22/09/2026
ÖFFENTLICHE MITTEILUNG AN ZUKÜNFTIGE HUNDEADOPTANTEN
Immer und immer wieder bekomme ich dieselben Fragen:
„Ist der Hund schon stubenrein?“
„Kann er alleine bleiben?“
„Bellt er nicht?“
„Macht er nichts kaputt?“
„Gewöhnt er sich schnell ein?“
Ich möchte deshalb einmal etwas grundsätzlich klarstellen:
NIEMAND IST VERPFLICHTET, EINEN HUND ZU ADOPTIEREN.
Wirklich nicht. Es gibt kein Gesetz dafür. Man bekommt keine Strafpunkte. Und nachts um zwölf steht auch kein Tierschutz-Sondereinsatzkommando vor der Tür und sagt:
„Guten Abend. Uns ist aufgefallen, dass in Ihrem Haushalt noch kein Hund vorhanden ist.“
Ein geretteter Hund ist kein Haushaltsgerät mit Werkseinstellungen und frisch installiertem Betriebssystem. Ich kann in der Produktbeschreibung leider nicht einfach folgende Häkchen setzen:
☑ stubenrein
☑ bleibt acht Stunden mucksmäuschenstill alleine
☑ kaut nichts an
☑ hat vor nichts Angst
☑ bellt nicht
☑ macht niemals in die Wohnung
☑ passt sich ab dem ersten Abend perfekt Ihrem Tagesablauf an
Ein Hund ist ein Lebewesen.
Und ein geretteter Hund ist häufig ein Lebewesen, dessen Vergangenheit wir nur teilweise oder überhaupt nicht kennen. Er braucht möglicherweise Zeit, um überhaupt zu begreifen, dass er jetzt in Sicherheit ist.
Wenn ich beim Bäcker eine Semmel kaufe, erwarte ich schließlich auch nicht, dass sie sich auf dem Heimweg selbst mit Butter bestreicht, mir einen Kaffee kocht und anschließend das Geschirr abwäscht.
Warum erwarten wir dann von einem Hund, dass er in eine völlig fremde Wohnung zu völlig fremden Menschen kommt und innerhalb von 24 Stunden verkündet:
„Vielen Dank, ich bin angekommen. Die Hausordnung habe ich bereits gelesen. Stubenreinheit: erledigt. Trennungsangst: nicht vorhanden. Morgen von acht bis sechzehn Uhr werde ich lautlos auf Sie warten. Gibt es sonst noch Anforderungen?“
Nein.
Vielleicht macht er anfangs in die Wohnung.
Vielleicht hat er Angst.
Vielleicht weint oder bellt er, wenn er alleine bleiben soll.
Vielleicht muss man ihm Dinge erst beibringen.
Und jetzt kommt die wirklich schockierende Nachricht:
Vielleicht muss man sich sogar mit ihm beschäftigen.
Wenn ich einem Interessenten antworte:
„Ich kann nicht garantieren, dass der Hund stubenrein ist. Ich kann auch nicht garantieren, dass er sofort alleine bleiben kann“, dann ist das keine Unhöflichkeit.
Das ist eine ehrliche Antwort.
Denn mein Ziel ist nicht, einen Hund um jeden Preis irgendwo „loszuwerden“.
Mein Ziel ist, einen Menschen zu finden, der versteht, was es bedeutet, einem Lebewesen ein Zuhause zu geben.
Bei einer Adoption sollte die entscheidende Frage nicht nur lauten:
„Was kann der Hund bereits, damit mein Leben möglichst bequem bleibt?“
Sondern auch:
„Was bin ICH bereit, ihm beizubringen? Wie viel Geduld bin ICH bereit aufzubringen? Und bleibe ich auch dann an seiner Seite, wenn ich feststelle, dass er überraschenderweise nicht mit Batterien betrieben wird?“
Wer ausschließlich einen Hund möchte, der vom ersten Tag an in jeder Lebenslage perfekt funktioniert, darf diesen Wunsch natürlich haben.
Vielleicht ist ein Hund dann aber einfach nicht das Richtige.
Mit der Semmel kann man es dagegen weiterhin versuchen.
Vielleicht bestreicht sie sich eines Tages doch noch selbst mit Butter. 🥯