02/06/2026
*Dieser Beitrag basiert auf den Ergebnissen der von VIDC und WIDE durchgeführten Workshopreihe „Feministische Außenpolitik – Potenziale & Realität“, die zwischen November 2023 und November 2025 stattfand. Zu Beginn der Reihe hatte das Konzept feministischer Außenpolitik einen regelrechten Aufschwung erlebt. Während Politiker*innen zuvor meist gezögert hatten, den Begriff „Feminismus“ zu verwenden, schien er 2023 plötzlich relativ breit etabliert, unter anderem im Wortlaut schwedischer, deutscher und österreichischer Programme.
Mit der Zuspitzung globaler Krisen geriet eine feministische Außenpolitik, die sich explizit als Friedenspolitik versteht, zunehmend unter Druck. So nahmen auch Aufrüstungs- und Kriegsrhetoriken vor allem im Kontext des Aggressionskrieg Russlands in der Ukraine deutlich zu, während Verurteilungen des gewaltsamen Vorgehens Israels in Gaza häufig zögerlich und halbherzig ausfielen, was vor allem Feminist*innen aus dem Globalen Süden scharf kritisierten.
Mit der erneuten Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten kehrte schließlich eine Politik zurück, die offen die Logik der Stärke propagiert und damit im diametralen Gegensatz zu feministischen Ansätzen steht: eine Politik, die Empathie delegitimiert, Frauen* aus Entscheidungsprozessen verdrängt und Begriffe wie „Gender“ oder „Feminismus“ diskreditiert. In der Folge wurden entsprechende Begriffe aus programmatischen Dokumenten gestrichen.
Diese Entwicklungen spiegelten sich auch in den Diskussionen der Workshopreihe wider. Im Verlauf der zwei Jahre, parallel zu den globalen politischen Entwicklungen, wurden die Diskussionen zunehmend ernüchterter und pessimistischer.
Trotz dieser Rückschläge sind wir – VIDC und WIDE – überzeugt, dass eine feministische Politik, die sich als Friedenspolitik versteht, nicht bei der Gleichstellung der Geschlechter in einzelnen Bereichen stehen bleibt, sondern auf eine grundlegende Transformation globaler Machtverhältnisse abzielt, eine notwendige Antwort auf eine Politik, die dem Recht des Stärkeren huldigt, darstellt.