30/04/2026
Warum arbeiten wir nicht, am Tag der Arbeit? Chicago (USA), 1886. Arbeiterkundgebung. Für: Achtstundentag. Heute: Selbstverständlich. Am 3. Mai wollte man dafür friedlich demonstrieren- doch es kam zu Polizeiübergriffen. Also traf man sich zur Protestkundgebung am 04. Mai und als die Sache schon fast zu Ende war warf ein unbekannter eine Bombe in die Menge worauf hin die Polizei das Feuer eröffnete. Zivilisten und Polizisten kamen dabei ums Leben. Soviel so kurz zur „Haymarket -Affäre“ vom 4. Mai 1886, die sich heuer zum 140 Mal jährt. Der May Day wird in über 80 Ländern dieser Erde begangen. Darum begehen wir den Tag der Arbeit. Weil die Arbeiter:innen auch was vom Leben haben wollten. Vielleicht ist es noch irgendwo dämmrig in Erinnerung, davor, da war Sklaverei und Leibeigenschaft. Dann kam die Lohnarbeit. Der Bauer verschwand von den Feldern in die Fabriken und schuftete weiter, an anderem Ort. Sie kämpften gegen Unterdrückung und Aubeutung. Sie kämpften für Menschenrechte. Für die Freiheit und die Annehmlichkeiten, die manche als selbstverständlich erachten, anderen sogar heute noch absprechen. Es ist nur recht, am 1. Mai die Fahnen aufzuziehen und zumindest einmal die Internationale anzustimmen. Selbst mit Kater, nach einer durchwachten Nacht. Denn zum 01. Mai da steht auch ein Baum. Ein Symbol für Leben, Wachstum und Fruchtbarkeit. Zünfte nutzen den Brauch, um Zugehörigkeit und Zusammenhalt zu demonstrieren. Der Kranz symbolisiert die Gemeinschaft und den Kreislauf des Lebens.
Und vielleicht ist genau das der Kern dieses Tages: Erinnerung und Auftrag zugleich. Erinnerung daran, dass Rechte niemals geschenkt wurden, sondern erkämpft werden mussten – oft unter Gefahr, manchmal mit dem Leben bezahlt. Und Auftrag, wachsam zu bleiben, damit Würde, Solidarität und soziale Gerechtigkeit nicht zu bloßen Worten verkommen.
Der 1. Mai ist deshalb mehr als Tradition, mehr als Marschmusik, Fahnen und Maibaum. Er erzählt von Menschen, die sich nicht damit abfinden wollten, nur zu funktionieren, zu schuften und zu gehorchen. Von Menschen, die verlangten, dass Arbeit dem Leben dienen soll – und nicht das Leben der Arbeit.
Darum stehen die Fahnen. Darum steht der Baum. Und darum steht auch heute noch die Hoffnung, dass Zusammenhalt stärker sein kann als Ausbeutung und Gleichgültigkeit.