12/05/2026
RÜCKBLICK TRAUERCAFE 🌹
„Der Garten der neuen Wege“.
Das Trauercafe am 7. Mai 2026 stand unter dem Motto: Wenn sich die Lebenspläne verändern
Beim letzten Trauercafé erzählten die Besucherinnen und Besucher davon, wie sehr sich Lebenspläne verändern, wenn ein geliebter Mensch verstirbt. Dieses bewegende Thema wurde auch im Trauercafé im Mai aufgegriffen.
Eine kurze Geschichte gab wertvolle Impulse zum Nachdenken. Außerdem konnten Samen von Vergissmeinnicht, Sonnenblumen, Wildblumen und Ringelblumen mitgenommen werden – eine kleine Geste, die große Freude bereitete.
Für einen besonderen Moment sorgte das Geburtstagskind, das die Runde mit einem Glas Sekt überraschte. Begrüßt werden konnten außerdem Obfrau Michaela Nestelberger vom Verein Hospiz und Palliative Care Tulln sowie Direktor Gregor Kopa vom PBZ Tulln.
Besonders berührend war auch eine WhatsApp-Nachricht einer Besucherin, die erstmals am Trauercafé teilgenommen hatte:
„Vielen Dank nochmals für den heutigen Nachmittag. Es war tröstlich zu sehen, dass auch andere ihre Tränen nicht zurückhalten können . Die warmherzige Atmosphäre hat mir sehr gutgetan und ich habe mich sehr wohlgefühlt. Ich glaube, ich werde das nächste Mal wieder dabei sein.“
Der Garten der neuen Wege
Wenn ein geliebter Mensch stirbt, verändern sich die Lebenspläne
Lange Zeit hatten Maria und Paul ihren Garten bis ins Detail geplant. Jedes Beet hatte seinen Platz. Sie schmiedeten Pläne: Im nächsten Jahr sollte die alte Bank dort stehen, wo die Abendsonne am längsten verweilt. Die Rosen sollten an die Mauer. Doch dann wurde Paul krank und verstarb – und mit ihm verblasste auch der gemeinsame Gartenplan in Marias Leben.
Im ersten Frühling ohne ihn saß Maria oft am Fenster. Der alte Plan fühlte sich schwer an – wie ein Buch, dem Seiten fehlen. Da begriff sie: „Ich kann den Garten nicht so weiterführen, wie wir beide ihn geplant hatten. Denn ich bin nicht mehr dieselbe.“
In einer alten Holzkiste fand sie Samentütchen. In diesem Moment verstand sie: Sie musste nicht am früheren Bild festhalten. Sie durfte den Garten neu gestalten.
Sie begann, die Samen auszusäen – nicht in strengen Reihen, sondern mit dem Wind.
• Sie säte Sonnenblumen – Blumen, die sich dem Licht zuwenden, selbst nach einer dunklen Nacht.
• Sie streute Vergissmeinnicht – als stilles Versprechen: Die Liebe bleibt, auch wenn sie ihre Form verändert.
• Sie säte Wildblumen – als Einladung, dem Ungeplanten zu vertrauen und mutig neue Wege zu gehen.
• Und sie säte Ringelblumen – für die Zeit der Heilung: Damit aus offenen Wunden langsam Narben werden dürfen, empfindsam und doch stark, voller Erinnerung.
Maria lernte: Pläne können zerbrechen – und doch findet das Leben einen neuen Weg. Der Garten sieht heute anders aus als früher, voller unerwarteter Farben. Nicht so, wie sie es einst geplant hatten. Aber so, dass wieder Freude möglich ist.
Und manchmal entstehen daraus – leise – neue Wege.