30/04/2026
👁 Berührende Einblicke in die Welt eines Sehbeeinträchtigten: 👁
Workshop zum Thema Mülltrennung, Entsorgung, Ressourcen und Nachhaltigkeit im Odilien-Institut:
"Ich bewege mich durch Graz nicht mit den Augen, sondern mit dem, was ich höre, fühle und mir einpräge. Dinge, die für viele selbstverständlich erscheinen – wie ein Mülleimer am Straßenrand – sind für mich kleine Herausforderungen im Alltag.
Zuhause funktioniert vieles gut. Mein Müll hat seinen fixen Platz, ich weiß genau, wo ich was entsorge. Auch die Mülltonnen im Haus sind für mich nutzbar, solange sie immer am gleichen Ort stehen. Diese Verlässlichkeit gibt mir Sicherheit. Ähnlich ist es in der Arbeit: Dort sind Mülleimer im Raum sogar mit Braille beschriftet. Das ermöglicht mir ein selbstständiges Handeln, ohne auf Hilfe angewiesen zu sein. Ich wünsche mir, dass solche einfachen Lösungen – wie tastbare Beschriftungen – auch außerhalb geschlossener Räume stärker eingesetzt werden.
Sobald ich jedoch in den öffentlichen Raum gehe, verändert sich alles. Die Ordnung, die ich brauche, löst sich auf. Einen Mülleimer zu finden oder zu erkennen, ist oft schwierig. Es gibt kein einheitliches System. Manche hängen an Stangen, andere stehen am Boden. Manche haben ihre Öffnung oben, andere vorne. Die Größen unterscheiden sich, genauso wie die Formen. Für mich fühlt sich das chaotisch an – ich kann mich nicht darauf verlassen, was mich erwartet.
Was für viele nur Design ist, wird für mich zum Hindernis. Ohne ein klares, wiederkehrendes Muster muss ich jeden Mülleimer neu „lernen“. Das kostet Zeit, Konzentration und manchmal auch Mut, mich überhaupt darauf einzulassen."
„Ich bin nicht behindert – Ich werde Behindert“
Zitat: Raul Krauthausen
Bildbeschreibung: ein junger Mann mit Blindenschleife und weißem Stock entsorgt ein Taschentuch in einem öffentlichen Mülleimer.