31/08/2026
BUCHPRÄSENTATION
Wildtiere am Haus. So gelingt das Miteinander
Autor:innen: Michael Stocker, Sebastian Meyer, Iris Scholl, Illustratorin: Karin Bauer
Hausfreunde oder Störenfriede – Wildtiere sind immer in unserer Nähe. Welche Wildtiere nutzen Gebäude als Teil ihres Lebensraums? Und welche Maßnahmen können zur Erhaltung und zur Förderung dieser Arten bzw. zum friedlichen Zusammenleben beitragen? Das erfahrene Autor:innenteam – Michael Stocker ist Landschaftsplaner und Zoologe, Sebastian Meyer ist Biologe in einem Planungsbüro in Zürich, Iris Scholl ist Ethologin, engagiert sich seit 1995 selbstständig für Gebäudebrüter und ist Verfasserin der Broschüre „Nistplätze für Mauer und Alpensegler: Informationen rund um Baufragen“ – liefert in diesem Buch wissenschaftlich fundiertes Fachwissen mit konkreten Tipps für die Praxis. Das Buch zeigt eindrucksvoll, wie durch simple Maßnahmen bei Neubauten, Sanierungen oder im Alltag Konflikte minimiert werden können.
Unter die Lupe genommen werden Vögel (etwa Mauersegler, die in kleinsten Nischen unter Dachvorsprüngen leben; Schwalben, die ihre Nester an Außenwänden (z. B. Mehlschwalben) oder in Ställen bauen; Spatzen & Amseln, die sich in Nischen an Fassaden aufhalten oder in Hecken direkt am Haus brüten, oder Falken, die oft höher gelegene Simse nutzen. Bei den Säugtieren sind es Fledermäuse, die als spaltenbewohnende Arten enge Zwischenräume in der Fassade oder hinter Verkleidungen bevorzugen, oder Steinmarder, die gerne Schutz und Wärme auf Dachböden finden, was ohne Vorkehrungen zu Lärm- oder Sachschäden führen kann. Außerdem sind es nützliche Insekten & Spinnentiere, auf die im Buch ein Blick geworfen wird: Wildbienen, die sich in Ritzen im Mauerwerk oder in spezielle Nisthilfen am Haus tummeln. Oder Spinnen, die häufig im Keller oder in Fensternischen leben und lästige Insekten fernhalten.
Was kann getan werden? Gefahrenquellen sichern: Decken Sie offene Wassertonnen ab oder legen Sie Ausstiegshilfen hinein. Sichern Sie Kellerabgänge und Lichtschächte mit feinen Gittern, damit kleine Tiere wie Igel oder Amphibien nicht hineinfallen. Nisthilfen und Quartiere anbieten: Bringen Sie artgerechte Nistkästen für Vögel (wie Mauersegler oder Schwalben) oder Spaltenquartiere für Fledermäuse an, idealerweise geschützt vor direkter Mittagssonne und Katzen. Wildtierfreundliches (Um-)Bauen: Berücksichtigen Sie bei Fassadensanierungen oder Wärmedämmungen bestehende Einflugspflöcke oder Nistplätze und integrieren Sie spezielle Versteckmöglichkeiten direkt in die Architektur. Zugänge verwehren statt vertreiben: Verschließen Sie unerwünschte Schlupflöcher zum Dachboden (etwa für Steinmarder) erst dann, wenn sich sicher kein Tier mehr im Gebäude befindet. Naturnahe Gartenpflege: Lassen Sie Ecken im Garten verwildern und setzen Sie bei der Rasen- oder Heckenpflege vorsichtiges Werkzeug ein, um versteckte Tiere nicht zu verletzen.
Das Buch richtet sich gleichermaßen an Behörden, Architektinnen und Architekten, Bauherren sowie an interessierte Laien mit etwas Vorwissen. Es verbindet die Ansprüche der Tierökologie perfekt mit modernem Bauwesen – mit Potenzial, sich als Standardwerk für ökologisches Bauen zu etablieren. Der Rezensent empfindet die Tipps so gut und teilweise so simpel, dass man sofort Lust bekommt, sie am eigenen Gebäude umzusetzen – praxisnah, fundiert, konkret, achtsam und naturfriedlich; ein dringend notwendiges Werk für den Artenschutz im Siedlungsraum.
Rezensiert von Gerhard Einsiedler, August 2026
Haupt Verlag, Mai 2026
192 Seiten, 350 Farbfotos, 25 Schwarz-Weiß-Illustrationen
Softcover mit Klappen, 15,5 x 22,5 cm
ISBN: 978-3-25808-458-9
30,80 Euro (A); 29,90 Euro (D); 30 CHF (CH)
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