14/10/2025
𝟗 𝐊𝐢𝐥𝐨𝐦𝐞𝐭𝐞𝐫 𝐀𝐬𝐩𝐡𝐚𝐥𝐭 – 𝐨𝐝𝐞𝐫 𝐝𝐢𝐞 𝐙𝐮𝐤𝐮𝐧𝐟𝐭 𝐮𝐧𝐬𝐞𝐫𝐞𝐫 𝐊𝐢𝐧𝐝𝐞𝐫?
Heute dürfen wir mit euch einen ganz besonderen Brief teilen – einen Brief, der tief unter die Haut geht.✉️
Verfasst wurde er von Julia Hieger – Mama und Landwirtin 👩🌾, Unternehmerin (Selbsterntegarten in St. Georgen), Bauernbundobfrau von St. Georgen und betroffene Anrainerin der geplanten S 34.
Mit ihren Worten richtet sie sich direkt an Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner – ehrlich, berührend und mit der Hoffnung, gehört zu werden.❤️
👉Betreff: 9 km Asphalt oder die Zukunft unserer Kinder?
Appell gegen die S34
Sehr geehrte Frau Landeshauptfrau,
denken Sie daran zurück, wie Sie als Kind barfuß über die Wiese liefen, die Erde warm, lebendig, voller Leben. 👣
Ein Ort, an dem Generationen vor uns gearbeitet haben – und auf
dem auch morgen noch unser Brot wachsen könnte. 🌾
Jetzt stellen Sie sich denselben Ort vor, überzogen von Asphalt. Eine Schneise aus Beton, in der sich die Sommerhitze staut, wo kein Vogel mehr singt und kein Tropfen Wasser mehr versickert.
Genau darum geht es bei der S34. Es geht nicht um 9 Kilometer Straße – es geht um die Frage, welche Zukunft wir bauen: eine, die unsere Kinder ernährt, oder eine, die unsere Böden für immer versiegelt.
Die geplante Schnellstraße S34 ist mehr als nur ein Bauprojekt – sie ist ein Symbol für eine Politik, die mit der einen Hand beim Sozialsystem spart und mit der anderen Milliarden in Beton gießt. 300 Millionen Euro für 9 Kilometer Asphalt – derselbe Betrag, der bei Pensionen gestrichen werden soll. Für uns Bäuerinnen und Bauern bedeutet diese Straße nicht Fortschritt, sondern die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen.
Über 100 Hektar fruchtbarster Böden und wertvoller Natur sollen verschwinden – für eine Trasse, die das Grundwasser gefährdet, bedrohte Tierarten vertreibt und Landwirte enteignet. Was zurückbleibt, ist ein geschundener Landstrich, der nicht mehr nährt, sondern versiegelt.
Ist das wirklich der Preis, den unsere Kinder für eine vermeintliche Entlastung der B20 zahlen sollen?
Dabei liegen die Alternativen längst auf dem Tisch: Der Ausbau der Traisentalbahn könnte Pendler:innen wirklich entlasten – klimafreundlich, zukunftssicher und im Einklang mit den Klimazielen unseres Landes. Dichtere Taktungen, moderne Fahrzeuge und eine bessere Vernetzung mit dem öffentlichen Verkehr würden nachhaltig wirken – ohne Natur und Landwirtschaft zu opfern.
Die letzten Jahre haben uns deutlich gemacht:
Sicherheit entsteht nicht durch immer neue Straßen, sondern durch regionale Lebensmittelversorgung, durch gesunde Böden, durch eine intakte Landschaft. Genau diese Werte stehen mit der S34 auf dem Spiel. Während Bürgermeister Stadler Industrieflächen plant, verlieren wir die Äcker, von denen morgen unser Brot kommt.
Sie, Frau Landeshauptfrau, tragen die Verantwortung für Niederösterreichs Zukunft.
Verantwortung dafür, ob unser Bundesland in Zeiten der Klimakrise auf die Sackgasse Beton setzt – oder ob Sie den Mut haben, neue Wege zu gehen. Verantwortung dafür, ob die bäuerliche Kultur im Zentralraum Niederösterreichs weiterleben darf – oder ob sie unter
einer Schneise aus Asphalt begraben wird.
Wir appellieren eindringlich an Sie:
Stoppen Sie die S34. Setzen Sie auf zukunftsfähige Mobilität, die Menschen verbindet, ohne Landschaften zu zerstören. Schaffen Sie Vertrauen – nicht Straßen.
Zeigen Sie Größe, Frau Landeshauptfrau. Entscheiden Sie nicht für ein Bauwerk, das in dreißig Jahren als Relikt einer falschen Politik dasteht, sondern für eine Zukunft, die wir unseren Kindern mit Stolz übergeben können.
Denn am Ende geht es nicht um eine Straße. Es geht um das Fundament, auf dem wir alle stehen: unsere Böden, unser Wasser, unser Leben.
Mit der Bitte um Ihre klare Stellungnahme,
Julia Hieger, BA, Bed
Obfrau der Bauernbund Ortsgruppe St. Georgen am Steinfeld
👉 „Teile diesen Brief, wenn auch du findest, dass unsere Böden mehr wert sind als Asphalt.“
📷 Julia Hieger
Fotocredit: Myart Caroline Schmidlechner