WO BLEIBT DAS POSITIVE? ÜBER FREUDE, TRAUER UND SCHÖNHEIT
OBERÖSTERREICHISCHE KULTURVERMERKE 2019
Symposion vom 24. bis 27. Oktober 2019, Traunkirchen
Die Frage, wo denn das Positive bleibe, hat Erich Kästner überliefert: „Und wo bleibt das Positive, Herr Kästner“, heißt eines seiner Gedichte, dessen erste Strophe lautet: „Und immer wieder schickt ihr mir Briefe, /in denen ihr, dick unterstrichen, schreibt:/ ‚Herr Kästner, wo bleibt das Positive?’ / Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt.“
Die Tonart, in der der Dichter Kästner die Frage nach dem Positiven umspielt, ist melancholisch.
Wo soll denn das Positive sein, fragt er, und wenn ihr mich fragt, ich weiß nicht, wo – vereinfacht gesagt: Das Negative überwiegt. Aber das heißt nicht, dass es nichts Positives gäbe, auch wenn „positive thinking“ ein rücksichtsloses Verfahren werden kann, mit dem man sich gegen alle Realität einzureden versucht, dass eh alles gut ist.
Jeder halbwegs Gebildete kommt um ein anderes Gedicht nicht herum. Es stammt nicht von Kästner, sondern von Schiller, und es ist von Beethoven vertont worden, damit man es in die Welt hinaus schmettern kann. In der ersten Fassung des Gedichts aus dem Jahre 1785 heißt es: „Freude, schöner Götterfunken,/ Tochter aus Elysium, / Wir betreten feuertrunken/ Himmlische, dein Heiligtum.“
So weit , so gut. Aber es kann einen der Schlag treffen, liest man die letzte Strophe des Gedichts, die Schiller für die zweite Fassung von 1808 ersatzlos gestrichen hat. Sie lautet: „Eine heitre Abschiedsstunde! / Süßen Schlaf im Leichentuch!/ Brüder – einen sanften Spruch / Aus des Totenrichters Munde!“ Danach wäre ein sanfter Tod die Pointe einer Ode an die Freude, wie sie unter Brüdern in einer Welt gerade noch möglich ist, die alle verlassen müssen.
So wie die Freude, und sei es in der Negation, der Trauer verwandt ist, so macht auch Schönheit den Menschen Freude. Die Schönheit gehört zu den Begriffen, von denen wohl jeder eine Erfahrung hat, ohne dass ein jeder in der Lage wäre, diese Erfahrung angemessen mitzuteilen. Was ist Schönheit, und was könnte sie sein, auch im Hinblick auf so fundamentale Gefühlswelten wie die der Trauer und der Freude?
Die Frage, wo denn das Positive bleibe, hat Erich Kästner überliefert: „Und wo bleibt das Positive, Herr Kästner“, heißt eines seiner Gedichte, dessen erste Strophe lautet: „Und immer wieder schickt ihr mir Briefe, /in denen ihr, dick unterstrichen, schreibt:/ ‚Herr Kästner, wo bleibt das Positive?’ /
Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt.“
Die Tonart, in der der Dichter Kästner die Frage nach dem Positiven umspielt, ist melancholisch.
Wo soll denn das Positive sein, fragt er, und wenn ihr mich fragt, ich weiß nicht, wo – vereinfacht gesagt: Das Negative überwiegt. Aber das heißt nicht, dass es nichts Positives gäbe, auch wenn „positive thinking“ ein rücksichtsloses Verfahren werden kann, mit dem man sich gegen alle Realität einzureden versucht, dass eh alles gut ist.
Jeder halbwegs Gebildete kommt um ein anderes Gedicht nicht herum. Es stammt nicht von Kästner, sondern von Schiller, und es ist von Beethoven vertont worden, damit man es in die Welt hinaus schmettern kann. In der ersten Fassung des Gedichts aus dem Jahre 1785 heißt es: „Freude, schöner Götterfunken,/ Tochter aus Elysium, / Wir betreten feuertrunken/ Himmlische, dein Heiligtum.“
So weit , so gut. Aber es kann einen der Schlag treffen, liest man die letzte Strophe des Gedichts, die Schiller für die zweite Fassung von 1808 ersatzlos gestrichen hat. Sie lautet: „Eine heitre Abschiedsstunde! / Süßen Schlaf im Leichentuch!/ Brüder – einen sanften Spruch / Aus des Totenrichters Munde!“ Danach wäre ein sanfter Tod die Pointe einer Ode an die Freude, wie sie unter Brüdern in einer Welt gerade noch möglich ist, die alle verlassen müssen.
So wie die Freude, und sei es in der Negation, der Trauer verwandt ist, so macht auch Schönheit den Menschen Freude. Die Schönheit gehört zu den Begriffen, von denen wohl jeder eine Erfahrung hat, ohne dass ein jeder in der Lage wäre, diese Erfahrung angemessen mitzuteilen. Was ist Schönheit, und was könnte sie sein, auch im Hinblick auf so fundamentale Gefühlswelten wie die der Trauer und der Freude?
Die OÖ Kulturvermerke sind als eine Veranstaltung der Reflexion, des Nachdenkens in Oberösterreich eingebürgert. Sie halten die Hektik und das „Drüberwegwischen“ über alle vorschnell als kompliziert verschrienen Themen auf. Die Oberösterreichischen Kulturvermerke lehren und demonstrieren seit mehr als zwei Jahrzehnten Methoden der geistigen Auseinandersetzung, die in einer komplexen Gesellschaft sehr gut zu gebrauchen sind.
(Franz Schuh)
Moderation an allen Tagen: Peter Huemer.
Um das Symposion einer breiten Öffentlichkeit zu öffnen, werden die Eröffnung sowie Referate, Gespräche und Filme bei freiem Eintritt angeboten.
Informationen: www.kulturvermerke.at
Die Oberösterreichischen Kulturvermerke wurden 1992 von Jutta Skokan initiiert und finden heuer zum 28. Mal statt.
Kontakt:
Markus Munninger, Kurator OÖ KULTURVERMERKE
Verein Kulturbüro, Griesstraße 18, 4600 Wels
Mobil: 0664 1114990 , Mail: [email protected]