24/05/2026
Kaum Wachstum in der Wirtschaft, dafür bei der Arbeitslosigkeit: Zeit für eine Jobgarantie?
Österreich ist in einer schwierigen Lage: schwache Konjunktur, hohe Arbeitslosigkeit, Budgetkrise. Ende April 2026 waren beim AMS rund 398.000 Menschen arbeitslos oder in Schulung vorgemerkt. Das sind 8,5% mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig bleibt die wirtschaftliche Erholung verhalten.
Die naheliegende politische Reaktion ist meist: sparen, kürzen, den Druck auf Arbeitslose erhöhen. Doch aus Sicht des Arbeitsmarkts und der Makroökonomie greift diese Antwort zu kurz. Denn Arbeitslosigkeit ist nicht nur ein individuelles Problem, sondern auch ein gesamtwirtschaftliches. Sie senkt Einkommen, Kaufkraft und dadurch auch Steuereinnahmen. Sie erhöht Sozialausgaben und führt langfristig zum Verlust von Qualifikationen. Gerade in einer Phase schwacher Nachfrage kann zusätzliche Arbeitslosigkeit die Konjunktur weiter bremsen.
Eine Jobgarantie setzt hier anders an: Der Staat würde als Arbeitgeber letzter Instanz auftreten und gemeinnützige, gesellschaftlich notwendige Arbeit finanzieren. Zum Beispiel in Gemeinden, sozialer Infrastruktur, Pflegeunterstützung, Bildung, Klimaanpassung oder Nachbarschaftsarbeit.
Das ist auch budgetpolitisch relevant. Eine Jobgarantie kostet zwar, erzeugt aber auch einen Gegenwert. Ein Teil der Mittel, die heute in passive Arbeitslosigkeit fließen, würde in Beschäftigung, Einkommen, Qualifikation und öffentliche Leistungen umgeleitet. Gleichzeitig entstehen Rückflüsse über höhere Nachfrage und damit einhergehende Gewinne bei Unternehmen und Steuereinnahmen.
Angesichts von KI und Automatisierung wird diese Frage noch dringlicher. Wenn technologische Umbrüche bestimmte Tätigkeiten verdrängen oder entwerten, braucht es Institutionen, die soziale Sicherheit und Teilhabe nicht allein vom privaten Arbeitsmarkt abhängig machen.
Eine Jobgarantie wäre daher trotz Budgetkrise kein Luxus. Sie wäre Instrument, um Arbeitslosigkeit, soziale Folgekosten und wirtschaftliche Stagnation gleichzeitig zu adressieren.