15/11/2025
Hallo, ich bin Mojo und jetzt nehme ich das Heft in die Hand.
Nachdem ich großzügig meine Zeit für ein Ehrenamt zur Verfügung stellen möchte, habe ich mich dafür entschieden, Straßenkatzen meine Stimme zu leihen. Die armen Leisetreter gehen nämlich irgendwie unter- aber meine Meinung kann ich laut genug bellen.
Ich bin selbst aus dem Tierschutz und habe eine Vorstellung davon, wie es ist, wenn man Hilfe braucht. Das qualifiziert mich ausreichend, denke ich.
Damit heiße ich euch herzlich willkommen zur neuen Rubrik- dem dicken Hund der Woche.
In dieser Woche war es ein Artikel im Hammer Anzeiger, der mich die Ohren spitzen ließ.
Genau gesagt, waren es zwei Zeilen. Dafür habe ich tatsächlich aufgehört, im Garten zu buddeln. Da steht tatsächlich, daß für verwilderte Hauskatzen niemand zuständig sei und daß sich daran die Tierschutzvereine "ausleben" dürfen.
Vielleicht war es gar nicht so gemeint und die Zitierte hat vielleicht nur die Formulierung unglücklich gewählt, vielleicht aber auch nicht.
Niemand zuständig? Dort draußen leben geschätzt 2 Millionen (!) verwilderte Hauskatzen. Niemand sieht sie, ihr Leid ist grenzenlos, ungezählte sterben ohne jemals das Gefühl gekannt zu haben, satt zu sein.
Und niemand ist zuständig? Da möchte man vor Wut ganz lange ganz bösartig knurren.
Dann wird es langsam Zeit, daß jemand zuständig ist!
Und man nennt es "ausleben", wenn hunderte Menschen jeden Tag Futterstellen betreuen, wenigstens für eine einzige feste Mahlzeit sorgen und das Futter meist noch aus der eigenen Tasche bezahlen? Oft ist das alles, was die Tiere zu fressen haben! Ausleben als Begriff für den unermüdlichen Einsatz von Freiwilligen, die sich in unwegsames Gelände begeben um verletzte und kranke Tiere zu bergen, Kitten aufziehen, Spenden sammeln, ohne Unterlass über Kastrationen aufklären und öfter bei einem Tierarzt sitzen als auf dem eigenen Sofa? Das finde ich frech.
Es ist respektlos gegenüber der Leistung dieser Hände, die streicheln, beruhigen, im Tod begleiten, sich kratzen und beißen lassen um zu retten. Die Verantwortung übernehmen an Stelle derer, die verantwortlich gewesen wären.
Tierschutz ist kein Hobby, das man ausübt, um sich selbst zu verwirklichen. Tierschützer, aber auch die Armee der unsichtbaren Helfer, die, die sich einfach der herrenlosen Katzen in ihrem Umfeld angenommen haben, auf sich allein gestellt, das sind Menschen, die freiwillig verzichten- auf Freizeit, auf Bequemlichkeiten, aber auch auf persönliche Dinge. Sie tun es nicht, weil ihnen langweilig ist oder sie gerade nichts besseres zu tun haben. Sie tun es aus der tiefen Überzeugung heraus, daß geholfen werden muss- und dann helfen sie. Sie sehen hin, wo die Gesellschaft weg sieht!
Wenn man die Haltung dieser Menschen nicht versteht, dann sollte man aber zumindest in der Lage sein, sie zu respektieren.
Das sind keine Träumer und Spinner. Es sind knallharte Realisten, die sich nicht scheuen, im Dreck zu wühlen.
Und wenn niemand zuständig sein will, dann sind diese Menschen, genau wie Straßenkatzen, sich selbst überlassen, oft angefeindet, selten ernst genommen und ohne Unterstützung.
Straßenkatzen betreuen ist eine Lebensweise. Wer einmal damit angefangen hat, hört nie wieder auf.
Wo wären wir, wenn nicht jeden Tag dort draußen Menschen unterwegs wären um Tiere zu sichern und kastrieren zu lassen? Wie viele Straßenkatzen gäbe es dann und wie würde mit ihnen umgegangen?
Ich bin nur ein alter Hund, der Katzen mag, aber ich glaube, es ist an der Zeit, umzudenken und das Leid der Tiere sichtbar zu machen.
Und vielleicht sollten wir die, die sich jeden Tag aufraffen und wieder irgendwo an einer unzugänglichen Stelle stehen, eine Dose Katzenfutter öffnen, einen Napf füllen, oder bei einem Tierarzt sind und leise weinen um ein Tier, daß sie nicht retten konnten und das die Welt vergessen hat, vielleicht sollten wir diese Menschen ein bisschen mehr ernst nehmen anstatt sie für verrückt zu halten.
Ich habe jetzt genug gebellt und lege mich auf meine Couch. Das kann ich tun, weil solche Menschen mich gesehen haben, als ich Hilfe brauchte. Ich habe ein Zuhause. Auch jede Katze sollte ein Zuhause haben.
Ich wünsche euch ein schönes Knochenende. Wir sehen uns nächsten Samstag wieder.
(Quelle Artikel: Westfälischer Anzeiger)