31/05/2026
Wir wünschen uns nur ein bisschen Liebe
Niemand kennt meinen Namen.
Vielleicht hatte ich einmal einen.
Vielleicht hat mich einmal jemand gerufen.
Ich weiß es nicht mehr.
Ich weiß nur, dass ich jeden Morgen aufwache und hoffe, etwas Futter zu finden.
Manchmal finde ich ein paar Krümel.
Manchmal gar nichts.
Und manchmal tut der Hunger so weh, dass ich mich kaum noch bewegen möchte.
Unter einem alten Schuppen habe ich meine Babys zur Welt gebracht.
Vier kleine Kätzchen.
So winzig, dass sie in meine Pfote passen würden.
Ihre Augen waren noch geschlossen, als sie zum ersten Mal nach meiner Wärme suchten.
Seitdem verlasse ich jeden Tag unser Versteck.
Nicht weil ich möchte.
Sondern weil ich muss.
Sie haben Hunger.
Immer Hunger.
Wenn sie miauen, zerreißt es mir das Herz.
Denn oft habe ich nicht genug Milch für sie.
Weil auch ich seit Tagen kaum etwas gefressen habe.
Die Menschen gehen an uns vorbei.
Manche sehen uns gar nicht.
Manche schauen kurz hin und gehen weiter.
Einige scheuchen uns sogar weg.
Als würden wir nicht hierher gehören.
Als wären wir unsichtbar.
Dabei wünschen wir uns nichts Besonderes.
Kein Luxus.
Kein großes Zuhause.
Keine teuren Dinge.
Nur einen vollen Bauch.
Einen trockenen Platz zum Schlafen.
Und jemanden, der uns freundlich ansieht.
Jemanden, der sagt:
„Du bist nicht allein.“
Eines Abends regnete es.
Der Wind kroch durch jede Ritze unseres Verstecks.
Meine Babys drängten sich eng an mich.
Sie zitterten.
Ich auch.
Ich legte meinen Körper um sie, damit sie wenigstens ein wenig Wärme hatten.
Selbst war ich längst durchnässt.
Während sie schliefen, sah ich hinaus in die Dunkelheit.
In die hell erleuchteten Fenster der Häuser.
Dort saßen Katzen auf weichen Decken.
Sie hatten Näpfe voller Futter.
Menschen, die sie liebten.
Und ich fragte mich leise:
Wie fühlt sich das an?
Geliebt zu werden?
Am nächsten Morgen weckte mich das leise Schnurren meiner Kleinen.
Sie vertrauten mir.
Obwohl ich ihnen so wenig geben konnte.
Da wurde mir klar:
Vielleicht wünschen wir uns alle dasselbe.
Egal ob Mensch oder Tier.
Etwas Wärme.
Etwas Hoffnung.
Etwas Liebe.
Denn kein Lebewesen sollte hungrig einschlafen müssen.
Und keines sollte sein ganzes Leben darauf warten, dass es endlich jemand lieb hat. *:o))