkräfte bestmöglich zu unterstützen, wurde kürzlich ein neuer Spezial-Transportanhänger in den Dienst gestellt. Modernste Ausrüstung ist für den reibungslosen Ablauf von Einsätzen der Hundestaffel unabdingbar. Möglich wurde das sowohl durch die Unterstützung des Landes Niederösterreich als auch durch die Förderbeiträge unserer Bergrettungsförder:innen. "Deshalb möchten wir uns bei allen bedanken, die unseren vierbeinigen Freunde immer verlässliche Partner:innen sind”, so Karl Weber. Der Anhänger ist gespickt mit technischen Raffinessen und bietet sogar Platz für drei Hunde. Er verfügt außerdem über ein Belüftungssystem, eine integrierte Hundedusche zur Reinigung nach den Einsätzen sowie eine eigene Stromversorgung für Nachteinsätze. “Gerade bei winterlichen Temperaturen und langen Anfahrtswegen bedeutet diese Ausstattung ein deutliches Plus an Sicherheit und Tierwohl.”, so Weber.
Die Hundestaffel der Bergrettung NÖ/Wien bleibt damit ein unverzichtbarer Pfeiler der alpinen Sicherheit – bereit, zu jeder Tages- und Nachtzeit dorthin zu gehen, wo technische Hilfsmittel allein nicht mehr ausreichen, sondern “haarige Angelegenheiten” auf die Rettungmannschaften warten.