15/02/2026
zwar mit etwas Verspätung, aber trotzdem, gerade in Zeiten der Sozialkürzungen etc. branntaktuell… auch ein Stück FSG Geschichte:
Heute vor 92 Jahren saß Bruno Kreisky in der elterlichen Wohnung in der Rainergasse 29 im 4. Bezirk und lernte für eine Prüfung als plötzlich das Licht ausging. Es war das Signal für den versuchten Generalstreik, dem verzweifelten Versuch der österreichischen Sozialdemokratie, das Abgleiten in die faschistische Diktatur zu stoppen. Militärisch setzten sich im "österreichischen Bürgerkrieg" die Truppen des Dollfuß-Regimes und die von der Industrie hochgerüsteten Heimwehrverbände durch. Sozialdemokratie und freie Gewerkschaften wurden verboten.
Die Zerstörung der österreichischen Demokratie durch das Dollfuß-Regime ebnete den Weg zur Machtübernahme der N***s im März 1938. Für Bruno Kreisky war diese Entwicklung bereits ab Ende Februar 1934 absehbar, als ihm der nach Brno geflüchtete Otto Bauer bei einem Treffen die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios skizzierte. Kreisky wollte sich mit vielen anderen Weggefährten aus der Sozialistischen Arbeiter-Jugend dem entgegenstellen. Er war gemeinsam mit Roman Felleis, Paula Mraz u.a. Mitbegründer der in den Untergrund gedrängten "Revolutionären Sozialistischen Jugend". 1935 wurde er wegen seiner Tätigkeit für ein demokratisches und sozialistisches Österreich in der elterlichen Wohnung auf der Wieden verhaftet und verbrachte ein Jahr im Gefängnis.
1938 konnte Kreisky der sicheren Ermordung durch die N***s mit einer hürdenreichen Flucht nach Schweden entkommen. Dort lernte er das von der schwedischen Sozialdemokratie entwickelte Konzept des umfassenden Wohlfahrtsstaates kennen. Es überzeugte ihn von dem Gedanken, den nach 1945 der Mitbegründer und erste Präsident des ÖGB, Johann Böhm, so ausdrückte: "Soziale Sicherheit ist der verlässlichste Garant der Demokratie".
92 Jahre nach dem 12. Februar 1934 können wir viel aus der Geschichte lernen: Wie schnell der Weg des autoritären Regierens rechter Regierungen in Entdemokratisierung und Gewalt münden kann; wie wichtig starke sozialstaatliche Strukturen für die Erhaltung demokratischer Resistenz gegen autoritäre Tendenzen ist. Und wir sehr wir alle gefordert sind, auf allen Ebenen mit einer Vision für eine solidarische, humane und positive Gestaltung unserer Zukunft ein Gegenmodell zu autoritärer Aggression, Hass und Hetze zu liefern. Für mich ist der 12. Februar daher jedes Jahr ein Auftrag, mich für ein soziales, demokratisches und menschenfreundliches Gemeinwesen und Zusammenleben einzusetzen, auf der Wieden, in Österreich, Europa und der ganzen Welt.