22/05/2026
Wunschfahrt 10.05.2025, nach Rieseby 🕊️
Wunscherfüller:innen: Nicole und Bo
Am vergangenen Wochenende durften wir mal wieder eine ganz besondere Wunschfahrt begleiten.
Wir holten unseren 98-jährigen Fahrgast in einem Pflegeheim in Wattenbek ab. Aufgrund seiner gesundheitlichen Situation war er nicht mehr mobil und auf Sauerstoff angewiesen. Sein großer Wunsch war es, noch einmal nach Rieseby zu reisen – den Ort, in dem er viele Jahrzehnte seines Lebens verbracht hatte und der eng mit seiner persönlichen Geschichte verbunden ist. Dort befinden sich sowohl das Grab seiner vor einigen Jahren verstorbenen Frau als auch das Grab seiner Tochter. Ohne den Wünschewagen wäre er dort jedoch nicht mehr hingekommen.
Schon beim Eintreffen im Zimmer war die Emotion spürbar, die mit diesem besonderen Tag in Verbindung stand – unser Kennenlernen verlief jedoch absolut herzlich und sowohl unser Fahrgast, als auch seine Tochter, die die Fahrt begleiten wollte, sagten gleich „wir sagen DU, oder?“
Heinrich entschied sich dafür, auf der Trage zu liegen, da ihm das Sitzen im Rollstuhl schon zu anstrengend war. Und so durfte er auf unserer Trage Platz nehmen und wir machten uns auf den Weg nach Rieseby.
Auf der Hintour wählten bewusst eine landschaftlich schöne Strecke über Kiel, über den Nord-Ostsee-Kanal und durch Eckernförde. Immer wieder fuhren wir besonders langsam, damit unser Fahrgast die Umgebung wahrnehmen und in Erinnerungen schwelgen konnte. Man hörte ihn und seine Tochter im Hintergrund leise sprechen, Erinnerungen teilen, staunen und wiedererkennen. 🌿
In Rieseby machten wir zunächst einen kurzen Halt bei seinem Schwager. Dieser kam sofort aus dem Haus, stieg in den Wünschewagen zu unserem Fahrgast und ein kurzer bewegender Austausch fand statt. Auch an seinem ehemaligen Zuhause und dem Haus seiner Enkelin kamen wir vorbei – begleitet von vielen Erinnerungen, die in diesen Momenten spürbar wurden.
Am Friedhof warteten bereits weitere Familienmitglieder auf ihn: eine weitere Tochter, sein Schwiegersohn, Enkelkinder und sogar Urenkel. Besonders berührend war der Moment, als ihm seine Urenkelin ein selbst gemaltes Bild überreichte. Heinrich freute sich sehr und es kullerten ein paar Tränchen. ❤️
Da der Friedhof nur über Schotterwege zugänglich war, gestaltete sich der Weg zu den Gräbern herausfordernd. Doch gemeinsam mit der Familie gelang es, ihn sicher auf der Trage zu beiden Grabstätten zu bringen. Zuerst zum Grab seiner Frau, später zum Grab seiner Tochter. Es gab an beiden Grabstätten ausreichend Zeit für persönliche, stille Abschiede im Kreis seiner Familie. Wir als Wunscherfüller:innen traten in diesen Momenten bewusst zurück.
Nach dem Friedhofsbesuch führte uns der Weg noch zu langjährigen Freunden in Rieseby, wo ein herzliches, kurzes Wiedersehen im Wünschewagen stattfand. Auch hier ließen wir Heinrich seine Zeit und noch einmal Raum für Gespräche und Abschied.
Anschließend äußerte unser Fahrgast den Wunsch, zurück ins Pflegeheim fahren zu wollen. Die Erschöpfung war ihm anzumerken, er wünschte sich den schnellsten Weg zurück, wollte keine weiteren Orte mehr aufsuchen. Und so traten wir die Rückfahrt auf direktem Weg an.
Zurück im Pflegeheim angekommen, brachten wir ihn zurück in sein Zimmer und überreichten ihm ein zuvor aufgenommenes Foto, welches wir ihm mit unserem Drucker als Erinnerung ausgedruckt haben. Ein Foto von ihm vor dem Wünschewagen vor der Abfahrt, gemeinsam mit seiner Tochter und uns Wunscherfüller:innen. Er betrachtete es lange, sah uns beide an, lächelte und sagte: „Euch werde ich nie vergessen.“ 🕊️
Dieser Satz, zusammen mit seiner tiefen Dankbarkeit, hat uns sehr berührt. Für ihn war es der letzte große Wunsch – noch einmal die Orte seiner Erinnerungen zu sehen und sich verabschieden zu können. Für uns war es eine zutiefst bewegende Wunschfahrt, die wieder einmal gezeigt hat, wie klein, aber doch soooo groß ein letzter Wunsch sein kann. ❤️