04/08/2022
Ein neuer Lebensabschnitt beginnt für Nashville!
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Die Zeit ist gekommen um leise „Auf Wiedersehen“ zu sagen!
Nashville verabschiedet sich vom Reitsport und geht zurück zu seinem Ursprung – seiner Holsteiner und Lipizzaner Herde in Ungarn – wo er aufgewachsen ist.
Dort wird er seine wohlverdiente Pension genießen.
Unvergesslich sind so viele Momente die wir mit Nashville erleben durfte.
Schon der Kauf war was Spezielles. Von langer Hand geplant überrumpelten Kathy und Brigitte mich nach den ersten erfolgreich absolvierten Reitstunden ein eigenes Pferd zu kaufen.
Mit meiner klaren Vorstellung – ein großer Schwarzer, ein Rappe soll es werden - ging die Pferdesuche los.
Die beiden Mädls fanden dann bald Nashy übers Internet in Salzburg. Kurzer Hand wurde zufällig ein gemeinsamer Radurlaub im Salzkammergut organisiert und auch der Wetterprophet meinte es gut und sorgte für zahlreiche Regentage. So gingen wir als Alternativprogramm Nashy schauen – aber nur schauen 😊.
Mein erster Proberitt mit diesem Edel-Holsteinerschimmel war nach meinen glorreichen Reitschulerfahrungen mit etwas abgestumpften Schulpferden dann ganz was spezielles. Mit meiner unerfahrenen Hilfengebung gab es dann für Nashy nur zwei Gangarten Schritt und ein „wahnsinnig gestreckter Galopp“ – aber immerhin ich blieb im Sattel. Kathy hat dann auch sein Sprungvermögen kennengelernt. Nashy machte ihr gleich klar, dass er die Sprunghöhe unabhängig von den Hindernissen selbst bestimmt und auch Kathy blieb im Sattel.
Erstes Pferd gesehen, getestet und dann auch gleich gekauft. So schnell und einfach gings. Ach ja – aus dem Rappen wurde nichts, dafür ein Schimmel. Bei Kaufabschluss ahnte ich noch nicht wie sehr sich die Putzzeit für einen Schimmel mit der eines Rappen unterscheiden kann. Nashy sorgte immer wieder mit seinem Erscheinungsbild nach dem Koppelaufenthalt dafür, dass das Putzen oft länger dauerte als das Training selbst.
Nashy musste dann mit Kathy durch die konsequente und fleißige Schule der Rittigkeit, Balance und Losgelassenheit. Brigitte machte uns von Anfang an klar – Nashy ist kein Diener – ihn kann man nur als Partner für sich gewinnen. Mit dieser Einstellung absolvierte er die Trainingslektionen in Dressur und Springen mit Bravour.
Dann gings auch los mit seiner Springkarriere. Gemeinsam wuchsen Kathy und Nashville über sich hinaus und absolvierten in Windeseile von A-Level bis zur höchsten S- Klasse erfolgreich unzählige Turniere. Das ging auch an zahlreichen Kaufinteressenten nicht spurlos vorbei. Doch Nashy war von Anfang an für mich unverkäuflich und aufgenommen in unsere Familie.
Parallel zu den Reiterfolgen von Kathy nahm mich Nashy als mein Lehrmeister mit und weihte mich in die Sprungtechnik ein. So konsequent wie Kathy mit ihm trainiert hatte unterstütze Nashy mich bei meinen Sprüngen. Er verzieh mir stets meine Schwächen und passte auf, dass ich nicht aus dem Sattel fiel. Wenn es dann doch passierte, dann war er zuerst mal fassungslos bezüglich meines reiterlichem Unvermögens, dann aber hatte er auch ein schlechtes Gewissen und grübelte sicher stundenlang in seiner Box nach wie er mein Stürzen zukünftig vermeiden kann.
Bei den Trainings hatte ich dann leichtes Spiel. Stundenlang studierte Nashy vom Paddock aus die Trainings am Springplatz. Als ich dann mit ihm an der Reihe war, da kannte er die Linienführung schon und zeigte mir wo es lang geht. Ich musste ihm stets nur versprechen im Sattel zu bleiben, den Rest macht er. Sein Motto bei den Sprungfolgen war auch stets „Ein Galoppsprung weniger geht immer!“
Vor 6 Jahren hatte er dann seine schwere Operation im Fesselgelenk. Viele Monate, auch viele kalte Monate waren dabei, durften wir beide nur Schritt führen. 15 min am Tag – dann ein bisschen mehr. Doch nach einem ¾ Jahr waren wir mit der Entscheidung konfrontiert, Nashy schon in Pension zu schicken. Schweren Herzens hatte ich mich schon von ihm verabschiedet und Kathy organisierte schon die Abfahrt nach Ungarn. Dann kam der unvergessliche Anruf von ihr, in dem sie mir mitteilte, dass sie Nashy nochmals antraben und sich nochmals überzeugen wollte, wie er lahmte. Dann passierte das Wunder - fünf Minuten vor der Abfahrt lief er auf einmal so was von taktrein und sauber. Das ist Nashy mit seinem Optimismus und Kämpferherz.
Kathy und Brigitte sagten dann einfach, dass seine Zeit noch nicht gekommen ist und er noch was großes vorhat – Wirst schon sehen, er wird mich noch zum Tiroler Meister küren, sagte ich im Übermut – aber dann hat er sich die Pension verdient. Das war dann auch das Versprechen, dass ich Nashy, Kathy und Brigitte vor 5 Jahren gab. Der Ortswechsel nach Aldrans mit Paddock eigener Koppel und perfekte Betreuung sorgte dann dafür, dass sich Nashy so was von wohl fühlte und es uns auch täglich spüren lies. Unser Trainingsmotto und Erfolgsrezept war stets „Weniger ist mehr“.
Dann kam der große Moment und er kürte mich wirklich zum Tiroler Meister der ländlichen R1 Reiter – Unvergesslich waren seine mit Leidenschaft und Herzblut absolvierten fehlerfreien Runden.
Das gewonnene Stechen mit einer 1/10 Sekunde Vorsprung gehört jetzt einfach zu unseren Big Moments.
Nashy gehörte zu den Lieblingen im Stall in Aldrans und sorgte selbst stets darum im Mittelpunkt zu stehen.
Ob Braut oder Nikolaus – alle wollten an seiner Seite sein.
Nashville – wir danken Dir für so viele unvergessliche Momente und wünschen Dir in Ungarn einen schönen Ausklang in deiner wohlverdienten Pferdepension.
Alles Liebe
📸 Mel Burger 😘