12/09/2026
Die Chronik einer verharmlosten braunen und autoritären Vergangenheit:
Wenn Täterverehrung in Stein gemeißelt bleibtEs offenbart ein erschreckendes Maß an geschichtspolitischer Ignoranz und moralischer Verwahrlosung, wenn die politische Spitze Oberösterreichs auch im Jahr 2026 noch immer unfähig ist, sich unmissverständlich von Antisemitismus und Austrofaschismus zu distanzieren. Was wir hier erleben, ist kein unglücklicher Einzelfall, sondern ein System der beharrlichen Verharmlosung und des kollektiven Wegsehens.
Dass Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) unbeirrt daran festhält, das „Hoamatland“ als unantastbar zu verklären, während er die gut dokumentierten, judenfeindlichen und antisemitischen Hetzschriften seines Schöpfers Franz Stelzhammer ignoriert, ist ein Schlag ins Gesicht aller Opfer und Nachfahren. Wenn zivilgesellschaftliche Mahner wie das Mauthausen Komitee Österreich seit Jahren – wie zuletzt durch den Vorsitzenden Willi Mernyi – zu Recht darauf pochen, dass Stelzhamers Judenhass nicht länger totgeschwiegen werden darf, schaltet die oö. Landespolitik auf stur.
In letzter Zeit wird genau diese Hymne mehrmals von Hr Stelzer als reines Sinnbild oberösterreichischer Identität zu feiern und damit die antisemitischen Schattenseiten seines Autors bewusst auszuklammern, zeigt: Heimatfolklore steht für die regierende
Partei über historischer Aufklärung und menschlicher Anständigkeit. Doch diese Kontinuität des Traditionsbruchs mit der demokratischen Realität zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten apparativen Unterbau der ÖVP. Wie glaubwürdig kann der Umgang mit der Geschichte sein, wenn die oberösterreichische Landesparteizentrale ausgerechnet im Heinrich-Gleißner-Haus untergebracht ist – benannt nach einem Mann, dessen Rolle im autoritären Ständestaat und Austrofaschismus alles andere als eine saubere demokratische Weste aufweist? Hier residiert man demonstrativ im Geiste jener Männer, die die Demokratie in den 1930er-Jahren aktiv zu Fall brachten.
Das Problem macht zudem nicht an den Landesgrenzen halt, sondern reicht bis ins Herz der Bundesregierung. Wenn ein amtierender Innenminister wie Gerhard Karner – der oberste Hüter unserer inneren Sicherheit und des demokratischen Rechtsstaates – vor seiner Zeit in der Bundespolitik eng mit dem Engelbert-Dollfuß-Museum in Texingtal verbunden war, schließt sich der Kreis des Grauens. Es ist derselbe Dollfuß, dessen Regime die Demokratie zerschlug, die Arbeiterbewegung gewaltsam niederschlug und unter dem in Österreich die ersten "Arbeitslager" in ganz Österreicherrichtet wurden, um politische Gegner und Nichtsnutze wegzusperren.
Wer ein solches Erbe pflegt oder verharmlost, legt offen, wie tief das Unbehagen an einer echten, kritischen Auseinandersetzung mit dem Faschismus in Teilen der konservativen Machtelite sitzt. Am Ende bleibt ein verheerender Befund: Solange Parteizentralen nach Austrofaschisten benannt werden, Politiker ihre Wurzeln in der Verehrung von Diktatoren haben und Landeshauptleute judenfeindliche Texte aus falsch verstandenem Lokalpatriotismus reinwaschen, ist das offizielle Gedenken in diesem Land nicht mehr als eine heuchlerische Farce.
Wer den Antisemitismus eines Stelzhammer und die Diktatur eines Dollfuß verharmlost, der bereitet dem Geist von gestern den Boden von morgen und braucht sich um den Aufstieg der blauen nicht zu Wundern.
KPÖ Mauthausen Memorial / KZ-Gedenkstätte SPÖ Antifa Bündnis "Linz gegen Rechts" OMAS GEGEN RECHTS ORF Oberösterreich
https://www.mkoe.at/mkoe-vorsitzender-mernyi-fordert-von-landeshauptmann-puehringer-stelzhamers-judenhass-darf-in-der