Lebensskizzen

Lebensskizzen Wir erzählen Geschichten über Menschen als ganze Menschen. Dies ist ein Plädoyer für gegenseitiges Verständnis.

Dabei wollen wir systemische Zusammenhänge aufzeigen, die dafür sorgen, dass Existenzangst noch auf der Tagesordnung steht.

Aki (4/4). Die letzten fünf Jahre waren wieder sehr Hardcore für mich. Gesundheitlich, psychisch und sozial. Weil ich ei...
25/08/2026

Aki (4/4). Die letzten fünf Jahre waren wieder sehr Hardcore für mich. Gesundheitlich, psychisch und sozial. Weil ich ein Transmann bin und mich vor fünf Jahren entschieden hab, dass ich es öffentlich mach. Ich hab auch kein Problem damit, wenn man mir Fragen stellt oder so, weil das ein Thema ist, das die meisten schwer verstehen. Auch Ärzten und Schwestern im Krankenhaus hab ich schon erklären dürfen, wie das jetzt so ist und so abrennt, mit den psychologischen Gutachten, den Hormonen, den angleichenden OPs. Alle OPs mach ich übrigens nicht, das kann ich meinem Körper nicht zumuten.Ich hab das schon so gespürt, wie ich klein war. Meine Mutter und meine Schwester erzählen, dass ich früher sehr oft gesagt hab: Warum schau ich nicht so aus wie mein Vater, wann wächst mir da was? Irgendwann hab ich gemerkt, dass die Leute böse werden, wenn ich gesagt hab, dass ich kein Mädchen bin, und hab das dann nicht mehr ausgesprochen.Ich hab nicht gewusst, was das ist. Erst als ich mich dafür entschieden hab, keine Frau zu sein, sondern ein Mann, hab ich herausgefunden, dass es anderen auch so geht und dass das einen Namen hat. Ich hab zwar Schwule, Lesben und Bisexuelle als Freunde gehabt, aber ich hab nie was von Trans gehört. Wenn sich Leute beschweren, dass einem heute das Transsexuelle regelrecht aufgezwungen wird, dann wundere ich mich schon sehr: Ich hab bis zu meinem 27. Lebensjahr nicht einmal gewusst, dass es soetwas gibt.Ich bin viel im Internet unterwegs, und da kursieren die wildesten Gerüchte: Nicht nur, dass wir alle transsexuell machen und so die Menschheit ausrotten wollen, sondern auch dass wir alle pädophil seien, und natürlich auch Kannibalen. Es ist so absurd, dass es schon wieder lustig ist. Und trotz dieser schwachsinnigen Hetze und vereinzelter Probleme mit Beamten oder Ärzten, muss ich sagen, dass ich durch mein Coming-Out glücklicher bin als vorher.Es fühlt sich gut und richtig an, Aki zu sein. Ich bin heute stabiler. Auch dank der Freunde in der Trans-Community. Fotos: Milena Krobath

Aki (3/4). Das Basaglia-Haus ist eine Art Groß-WG, da können bis zu 15 oder 17 Leute wohnen, jeder hat ein Zimmer, und d...
25/08/2026

Aki (3/4). Das Basaglia-Haus ist eine Art Groß-WG, da können bis zu 15 oder 17 Leute wohnen, jeder hat ein Zimmer, und dann gibt es in jedem Stock noch gemeinschaftlich genutzte Räume, Küche, Bad, WC.
Dort hab ich dreieinhalb Jahre lang gelebt. Heute kann man nicht mehr so lange dort bleiben, weil es zu viel Bedarf gibt.Ich hab dann noch einmal dreieinhalb Jahre in einer von den betreuten Wohngemeinschaften gelebt, die der Verein in verschiedenen Häusern in Linz hat. Das ist unbefristet, manche ziehen irgendwann in eine eigene Wohnung weiter, für andere ist das ein fixer Wohnplatz, weil sie sich mit dem Alleinewohnen schwertun.Dann wollt ich wieder allein sein und hab zum Glück eine billige Wohnung um 320 Euro gefunden. Für mittelschwere Notfälle gibt es zum Glück noch die Ambulanz von Exit Sozial. Die hat auch vier Krisenzimmer, wo man hin gehen kann, wenn es einem schlecht geht, aber nicht so schlecht, dass man ins Krankenhaus muss.
Ich hab über den Verein eine Psychotherapie durch Fachärzte bekommen. Auch der Betreuer vom AMS war zum Glück nett: Der hat mir ein Sytem ausgearbeitet, wie ich meine Lehre abschließen konnte, obwohl ich nur jeden zweiten Tag gearbeitet hab, weil jeden Tag hab ich es nicht mehr geschafft.Ich würd gern arbeiten, mein Geld verdienen und mir etwas leisten können, einmal groß ausgehen. Aber das funktioniert nicht. Bei Druck blockiert nicht nur mein Kopf, sondern auch mein Körper. Der bricht mir einfach zusammen. Sie haben das auch vom AMS aus untersucht, drei Tage lang, mit dem Ergebnis, dass ich arbeitsunfähig bin.Ich muss trotzdem jedes halbe Jahr einen Antrag auf Mindestsicherung stellen. Ich krieg die auch, aber nicht vom Magistrat, sondern vom Land. Es ist kompliziert. Ich bin da so ein komischer Fall, wo sie nicht wissen, was sie damit machen sollen. Aber ich bin nicht der einzige, der in keine von ihren Schubladen passt. Und das ist auch ein Grund, warum ich heute bei der Plattform „Sichtbar werden“ dabei bin, um auf diese Lücken im System aufmerksam zu machen. Fotos: Milena Krobath

Aki (2/4). In der Schule hat man mir die Armut angemerkt, weil ich nicht viel Gewand gehabt habe, und teilweise geflickt...
25/08/2026

Aki (2/4). In der Schule hat man mir die Armut angemerkt, weil ich nicht viel Gewand gehabt habe, und teilweise geflicktes Gewand, und natürlich keine Markenwaren. Und weil ich nie zu Geburtstagspartys gegangen bin, weil da hätte ich ja ein Geschenk mitbringen müssen.Meine Mum hat in der Nacht gearbeitet, bei der Post, sie hat dort Briefe sortiert, das hat sie rund 20 Jahre lang gemacht, nur in der Nacht, geschlafen hat sie am Tag. So haben wir Kinder gelernt, sehr leise zu sein. Diese Eigenschaft ist mir bis heute geblieben.Nach der Delogierung damals bin ich vor dem Nichts gestanden. Meine Mum hat eine kleine Einzimmer-Wohnung bekommen. Ich hab bei meinem damaligen Freund gewohnt, illegal, weil meine Mum wollte, dass ich bei ihr gemeldet bleibe, damit sie die Familienbeihilfe bekommt, die eigentlich für mich bestimmt war.Ich hab also keinerlei Unterstützung gehabt, keine Familienbeihilfe, keine Mindestsicherung. Nichts. Ich bin eigentlich allein gelassen worden, von meinen Eltern, von den Ämtern, auch von meinen damaligen Freunden, die mich mit Floskeln wie „Probleme hab ich selber“ abgespeist haben.Es wollt mir keiner helfen. Ich hab keine Perspektive gehabt. Und von meinem Freund abhängig zu sein, noch dazu, wo der zu dem Zeitpunkt nicht mehr wirklich interessiert war an unserer Beziehung, das hat mich total belastet, weil ich hatte mir immer geschworen, nie in so eine Situation zu geraten. Da war ich dann soweit, dass ich nimmer wollt.Es hat damit begonnen, dass ich mich bei der Arbeit nix geschissen hab und mir immer öfter weh getan hab. Schließlich hab ich mich richtig verletzt, auch in der Freizeit, mit allem, was ich gefunden hab. Und dann hat es mir komplett die Ketten ausgehängt. Im Kopf. Ein Nervenzusammenbruch. Ich wollt mich erhängen. Das war sehr schlimm. Ich bin im Krankenhaus gelandet.Im Krankenhaus haben sie mir geholfen, dass ich zu Exit Sozial komme. Das ist ähnlich wie Pro mente. Dort hab ich dann ein Zimmer im Franco-Basaglia-Haus gekriegt. Zu meinem großen Glück, weil ich glaub, ich würd sonst nicht dasitzen. Fotos: Milena Krobath

Aki (1/4). Es ist passiert, wie ich 17 war. Ich habe beim BFI in Freistadt Tischler gelernt, und war dann für die Berufs...
25/08/2026

Aki (1/4). Es ist passiert, wie ich 17 war. Ich habe beim BFI in Freistadt Tischler gelernt, und war dann für die Berufsschule in einem Internat untergebracht, nur am Wochenende daheim. Ich ruf meine Mama an, und sie sagt, sie kann gerade nicht, der Gerichtsvollzieher steht vor der Tür. Für mich war das völlig überraschend, weil mir vorher nichts gesagt worden ist. Später hat sie gemeint, sie habe nichts gesagt, weil sie sich so geschämt hat dafür.Wie auch immer, ich bin auf der Straße gelandet. Und ich hab meine Sachen nicht mitnehmen können, ich hab nichts packen dürfen, sie haben mir alles weggenommen, meine Mum hat nur mein Gewand mitnehmen können, und das war’s. Meine Bücher, meine ganzen Stofftiere, mein Computer, die anderen Elektrogeräte, alles weg. Das war Hardcore. Aber die Delogierung war nicht der erste größere Einschnitt in meinem Leben.Ich bin mein Lebtag lang schon in Linz. Aufgewachsen bin ich in der Neuen Heimat in der Nähe von Auwiesen. Bis ich zehn war, haben meine Mum, mein Vater, meine Schwester und ich in einer kleinen Zweizimmerwohnung gewohnt. Meine Schwester und ich haben uns ein Zimmer geteilt, und als wir etwas größer waren, sind wir uns sehr oft an die Gurgel gegangen, weil wir keinen Space gehabt haben.Wie ich zehn war, haben sich meine Eltern getrennt, und meine Schwester und ich sind mit meiner Mum umgezogen, wieder in ein gemeinsames Zimmer. Und da hat es dann angefangen, dass wir mit dem Geld nur so bis Mitte des Monats ausgekommen sind.Ich hab dann das Einkaufen übernommen, weil ich hab schon von klein auf gelernt, die Preise zu vergleichen und mir auch zu merken. Ich kann gut mit Zahlen umgehen, und es hat mir auch Spaß gemacht, obwohl es eigentlich in dem Alter nicht Spaß machen sollte, darauf schauen zu müssen, dass die Familie immer etwas zu essen daheim hat.Wir haben sehr oft Nudeln mit Bröseln und Zucker gegessen. Oder sehr viel Soßen mit Nudeln. Und sehr viel Reis. Fotos: Milens Krobath

Maria (4/4)Als sie uns von der Berg- und Kleinbäuerinnen-Vereinigung damals gefragt haben, ob wir mitarbeiten wollen, ha...
18/06/2026

Maria (4/4)

Als sie uns von der Berg- und Kleinbäuerinnen-Vereinigung damals gefragt haben, ob wir mitarbeiten wollen, haben wir überlegt: Wer von uns zwei macht es? Wir haben ja zu dem Zeitpunkt schon zwei Kinder gehabt. Und da hat der Franz gemeint: Du bist eher der Typ für so eine Aufgabe. Also hab ich das wahrgenommen und der Franz hat mehr von der Hausarbeit und Kinderbetreuung übernommen, weil ich ja jetzt öfter weg war.
​Und das, find ich, war auch etwas ganz Tolles, weil das für ihn etwas eröffnet hat, ein ganzheitlicheres Leben, das er sonst wahrscheinlich nicht so leicht gehabt hätte. Wir haben heuer zum Vatertag im Netzwerk “Fair sorgen” eine Aktion gemacht, bei der in ganz Österreich Männer-Statuen Tragetücher mit Puppen umgehängt wurden, und auch da war die Botschaft: He Männer, euch entgeht was, wenn ihr die Sorge-Arbeit den Frauen überlässt.In einer Studie hat sich gezeigt: Je besser die Sorge-Arbeit verteilt ist, desto weniger Gewalt gibt es in der Familie. Darum ärgert mich auch diese gerade stattfindende Rückkehr zu alten, lebensfeindlichen Männlichkeitserzählungen so sehr. Wir waren doch schon viel weiter.

Als Bäuerin seh ich die Probleme mit den Böden, der Erderhitzung, dem Artenschwund sehr unmittelbar, aber ich fühl mich ihnen nicht ohnmächtig ausgeliefert, weil ich Möglichkeiten habe, zur Veränderung beizutragen. Ich bin sehr froh, dass mein Sohn Severin und mein Neffe Tobias, die den Hof übernommen haben, diesen Weg der Biolandwirtschaft so engagiert weitergehen. Auch hab ich das Glück bei der Kabarettgruppe “Miststücke” mit ganz tollen Kolleginnen schwierige Themen mit Humor und Leichtigkeit zu bearbeiten. Und ich kann heute mit den Enkelkindern auf der Erde herumtollen und selbst wieder etwas Kind werden und dadurch viele Selbstverständlichkeiten neu sehen und hinterfragen, das macht mich sehr glücklich.

Fotos: Milena Krobath

Maria (3/4)Ich war unlängst auf einer Weiterbildung von dem Projekt “Schule am Bauernhof”, zum Thema Gesundheit und Klim...
18/06/2026

Maria (3/4)

Ich war unlängst auf einer Weiterbildung von dem Projekt “Schule am Bauernhof”, zum Thema Gesundheit und Klima. Und beim Klima ist gesagt worden, dass die Landwirtschaft in Österreich für 12 Prozent der Treibhausgase verantwortlich ist. Ui, da hat es sofort einen Aufschrei gegeben bei den konventionellen Bäuerinnen: Das ist ein Witz, wir machen eh schon so viel, und jetzt sind wir auf einmal für den Klimawandel verantwortlich!Die konventionellen Landwirte stehen heute enorm unter Druck, sie müssen wachsen oder zusperren, bei uns im Dorf haben schon die Hälfte der Betriebe aufgegeben. Die Bauern und Bäuerinnen fühlen sich ständig angegriffen, und beim Thema Klima wird leider immer gleich die Opferhaltung eingenommen. Dabei sind bei diesen 12 Prozent viele Dinge gar nicht dabei, z. B. die Verarbeitung oder der Transport, andere Berechnungen kommen sogar auf 40 Prozent.
Der Bauernbund unterstützt die Opferhaltung. Allein, was es da für eine Aufregung gab, als die Ministerin Gewessler beim Renaturierungsgesetz zugestimmt hat, halleluja! Da sind im “Bauernbündler”, der Zeitung vom Bauernbund, völlig aus der Luft gegriffene Dinge gestanden, mit denen sie die Bauern aufgehetzt haben.

Ein Argument gegen Bio-Produkte ist der Preis. Der ist für Menschen, die arm sind oder an der Armutsgrenze, wirklich schwierig. Andererseits werden heute noch immer ein Drittel aller Lebensmittel weggeschmissen. Und was ganz verschwiegen wird, sind die Folgekosten der Billigprodukte: weite Transporte, Umweltschäden, Klimaschäden, gesundheitliche Folgen etc. All das trägt die Allgemeinheit. Da müsste sich der Staat etwas einfallen lassen, wie man die Mittel anders einsetzt, um eine Grundversorgung mit Bio für alle zu ermöglichen.
Zudem hat der Biolandbau immer noch große Entwicklungspotentiale.

Wenn ich mir anschaue, was die Jungen heute im Vergleich zu uns damals alles machen, das ist wirklich toll. Da ist alles in Bewegung, wie wir selber auch. wir erneuern ja auch ständig unsere Zellen, und der Boden genauso, und das Gehirn hoffentlich auch.

Fotos: Milena Krobath

Maria (2/4)Mein Vater, Bauernbund-Obmann, ÖVP-Obmann, Ortsvorsteher, der hat es dann zu hören gekriegt: Deine Tochter! K...
18/06/2026

Maria (2/4)

Mein Vater, Bauernbund-Obmann, ÖVP-Obmann, Ortsvorsteher, der hat es dann zu hören gekriegt: Deine Tochter! Keiner tritt vom Bauernbund aus, nur deine Tochter! Und so weiter. Er hat das erleiden müssen. Was das betrifft, ist er wirklich tolerant gewesen, er hat uns keine Vorwürfe gemacht, aber er hat natürlich innerlich gelitten.
Heute muss ich sagen, dass es für mich so selbstverständlich war, mich zu organisieren und zu engagieren, im Kampf gegen die A5, bei der Österreichischen Berg- und Kleinbäuerinnen Vereinigung ÖBV, mit der Kabarettgruppe “Miststücke”, oder 20 Jahre lang als Gemeinderätin für die Wolkersdorfer Umweltinitiative, das verdanke ich irgendwie auch meinem Vater, weil der ja auch sehr aktiv war.
Ich kann mich erinnern, wie ich noch ein Kind war, sind die jungen Bauern bei uns in der Stube gesessen und haben überlegt, was sie besser machen können, haben einen Maschinenring gegründet, einen Weinbauverein, einen Bauernverein, die haben sich ja auch was überlegt. So habe ich schon früh mitbekommen, dass man gemeinsam etwas verändern kann.Schlägt man eine neue Richtung ein, ist der Weg naturgemäß etwas steinig. Über die Bio-Landwirtschaft haben die alten Bauern lange den Kopf geschüttelt: Das wird nichts, da hast keinen Absatz. Und auch heute heißt es noch immer: Nur die industrielle Landwirtschaft wird uns retten, weil sonst werden wir alle verhungern. Dabei ist es längst bewiesen, dass wir die Welt auch mit biologischen Nahrungsmittel ernähren können. Die wichtige Frage dabei ist, wie man sich ernährt. Wenn man zwei Mal jeden Tag Fleischprodukte isst, dann ist es schwierig. Aber wenn wir eine pflanzenbasierte Nahrung haben, mit Milchprodukten, und mit hin und wieder einem Fleisch, dann ist das überhaupt kein Thema. Es wäre für unsere Gesundheit besser, für die Fruchtbarkeit der Böden, fürs Klima, für die Artenvielfalt. Manchmal wundere ich mich schon, dass es für viele so schwer ist, diese gar nicht so komplizierte Erkenntnis zu verstehen.

Fotos: Milena Krobath

Maria (1/4)Als Jugendliche hab ich mir gedacht, ich werd nie Bäuerin. Nie und nimmer. Ich bin auf einem Bauernhof groß g...
18/06/2026

Maria (1/4)

Als Jugendliche hab ich mir gedacht, ich werd nie Bäuerin. Nie und nimmer. Ich bin auf einem Bauernhof groß geworden, auf einem sehr kleinen, aber einem sehr fortschrittlichen, was zum Beispiel bedeutet hat: mit Schweinen auf Spaltenböden. Das hat mich sehr abgestoßen.Ich hab zunächst in einer Bank gearbeitet, aber das hat mir überhaupt nicht getaugt. Also hab ich lieber ein freiwilliges Soziales Jahr gemacht. Dann bin ich in Linz auf die MÜLI gestoßen, eine Genossenschaft von engagierten Bio-Bäuerinnen und Konsumenten, da hab ich Anfang der 1980er Jahre zum ersten Mal biologische Lebensmittel kennengelernt. Das war für ich ganz erstaunlich, dass es das auch gibt.
​Ich war damals schon mit dem Franz zusammen. Und wie wir nach Peru aufgebrochen sind, um dort drei Jahre lang in der Entwicklungshilfe zu arbeiteten, haben wir schon gewusst: Wenn wir zurückkommen, übernehmen wir den Hof von seiner Mutter und fangen mit Bio an. Für Bio-Landwirtschaft hat es Ende der 1980er Jahre noch kein Institut auf der BOKU gegeben und auch kaum Beratung, das war mehr ein Ausprobieren. Wir waren in vielen Fragen noch ziemlich unbedarft, aber zum Glück hat uns ein Cousin vom Franz, der auch auf Bio umgestiegen ist, viel geholfen. Und dann waren da noch andere junge Bio-Pionierinnen wie wir, auch mit kleinen Kindern, wir haben uns auf den Höfen getroffen und geschaut: Wie hast es du gemacht? Ich hab das aber anders gemacht. So haben wir alle voneinander gelernt.Eines Tages ist ein Bauer bei uns aufgetaucht und hat gesagt, er kommt, um den Bauernbund-Beitrag zu kassieren. Haben wir gesagt: Wir sind ja nicht Mitglied. Hat er gesagt: Oh ja, da schau auf die Liste. Es hat sich herausgestellt, dass mein Vater und Franz seine Mutter uns da eingetragen haben, weil: Wenn man sechszehn wird, tragen sie einen da einfach ein. Ja, furchtbar. Wir konnten uns überhaupt nicht mit dem Bauernbund identifizieren. Also sind wir ausgetreten. Und zu der Zeit war das ein kleiner Skandal.

Fotos: Milena Krobath

Richard (6/6)Ich war dann später bei Schamanismus-Workshops im berühmten Esalen-Institut in Kalifornien und hab dort Psi...
02/06/2026

Richard (6/6)

Ich war dann später bei Schamanismus-Workshops im berühmten Esalen-Institut in Kalifornien und hab dort Psillos kennengelernt. Das war dann schon eine andere Dimension. Da ist mir zum Beispiel der Papst in seiner weißen Soutane auf einem Hupfball entgegen gekommen und die Hörner von diesem Hupfball waren große fette Würmer, so schiache fette Pilzmaden. Über dieses Bild hab ich mich sehr zerkekst.
​Heute bin ich selbst Jäger. Aber ich betreibe die unblutige, vegetarische, stille Jagd. Vielleicht ist es ein bisschen Rache an den richtigen Jägern, dass ich jetzt auf meiner Visitenkarte “Trüffeljäger” stehen habe.Lange hat es geheißen, in Österreich gibt es keine Trüffel, aber meine Trüffelhunde finden überall welche. Selbst rund um mein Elternhaus in Eberndorf. Die Fundorte gebe ich in die Pilzdatenbank der Österreichischen Mykologischen Gesellschaft ein, die ist öffentlich, da hat jeder Zugriff. Ich find, so etwas Gutes wie Trüffeln sind für alle da, nicht nur für die Reichen.

Fotos: Milena Krobath

Jenny (4/4)Sie kennt mich heute schon seit 26 Jahren und wir sind noch immer in einem freundschaftlichen Kontakt, aber v...
18/05/2026

Jenny (4/4)
Sie kennt mich heute schon seit 26 Jahren und wir sind noch immer in einem freundschaftlichen Kontakt, aber von meinen Gewalterfahrungen hat sie auch erst erfahren als ich heuer zum Frauentag, zum 8. März, ein Interview für die Krone gegeben hab. Da hat sie dann schon gefragt: Wieso hast du mir nichts gesagt?
Heute würde ich das ganz anders angehen. Im Nachhinein ist man oft klüger. Im Endeffekt, also heute, rückblickend, war es die größte Lehre meines Lebens. Ich hab viel gelernt, und würde nie wieder zulassen, das sowas passiert. Keiner Frau dieser Welt soll das passieren.

Ich hab als Peer auch schon einer Frau in so einer Situation helfen können. Diese Klientin ist mittlerweile getrennt und glücklich. Sie ist mir bis heute dankbar. Aber ich hab sie nur unterstützt, den Mut dazu hat sie selber aufbringen müssen.

Zum Schluss nur noch ein Zitat, das mir persönlich wichtig ist, es steht auch in meiner Peer-Abschlussarbeit drinnen: Meine Vergangenheit ist nicht meine Fessel, sondern meine Stärke.

Fotos: Milena Krobath

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