14/07/2026
Wisst Ihr noch, wo ihr am Donnerstag, den 15.07.2021 wart?
Zwei unserer Helfer werden dieses Datum so schnell nicht vergessen.
Es ist kurz nach 18 Uhr als Christian Gerlach, damals noch Rotkreuzleiter
in Ostbevern, den heutigen Rotkreuzleiter Sven Pawlitzki anrief.
Es gäbe einen Einsatz für den PTZ (Patiententransportzug), hieß es kurz und knapp.
Wir hatten in den Nachrichten den Tag über ja schon verfolgt, was passiert ist, aber dieses Ausmaß hatte keiner von uns erwartet.
Gemeinsam mit Kollegen aus dem gesamtem Kreisgebiet trafen sich unsere Helfer an der Feuerwache in Ahlen. Von dort aus ging dann mit dem gesamtem PTZ 10 in Richtung Rheinland. In der Nähe von Bonn war zunächst ein Sammelpunkt für anrückenden Einsatzkräfte eingerichtet. Die Nacht verbrachten wir in einer Bundeswehrkaserne.
Christian Gerlach erinnert sich an den Morgen nach einer kurzen Nacht mit wenig Schlaf im KTW. Nach einem Frühstück hieß es dann: Heimfahrt, wir werden nicht mehr benötigt. Auf dem Heimweg wurde die Familie informiert, dass wir bald wieder zu Hause sein werden.
Dann ein technischer Halt kurz vor Münster: Bei Christian klingelte das Telefon: Der Kreis Warendorf hat soeben die Betreuungsplatzbereitschaft alarmiert; dieser gehören wir als Teil der Einsatzeinheit 2 mit an.
Sven Pawlitzki zückt sein Telefon aus der Tasche und ruft seine Familie an, um ihr mitzuteilen, das sich seine Heimkehr verzögern wird.
So trafen sich die Kollegen aus Ostbevern erneut mit den Kollegen der anderen Teileinheiten in Ahlen. Der komplette Verband verlegte nach Rheinbach, um dort eine Notunterkunft für Betroffene zu betreiben.
Als der Verband dort ankamen, hatten Einsatzkräfte in der Glasfachschule bereits mit dem Aufbau der Einrichtung begonnen und Betroffene mit dem Nötigsten versorgt.
Viele Menschen wurden in der Schule von uns betreut. Menschen, die ganz einfache Wünsche hatten, wie zum Bespiel eine Steckdose, um das Handy aufzuladen, erinnert sich Sven Pawlitzki.
Besonders in Erinnerung geblieben ist Sven Pawlitzki ein älterer Mann, der Haus und Hof in den Fluten verloren hat und nur sich und seine beiden Hunde retten konnte.
Der Mann verbrachte Nacht und Tag in seinem Auto, gemeinsam mit seinen Hunden.
Wir haben dem Mann immer wieder angeboten, in das Gebäude zu kommen, er hat dies immer mit Dankbarkeit abgelehnt. „Jung, isch han endoch nor noch der beiden Hunde, wat sull isch dann bei d'r anderen en d'r Schull?, isch bruch nor strom för mi Handy, ävver jood dat ehr do zick“ (Junge, ich habe doch nur noch die beiden Hunde, was soll ich denn bei den anderen in der Schule? Ich brauch nur Strom für mein Handy, aber gut dass ihr da seid) war seine Antwort.
Eine Kollegin versuchte, einer Anwohnerin Trost zu spenden, als diese verzweifelt um eine ihre Katzen weinte.
Diese Geschichten und Eindrücke haben unsere Helfer mitgenommen.
Sven Pawlitzki erinnert sich auch an dem Heimweg, es wurde kaum gesprochen, dennoch war jeder für jeden da. Auch er, ja quasi der „neue“, er hatte nach der Coronazeit den Dienst in Ostbevern erst vor einem halben Jahr aufgenommen, gehörte trotzdem von Anfang an mit dazu, als würde man sich ewig kennen.
Christian und Sven stehen hier stellvertretend für alle Ostbeveraner DRK-ler.
Wir gedenken heute allen bei der Flut Verstorbenen vom 14.07.2021.