08/06/2026
Es ist normal für die Jahreszeit. Mein verlängertes Wochenende.
Es ist normal - ein Kater aus einer Privathaltung, abgegeben, 12 Jahre unkastriert, komplett verfilzt, wir machen vor der Kastration eine Blutuntersuchung, wie immer bei Katzen diesen Alters und stellen fest: Niereninsuffizienz. Das kann eigentlich nicht wahr sein, sein ganzes Leben hat sich niemand richtig gekümmert um ihn und dann kommt er zu uns und dann das. Natürlich werden wir ihn nicht aufgeben. Er schwirrt mir ununterbrochen im Kopf herum, ich telefoniere mit Ärzten, was wir tun können, er wird intensiv versorgt mit Infusionen und Medikamenten. Er frisst nicht. Ich schlafe nicht.
Dann der Feiertag, Abend - drei Flaschenkinder, Durchfall, eines komatös bei Ankunft, ich schicke die Finder weiter ... Zum Einschläfern beim tierärztlichen Notdienst, Gott sei Dank gibt es den um halb 9 am Abend und er bereitet dem unsagbarem Leid dieses kleinen Wesens, das es nie hätte geben sollen, ein Ende. Die anderen zwei übernehme ich, ich kämpfe die ganze Nacht. Massiver Durchfall, stark dehydriert, der Verdacht einer Katzenseuche steht im Raum, daher sind strengste Quarantänemaßnahmen angesagt. Keinesfalls dürfen die vielen anderen Babys in unserer Obhut gefährdet werden. Ich schlafe nicht. Am Freitag auch nicht. Ihr Leben steht auf Messers Schneide. Ständige Betreuung und gleichzeitig strikte Quarantäne ist angesagt.
Gestern dann wieder drei aufgefundene Babys - schlechter Zustand. Aber besser vor allem älter als die anderen, etwa 6 Wochen. Eines ist aber doch recht schlecht beisammen. Nach einem Schwal von Eiter habe ich die Augen endlich sauber. Ein Auge ist zumindest noch da hinter dem ganzen Eiter. Ich kämpfe also auch diese Nacht.
Es fällt dieser Tage schwer ein aufrichtiges Lächeln herauszubringen. Schließt man die Augen denkt man ununterbrochen an Fälle, die einen zermürben. Aber das ist normal für die Jahreszeit, redet man sich ein und macht weiter.
Es freut mich, dass wir so viele sind, so viele auch in der Tierrettung - die derzeit fast wöchentlich mit mindestens einem richtigen Katastropheneinsatz konfrontiert ist - letztes Wochenende war es eine Katze deren Bauchraum vollgefüllt war mit Maden. Wohl ein Verkehrsunfall, leider wohl ohne die Motivation nachzusehen, was aus der Katze geworden ist.
Wir sind viele mit gleicher Gesinnung, aber einfach nicht genug.
Ich freue mich auf die Tierschutzunterrichtsstunden, sie sind derzeit meine kleine Hoffnung. Stunden, in denen dir Kinder erklären, dass es nicht normal ist. Dass man Tiere anfährt und weiterfährt, dass man erkrankten Tieren nicht hilft, dass man sie nicht richtig füttert, obwohl es Haustiere sind und sich um die kümmert. Es tut gut das zu hören. Auch wenn es nichts ändert, die kleine Hoffnung ist da, dass es das irgendwann tut.
Denn für die, die wirklich aufrichtig hinsehen, ist es auch einfach nicht normal. Wir können nur hoffen, dass es mehr werden.