21/05/2026
4.45 Uhr - Der Wecker klingelt erbarmungslos. Für einen kurzen Moment fragst du dich ernsthaft, warum du dir das antust. Draußen ist es stockdunkel, das Bett warm und gemütlich. „Boah ne… viel zu früh.“ Trotzdem zwingst du dich hoch, schlurfst ins Bad, trinkst hastig einen Schluck Kaffee und ziehst Regenhose und Gummistiefel an.
Kurze Zeit später stehst du am Kleeacker am Ortsrand. Überall müde Gesichter. Der Standardspruch fällt wie jeden Morgen: „Na, ausgeschlafen?“ - „Ne, aufgehört.“
Dann beginnt der Einsatz. Walkytalkys knacken, Sicherungskörbe werden verteilt, die Drohne startet. Auf den Bildschirmen erscheint das Wärmebild der Wiese. Bahn für Bahn fliegt die Drohne über das Feld. Plötzlich ein Ruf: „Stop!“ Ein heller Punkt leuchtet auf. Zwei Helfer sprinten los. Spannung liegt in der Luft. Doch am Ende: nur ein Stein. Kurz darauf ein Sauerampfer. Dann ein Maulwurfshügel. Fehlalarm!
Die nächste Wiese. Wieder steigt die Drohne auf. Dann taucht auf dem Bildschirm ein grasender Rehbock auf — und dahinter ein winziger weiterer Wärmepunkt. Sofort rennst du los. Der Rehbock flüchtet. Über Funk bekommst du Anweisungen:
„Drei Schritte rechts… jetzt geradeaus… langsam…“
Dein Herz schlägt schneller. Das hohe Gras streift gegen deine Beine. Und plötzlich liegt es direkt vor dir: winzig klein, nicht größer als ein Feldhase, zusammengerollt und vollkommen still — ein wenige Tage altes Rehkitz.
Für einen Moment scheint die Welt stillzustehen. Vorsichtig sicherst du das schlafende Tier mit einem Korb, befestigst ihn im Boden und atmest erleichtert auf. Gerettet.
Kurz darauf entdeckst du sogar noch einen jungen Feldhasen. Reglos sitzt er im Gras. Vorsichtig trägst du ihn aus der Gefahrenzone, bis er plötzlich lossprintet und im Gebüsch verschwindet.
Als der Einsatz endet, zeigt die Uhr 6.45 Uhr. Die Sonne ist aufgegangen. Du bist glücklich darüber zwei Stunden früher aufgestanden zu sein, um Leben zu retten. ❤️