30/04/2026
Besuch von George Legmann am 27.04.2026
im ehemaligen Dachauer KZ-Außenlager Kaufering VII:
Am 27. April 2026 zum 81. Jahrestag der Befreiung des ehemaligen Dachauer KZ-Außenlager- komplexes Kaufering durch die U.S.-Streitkräfte, besuchte uns am Nachmittag auf dem Gelände von Kaufering VII, George Legmann mit seiner Ehefrau Irene aus Sao Paulo/Brasilien, sowie einer Delegation der KZ-Gedenkstätte Dachau und einem Film-Team der Deutschen Welle/Berlin. George Legmann nahm am Vormittag, anlässlich der Gedenkfeier der Bundeswehr (Welfenkaserne) für die Opfer des KZ-Außenlagers Kaufering/Landsberg, an der Eröffnung der Ausstellung: „Sie gaben uns Hoffnung“ (7 Mütter, 7 Babies) teil.
George Legmann wurde als erster von sieben Babies im ehemaligen KZ-Lager Kaufering I, am 8. Dezember 1944 geboren. Seine Mutter Elisabeta und Vater Josif Legmann stammten aus Siebenbürgen, einer jüdischen Gemeinde in der Region zwischen Ungarn und Rumänien. Mitte 1944 wurden sie, wie ca. 437.000 andere ungarische Juden, nach Auschwitz-Birkenau transportiert. Zusammen mit sieben anderen Frauen (Eva Schwartz, Dora Löwy, Ibolya Kovács, Miriam Rosenthal, Magda Schwartz und Sara Grün) Anmerkung: „Geboren im KZ; Sieben Mütter, sieben Kinder und das Wunder von Kaufering; (Literaturverfassung von Eva Gruberová und Helmut Zeller/C.H.Beck-Verlag).
Schwangere Frauen hatten unter dem damaligen NS-Regime normalerweise keine Überlebenschance. Deshalb ist das Überleben dieser sieben Frauen im KZ-Lager Kaufering I umso bemerkenswerter. Trotz der fürchterlichen hygienischen Umstände und mangelnder medizinischer Betreuung überlebten die sieben Frauen wie durch ein Wunder, dass wie bei allen Verfolgten, meist vom Glück und Zufall abhing.
Ende November 1944 entdeckten SS-Wachen im Lager Kaufering III, ihre Schwangerschaft, und deportierten sie ins Lager Kaufering I, wo sie mit den sechs anderen schwangeren Frauen zusammentraf. Unter den Häftlingen war auch ein ungarisch-jüdischer Gynäkologe, Dr. Ernö Vadász, der bei der Entbindung ihres Sohnes George half. In den folgenden Wochen bis Ende Februar 1945 assistierte Elisabeta dem Arzt bei den weiteren Entbindungen der anderen sechs Frauen. Ein Mann im Kauferinger Lager I, versorgte heimlich die Mütter nach der Geburt mit Brot, Dosen Kondensmilch, und sonstigen wichtigen Babysachen, so dass die Babies überleben konnten. Wie sich später bei den Dachauer Hauptprozessen herausstellte, war dies der damalige Lagerkommandant Deffner, der die Frauen unterstützte. Nach der Befreiung durch die US-Streitkräfte verließ Elisabeta Deutschland und kehrte mit ihrem Sohn George in ihre Heimat nach Siebenbürgen/Rumänien zurück. Ein Onkel der Familie fand über eine Zeitungsannonce Arbeit in einer brasilianischen Schokoladenfabrik, sodass 1960, dank einem diplomatischen Abkommen mit Brasilien, 50 rumänische Familien, darunter Legmann‘s Familie legal ins Land emigrieren konnten. Über die näheren Umstände seiner Geburt im KZ-Lager Kaufering I, erfuhr George erst mit 16 Jahren von seiner Mutter, da ihn die Menschen auf der Straße den „Lagerjungen“ nannten und er wissen wollte, was das bedeutete. Seine Mutter kehrte nie mehr nach Deutschland zurück und verstarb im Jahre 2000. George jedoch wollte das Land sehen, in dem er geboren wurde.
George Legmann arbeitete während seines Berufslebens als Marketing-Professor und lebt heute in seinem Ruhestand mit seiner Frau Irene in Sao Paulo/Brasilien. Im Jahr 2005 besuchte er erstmals Deutschland, sowie die Holocaust-Gedenkstätten Dachau/Kaufering.
Bei weiteren Besuchen in Deutschland wirkte er mehrmals als (indirekter) Zeitzeuge zu den schrecklichen Geschehnissen der NS-Zeit. Möge uns, als Menschen der heutigen Zeit, dieses schreckliche „menschenverachtende“ NS-Regime immer als Mahnung dienen, dass die demokratischen Grundwerte, wie Freiheit, Gleichheit und Würde des Menschen, unantastbar sind. In diesem Sinne wünschten wir George und seiner Familie eine gute Weiterreise zur nächsten Station nach Dachau, sowie eine sichere Rückreise in seine Heimat nach Brasilien.
A.Platschka
(Team Kaufering/Europäische Holocaustgedenkstätte Stiftung e.V.)