05/08/2026
Was bedeuten Terîqat, Şerîet und Derba Xerqe?
Terîqat, Şerîet und Derba Xerqe gehören zu den Hed û Sed, den grundlegenden Geboten und Pflichten der jesidischen Glaubenslehre. Sie regeln wesentliche Bereiche des religiösen Lebens und der Gemeinschaft.
Şerîet bezeichnet das Gebot, die Ehe innerhalb der jesidischen Religionsgemeinschaft zu schließen. Damit ist nach der jesidischen Glaubenslehre jedoch nicht nur die Eheschließung gemeint. Auch partnerschaftliche und sexuelle Beziehungen müssen ausschließlich innerhalb der jesidischen Religionsgemeinschaft eingegangen werden.
Terîqat konkretisiert dieses Gebot. Es besagt, dass Ehe sowie partnerschaftliche und sexuelle Beziehungen zusätzlich innerhalb der eigenen Erbgruppe geschlossen beziehungsweise eingegangen werden müssen. Die drei Erbgruppen sind Mîrid, Pîr und Şêx. Die Zugehörigkeit zu einer Erbgruppe wird durch die Geburt bestimmt und kann nicht gewechselt werden.
Şerîet regelt somit die Zugehörigkeit zur jesidischen Religionsgemeinschaft insgesamt, während Terîqat die Ordnung der Erbgruppen innerhalb der Gemeinschaft regelt.
Derba Xerqe bezeichnet das Verbot, einen religiösen Würdenträger, der die Xerqe trägt, körperlich anzugreifen oder seine Würde zu verletzen. Dazu gehören unter anderem Feqîr, Pîr und Şêx, sofern sie die Xerqe tragen.
Ein Verstoß gegen Şerîet, Terîqat oder Derba Xerqe gilt nach der jesidischen Glaubenslehre als Verstoß gegen die Hed û Sed und führt zum Ausschluss aus der Religionsgemeinschaft.
Diese Regeln gehören zu den grundlegenden Prinzipien des Jesidentums und prägen bis heute das religiöse Selbstverständnis der Glaubensgemeinschaft.