03/09/2026
+++ Armutssensibilität im Familienzentrum – ein wichtiger Blick auf Wissen, Haltung und Handeln +++
Gestern fand im Potsdamer Bürgerhaus am Schlaatz die landesweite Informationsveranstaltung zum Thema „Armutssensibilität im Familienzentrum“, auf Einladung der Brandenburg in Kooperation mit der Landesarmutskonferenz, statt.
Petra Untze, Leiterin des Referats Familienpolitik im MASGZ, hob in ihrer Begrüßung die „anspruchsvollen, bedeutungsschweren und vielfältigen“ Aufgaben der Familienzentren hervor. Daran knüpfte der einleitende Impulsvortrag von Holger Kilian (Gesundheit Berlin-Brandenburg) und Dr. Ingmar Dette (Stark-vor-Ort/Stiftung SPI) an. Im Mittelpunkt stand das thematisch weite Feld der Armutssensibilität und die Frage, wie wir als Fachkräfte unsere Arbeit in den Familienzentren mit Menschen, die von Armut betroffen oder von ihr bedroht sind, so gestalten können, dass sie wirksam ist – und wo dabei die eigenen Möglichkeiten und Grenzen liegen.
Die Impulse nahmen die Teilnehmenden mit in den weiteren Verlauf der Veranstaltung. Am Nachmittag wurden die Themen in drei parallelen Workshops vertieft. Während sich zwei Workshops mit den „Bedarfen Alleinerziehender“ und dem „Partizipativen Arbeiten mit Familien“ beschäftigten, nahm der dritte Workshop unter Leitung des AWO Büro Kindermut die eigene Praxis in den Blick: „Wie armutssensibel bin ich in meiner Arbeit?“ Die Teilnehmenden waren eingeladen, die eigene tägliche Arbeit und Haltung zu reflektieren: Wie begegne ich Familien, die von Armut betroffen oder bedroht sind? Wo gibt es unbewusste Vorurteile oder Barrieren? Und wie kann ich im Alltag tatsächlich armutssensibel handeln?
Dabei wurde deutlich: Armutssensibilität ist kein einzelnes Tool oder eine Methode, die man einfach „anwenden“ kann. Sie beginnt mit Wissen und der Bereitschaft, die eigene Haltung zu hinterfragen, und sollte Grundlage der pädagogischen und professionellen Praxis sein. Menschen wertschätzend, respektvoll, vorurteilsbewusst und auf Augenhöhe zu begegnen, ist dabei ein wesentlicher Teil armutssensiblen Handelns. Der Workshop bot deshalb nicht nur Wissen, sondern vor allem Gelegenheit zur Selbstreflexion und dazu, den eigenen Blick zu hinterfragen und konkrete Handlungsmöglichkeiten für den Alltag zu entwickeln.
Gleichzeitig wurde eine Frage deutlich, die über die unmittelbare pädagogische Arbeit hinausgeht: Welche Rahmenbedingungen braucht es, damit Familienzentren Familien in unterschiedlichen Lebenslagen tatsächlich erreichen und unterstützen können? Gerade mit Blick auf die Situation im Landkreis Potsdam-Mittelmark bekommt diese Frage eine besondere Bedeutung. Die 20 Familienzentren sind hier aktuell von geplanten Einsparungen von 40 Prozent bedroht. Das wenige Tage zuvor veröffentlichte Positionspapier des Bündnisses Familienzentren PM, dem auch der AWO Bezirksverband Potsdam e.V. angehört, setzt sich mit den möglichen Folgen auseinander und verweist insbesondere auf die Bedeutung der Familienzentren für Prävention, Frühe Hilfen und Kinderschutz. Es stellt damit auch die Frage, wie eine niedrigschwellige und verlässliche Unterstützung von Familien gewährleistet werden kann, wenn die dafür notwendigen Strukturen gleichzeitig eingeschränkt werden.
Das Positionspapier des Bündnisses Familienzentren PM ist hier zu lesen: https://awo-potsdam.de/de/news-artikel/armutssensibilitaet-in-familienzentren/