12/06/2026
Warum die Elektrifizierung unserer Gesellschaft unausweichlich ist!
Energiesicherheit braucht klare Entscheidungen.
Experten fordern Ausbau von Stromnetzen, Windkraft und Photovoltaik für eine sichere Energiezukunft Kärntens
Über die Zukunft einer sicheren und nachhaltigen Energieversorgung diskutierten der Geschäftsführer der BE (Burgenland Energie) Energy GmbH, der aus Kärnten stammende DI Dr. Michael Weixelbraun gemeinsam mit DI Dr. Christian Bellina vom Übertragungsnetzbetreiber APG (Austrian Power Grid) und DI Jürgen Dörfler, Prokurist der der KärntenNetz GmbH, mit den Mitgliedern der „Allianz Energiesicherheit für Kärnten“.
Im Zentrum der Diskussion stand die Frage, wie Kärnten seine Energieversorgung langfristig absichern und gleichzeitig seine Abhängigkeit von fossilen Energieimporten reduzieren kann.
Die Teilnehmer betonten, dass die Energiewende nicht nur eine Frage des Klimaschutzes sei, sondern zunehmend auch eine Frage der Versorgungssicherheit, der wirtschaftlichen Stabilität und des Friedens. Österreich importiert nach wie vor einen erheblichen Teil seines Energiebedarfs in Form von Öl und Gas. Dafür werden jährlich Milliardenbeträge ins Ausland überwiesen und indirekt landen 10 bis 12 Milliarden in den Kriegskassen der Welt.
Wer über Energiesicherheit spricht, muss auch über Energieabhängigkeit sprechen. Jeder Euro, den wir für fossile Energieimporte ausgeben, fehlt letztlich für Investitionen in die heimische Wertschöpfung, wurde in der Diskussion festgehalten.
Einigkeit herrschte darüber, dass Investitionen in die Energieinfrastruktur langfristige Entscheidungen sind. Kraftwerke, Umspannwerke und Leitungsnetze werden für Nutzungszeiträume von einem Jahrhundert errichtet. Fehlende Investitionen heute beschränken daher die Handlungsspielräume künftiger Generationen erheblich.
Besonders hervorgehoben wurde die wachsende Bedeutung des Sektors Strom. Durch die fortschreitende Elektrifizierung von Mobilität, Wärmeversorgung und Industrie wird der Strombedarf in Österreich in den kommenden Jahrzehnten deutlich steigen. Experten gehen davon aus, dass sich der Bedarf von derzeit 70 TWh auf 140 TWh verdoppelt.
Kritisch wurde angemerkt, dass in der öffentlichen Debatte häufig nur die Stromproduktion betrachtet werde, während der gesamte Energieverbrauch einschließlich Öl und Gas zu wenig Beachtung findet. Eine ehrliche Energiepolitik muss jedoch das gesamte Energiesystem im Blick haben und die Fakten außer Streit stellen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung war die Rolle der Stromnetze. Die Experten verwiesen darauf, dass erneuerbare Energien wie Wind- und Sonnenkraft stärker schwankenden Erzeugungsmustern unterliegen als konventionelle Kraftwerke. Um diese Energie zuverlässig transportieren und verteilen zu können, sind leistungsfähige und flexible Netze unverzichtbar. An der optimierten Vernetzung (Hybridisierung) der verschiedenen erneuerbaren Energieträger wird aktuell intensiv gearbeitet. Dort liegen wesentliche Potentiale für zukünftige Entwicklungen.
Die Energiewende braucht nicht nur neue Kraftwerke, sondern auch die notwendige Netzinfrastruktur, damit die erzeugte Energie zuverlässig dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Dies war eine zentrale Schlussfolgerung der Diskussion. Das Jahrhundertprojekt Netzraum Kärnten – die geplante 380-kV-Leitung zwischen Lienz und Obersielach -wurde dabei anschaulich mit der Koralmbahn verglichen, die für die Area Süd bereits heute unverzichtbar ist.
Große Bedeutung wurde zudem der Standortsuche für Windkraft- und Photovoltaikanlagen beigemessen. Als positives Beispiel wurde das Burgenland genannt, wo durch eine frühzeitige Einbindung der Bevölkerung und attraktive Bürgerbeteiligungsmodelle eine hohe Akzeptanz für den Ausbau erneuerbarer Energien erreicht werden konnte. So gelang es seit den 2000-er-Jahren die Energiewende umzusetzen und 400 der aktuell 1400 Windräder Österreichs im Burgenland zu errichten.
Die Teilnehmer waren sich einig, dass auch Kärnten die vorhandenen Potenziale bei Wind- und Sonnenenergie stärker nutzen müsse. Die jüngsten Analysen zur Winterstromversorgung hätten gezeigt, dass zusätzliche Erzeugungskapazitäten notwendig sind, um die Versorgungssicherheit langfristig zu gewährleisten.
Abschließend wurde betont, dass Kärnten über gute Voraussetzungen verfüge, um eine Vorreiterrolle bei einer sicheren, nachhaltigen und regionalen Energieversorgung einzunehmen, wenn es stärker die volkswirtschaftliche Perspektive stärker berücksichtigt und die eigenen Potentiale besser nutzt (vgl. die kürzlich veröffentlichte Studie des Landes Kärnten „Energiestrategie Kärnten“). Voraussetzung dafür seien jedoch klare politische Rahmenbedingungen, Investitionssicherheit und der Wille, notwendige Infrastrukturprojekte rechtzeitig umzusetzen.
Energiesicherheit, Klimaschutz, regionale Wertschöpfung und Friedensarbeit sind keine Gegensätze. Sie können gemeinsam erreicht werden, wenn wir heute die richtigen Entscheidungen für morgen treffen. Kärnten hat die Chance, vom Energieimporteur zum Vorreiter einer sicheren und regionalen Energieversorgung zu werden – diese Chance sollte jetzt genutzt werden.
Die Allianz für Energiesicherheit wird in den kommenden Monaten weitere öffentliche Diskussionen zur faktenbasierten Meinungsbildung in Kärnten in ähnlicher Weise veranstalten. Die Allianz vereint verschiedene Organisationen wie den Verein des österreichischen Klimarats der Bürger:innen, , das Klimabündnis Kärnten, das Referat für Schöpfungsverantwortung, das Klimavolksbegehren, scientists for future, evangelische Kirche etc..