19/06/2026
Solange sie kämpfen, kämpfen wir mit ihnen.
Vor wenigen Tagen waren es noch vier kleine Geschwister, die gemeinsam gefressen, geschlafen und gespielt haben.
Dann wurden Fjella und Fenya krank.
Inzwischen zeigt auch ihr Bruder Fjodor erste Symptome. Und weil sie bis vor Kurzem eng zusammengelebt haben, wissen wir, dass auch Fennek den Viren längst ausgesetzt war.
Bei ihnen wurden Parvovirus und Coronavirus nachgewiesen.
Parvo allein ist für so kleine Körper bereits eine Katastrophe. In Kombination mit dem Coronavirus liegen ihre Chancen laut unserem Tierarzt bei unter 30 Prozent.
Zwei Viren, die beide den Darm angreifen und gemeinsam zu einer Belastung werden, die für so kleine Körper kaum zu bewältigen ist.
Das Parvovirus befällt vor allem Zellen, die sich besonders schnell teilen. Dazu gehören die Zellen im Knochenmark und jene tief im Darm, aus denen sich die Darmschleimhaut normalerweise ständig erneuert.
Genau diese Erneuerung wird durch das Virus gestört.
Der Darm verliert nach und nach seine schützende Funktion. Flüssigkeit, Elektrolyte, Eiweiß und Energie gehen verloren, während Nahrung kaum noch aufgenommen und verwertet werden kann.
Gleichzeitig kann das Knochenmark immer weniger weiße Blutkörperchen bilden.
Der Körper verliert also nicht nur seine Schutzbarriere im Darm, sondern auch einen wichtigen Teil seiner Abwehr.
Das Coronavirus belastet den bereits geschädigten Darm zusätzlich. Die Entzündung nimmt weiter zu, Flüssigkeit und Nährstoffe können noch schlechter aufgenommen werden und der kleine Körper verliert immer mehr von dem, was er gerade so dringend bräuchte.
Für ein gesundes, erwachsenes Tier wäre das bereits schwer.
Für Kitten, die nur wenige hundert Gramm wiegen, ist es ein Kampf um jede einzelne Reserve.
Fjella und Fenya wiegen knapp 600 Gramm.
Ihre Brüder Fennek und Fjodor etwas mehr als 1.000 Gramm.
Das gibt ihnen ein wenig mehr körperliche Reserve.
Aber es ist keine Sicherheit.
Sie fressen fast gar nicht oder viel zu wenig. Deshalb bekommen sie Reconvales-Aufbaunahrung und Nutri-Drink in kleinen Schlucken mit der Spritze, damit ihre Körper überhaupt noch Energie erhalten.
Alle drei Stunden bekommen sie warmes Ringer-Laktat unter die Haut.
Am Tag.
Und in der Nacht.
Dazu erhalten sie Vetri-DMG zur Unterstützung des Immunsystems, FortiFlora für den Darm, Viroplazin, B-Vitamine und Complivit.
Weil die geschädigte Darmwand ihre Schutzfunktion verliert, können Bakterien aus dem Darm in den Körper gelangen. Gleichzeitig fehlt dem Körper immer mehr Abwehrkraft.
Deshalb bekommen sie Penicillin und Enroxil, um schwere bakterielle Folgeinfektionen möglichst aufzuhalten.
Außerdem erhalten sie Medikamente gegen Übelkeit und Krämpfe.
Wir versuchen sie zu unterstützen, bis der Darm, das Knochenmark und das Immunsystem vielleicht wieder beginnen können, selbst zu arbeiten.
Mehr können wir im Moment nicht tun.
Und genau das ist das Schreckliche an dieser Erkrankung.
Man kann die Viren nicht einfach mit einem Medikament ausschalten.
Man kann nur Flüssigkeit geben.
Wärme.
Nahrung.
Medikamente.
Energie.
Und Zeit.
Und hoffen, dass ihre kleinen Körper noch genug Kraft finden, weiterzukämpfen.
Ihre Chancen sind gering.
Aber solange sie kämpfen, kämpfen wir mit ihnen.
Um vier kleine Geschwister aus der Marótpuszta, die gerade erst begonnen hatten, die Welt kennenzulernen.