23/03/2026
Ein sehr guter Beitrag, der uns als kleinem Verein sehr aus dem Herzen spricht.🙏
Auch wir arbeiten alles ehrenamtlich, sind 24/7 erreichbar und verdienen damit NICHT unsere täglichen Brötchen.
Wir sind auch aufgrund der z.B. steigenden Spritkosten🫣 sehr besorgt, wie es weiter geht.
Alles wird teurer, nur die Tiere, die unsere Hilfe benötigen werden augenscheinlich immer mehr.🫣
Und da reden wir nur für uns.
In anderen kleinen Vereinen sieht es sicherlich genauso aus.
Vielleicht bringt der Artikel den ein oder anderen zu Nachdenken.
Dankeschön an alle, die uns bis jetzt immer wieder sehr unterstützt haben und es weiterhin tun. 🥰💕❤️
Und Dankeschön fürs Lesen❤️🙏.
David gegen Goliath. Wie sich der Tierschutz gerade verändert
Immer öfter sehe ich in letzter Zeit große, professionelle Kampagnen mit dramatischen Bildern und dramatischen Aufrufen, nach dem Motto:
Wenn ihr jetzt nicht helft, dann ...
Wer dabei zunehmend aus der Wahrnehmung verschwindet, das sind die vielen kleinen Tierschutzvereine und Helfer, die oft seit Jahrzehnten ihre Projekte tragen.
Sie tun das ohne Marketingabteilung, ohne Werbebudget, ohne Kampagnenstrategien und juristischen Beistand.
Es sind Menschen, die nach Feierabend Futterstellen füllen, Tierarztkosten erbitten, Kastrationen ermöglichen, die mit sehr begrenzten Mitteln versuchen, ein großes Problem zumindest ein kleines Stück kleiner zu machen.
Sie haben den Tierschutz über Jahrzehnte getragen.
Doch der Tierschutz verändert sich gerade spürbar.
Neben den vielen ehrenamtlichen Initiativen sind in den letzten Jahren zunehmend professionell organisierte Strukturen entstanden, mit Angestellten, Marketing, Kampagnenplanung, juristischer Beratung und entsprechenden Budgets.
Das ist zunächst weder gut noch schlecht.
Doch diese Entwicklung verschiebt die Hilfe im Tierschutz.
Reichweite kostet Geld.
Beiträge werden beworben, Anzeigen geschaltet, Kampagnen geplant. Fotografen, Social Media Teams und andere professionelle Dienstleistungen gehören dazu.
All das finanziert sich letztlich aus Spenden.
Und damit entsteht ein Mechanismus, der sehr gut funktioniert.
Spenden erzeugen Reichweite.
Reichweite erzeugt neue Spenden.
Und so verschiebt sich der Tierschutz langsam von der Hilfe zur Sichtbarkeit.
Und damit verschiebt sich das Verhältnis im Tierschutz beständig zugunsten der großen Player.
Für kleine Vereine funktioniert dieses System kaum. Sie arbeiten ehrenamtlich. Sie haben kein Werbebudget, keine Kampagnenabteilung ...
und selten die Mittel für bezahlte Reichweite.
Es sind Menschen, die nach Feierabend helfen.
Wenn dort jemand 100 Euro spendet, werden diese 100 Euro fast vollständig in Tierarztkosten, Futter oder Kastrationen eingebracht.
Unser eigener Verein kommt beispielsweise mit einem Verwaltungsaufwand von unter einem Prozent aus.
In größeren Strukturen sieht das naturgemäß anders aus.
Dort gibt es Gehälter, Kampagnenarbeit, Werbung, Social Media Teams und juristische Beratung.
Verwaltungs und Fundraisingkosten können in solchen Strukturen durchaus Größenordnungen von bis zu 30 Prozent erreichen.
Spenden können nur einmal ausgegeben werden.
Was der eine erhält, fehlt dem anderen.
In Zeiten, in denen das Spendenaufkommen insgesamt sinkt, wird das für viele kleine Tierschutzvereine zu einem existenziellen Faktor.
Wenn Menschen immer wieder große, dramatische Kampagnen sehen und dort helfen, bleibt für die vielen kleinen Vereine, die leise im Hintergrund arbeiten, zwangsläufig weniger übrig.
Ein weiterer Punkt wird dabei leicht übersehen.
Große Kampagnen erreichen ihre enorme Reichweite nicht zufällig.
Dahinter stehen über Jahre aufgebaute Verteiler mit tausenden Kontakten.
Solche Adresspools sind enorm wertvoll.
Häufig wachsen sie über Jahre durch Aktionen, Wettbewerbe oder Kampagnen.
So entstehen Schritt für Schritt große Spenderverteiler, über die später wiederum neue Kampagnen ausgespielt werden können.
Das erzeugt einen strukturellen Vorsprung,
den kleine ehrenamtliche Vereine kaum aufholen können.
Während kleine Vereine zwischen Erwerbsarbeit, täglichem Einsatz für Tiere und anderen Verpflichtungen oft kaum Zeit und Mittel finden, überhaupt medial wirksam aufzutreten oder ihre wenigen Unterstützer zu erreichen, arbeiten in großen Strukturen bezahlte Mitarbeiter mit entsprechenden Budgets an Kampagnen.
Durchgeplant, mit professionellem Bildmaterial, sorgfältig gewählten Worten und großen Verteilern, über die solche Aufrufe gleichzeitig an zigtausende Empfänger verschickt werden.
Solche Entwicklungen gibt es übrigens nicht nur im Tierschutz. Auch in vielen anderen Bereichen, in denen Spenden gesammelt werden, zeigt sich zunehmend:
Wer Reichweite und professionelle Kampagnen hat, wird gesehen.
Wer leise und ehrenamtlich arbeitet, gerät schnell aus dem Blick.
Auf der einen Seite stehen Organisationen mit professionellen Strukturen, Kampagnen, Strategien und großer Reichweite.
Auf der anderen Seite unzählige kleine Vereine und Helfer, die weiterhin ehrenamtlich arbeiten und jeden Spenden Euro direkt in Tierarztkosten, Futter oder Kastrationen stecken.
Eigentlich eine klassische David gegen Goliath Situation.
Denn hier entsteht ein System, in dem Sichtbarkeit und Professionalität zunehmend darüber entscheiden, wer überhaupt noch helfen kann, wo geholfen wird und in welchem Umfang.
Jede Hilfe im Tierschutz ist eine gute Hilfe.
Ich glaube, ihr versteht, dass das nicht mein Punkt ist. Es geht mir um etwas anderes.
Was passiert mit den Vereinen, die seit Jahren vor Ort arbeiten, kastrieren, füttern und Tierarztkosten tragen?
Mit den Vereinen, die keine medienwirksamen Kampagnen fahren können, keine teuren Anzeigen schalten, keine riesigen Verteiler mit Spenderadressen besitzen und sich auch keine juristischen Abteilungen leisten können?
Ich denke, ich kenne die Antwort.
In einer Zeit, in der Sichtbarkeit und Professionalität zur entscheidenden Währung im Tierschutz werden, entsteht ein System,
in dem am Ende nur noch große Strukturen Hilfe leisten können, und damit auch zunehmend bestimmen, wem wann und wo geholfen wird, oder auch nicht.
Damit verlieren wir etwas, das den Tierschutz über Jahrzehnte getragen hat.
Das Ehrenamt.
Überall dort, wo dieser Faktor wegbricht, sieht man, was passiert.
Vielleicht lehne ich mich damit etwas weit aus dem Fenster, doch meine Wahrnehmung ist eindeutig:
Wo das Ehrenamt verschwindet und alles nur noch über große Strukturen organisiert wird, wird selten etwas besser.
Es wird vielleicht nur teurer.
Deshalb lohnt sich im Tierschutz manchmal auch ein kurzer Blick ins Impressum.
Dort lässt sich häufig erkennen, ob hinter einer Kampagne eine ehrenamtliche Initiative oder eine professionell organisierte Struktur steht.
Vielleicht lohnt es sich auch, sich eine einfache Frage zu stellen.
Unterstütze ich gerade die lautesten und professionellsten Kampagnen ...
oder die Arbeit im Tierschutz, die seit Jahren ehrenamtlich und im Hintergrund passiert?
Wenn mein Artikel dazu beiträgt, dass ihr bei der nächsten Spende vielleicht auch wieder an die vielen kleinen Vereine denkt, die derzeit vielerorts existenziell darum kämpfen, ihre Tiere weiter versorgen zu können,
dann wäre das doch eine gute Sache.
🐾💕
Bettina Marie Schneider - Gutes Karma to go