29/05/2026
Mevlüde Genç, die in den 1970er Jahren mit ihrem Ehemann Durmuş Genç nach Deutschland kam, verlor zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte bei dem rassistischen Brandanschlag in Solingen am 29. Mai 1993. Danach setzte sie sich unermüdlich für Versöhnung und Verständigung ein und prägte den Dialog zwischen Deutschen und Menschen aus Einwandererfamilien. Mevlüde starb am 30. Oktober 2022. Um ihr zu gedenken und sie zu ehren wird heute die Mevlüde-Genç-Medaille für Verständigung und Toleranz verliehen.
update: Pfarrer Franz Meurer aus Köln wird im Jahr 2026 für seine besonderen Verdienste um den gesellschaftlichen Zusammenhalt mit der Mevlüde-Genç-Medaille des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Der katholische Geistliche engagiert sich seit Jahrzehnten mit großem persönlichem Einsatz für benachteiligte Menschen sowie für den interkulturellen und interreligiösen Dialog. Insbesondere in den Kölner Stadtteilen Vingst und Höhenberg setzt er sich für ein friedliches Miteinander unterschiedlicher Religionen und Kulturen ein.
Ministerpräsident Hendrik Wüst: „Seit Jahrzehnten setzt sich Franz Meurer mit beeindruckender Hingabe für Menschen ein, die Unterstützung brauchen – unabhängig von Herkunft, Religion oder sozialem Status. Er lebt tagtäglich vor, was unsere Gesellschaft zusammenhält: Respekt, Menschlichkeit, Solidarität und die Bereitschaft, füreinander einzustehen. Franz Meurer erhebt seine Stimme gegen Ausgrenzung, Armut und Perspektivlosigkeit. Er baut Brücken zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen und setzt sich mit großem Engagement für ein friedliches Miteinander ein. Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Spannungen zunehmen und Menschen immer häufiger gegeneinander ausgespielt werden, ist dieses Engagement von unschätzbarem Wert. Mit seinem Wirken zeigt Franz Meurer, dass Zusammenhalt dort entsteht, wo Menschen einander offen begegnen und Verantwortung füreinander übernehmen. Sein Einsatz für Verständigung und Versöhnung steht damit ganz im Sinne von Mevlüde Genç. Sie hat auch nach unermesslichem Leid nie aufgehört, an Menschlichkeit und Zusammenhalt zu glauben. Franz Meurer lebt diese Haltung seit vielen Jahren auf beeindruckende Weise vor. Unser Land braucht genau solche Menschen.“
33 Jahre sind vergangen seit dem rassistischen Brandanschlag in Solingen. Fünf Leben, die ausgelöscht wurden und viele weitere Leben, die damals und heute darunter leiden.
Am 29. Mai 1993 setzten vier männliche Jugendliche, die zuvor bereits mit rechtsextremen Äußerungen aufgefallen waren, das Haus der Familie Genç in Solingen in Brand. Fünf Frauen und Mädchen starben. Wir gedenken: Gürsün İnce, Hatice Genç, Gülüstan Özturk, Hülya Genç und Saime Genç. Die rechtsextremen Täter wurden nach dem Brandanschlag zu zehn- bis 15-jähriger Haft verurteilt. Heute sind alle wieder auf freiem Fuß.
Der Brandanschlag in Solingen markierte den Höhepunkt rechtsextremer und rassistischer Straftaten in den 1990er Jahren. Schon in den Jahren zuvor wüteten Rechtsextreme durch die Straßen von Hoyerswerda, Rostock-Lichterhagen und Mölln und verübten rassistische Angriffe auf Häuser, Asylunterkünfte und ihre Bewohner:innen. Zugleich war die Zeit geprägt von einer emotional aufgeladenen und rassistischen Debatte über Migration und das Asylrecht. Auch demokratische Parteien beteiligten sich an diesen Debatten und verbreiteten ebenso rassistische und migrationsfeindliche Aussagen in Politik und Medien. Nur drei Tage vor dem rassistischen Brandanschlag verabschiedete der Bundestag den „Aslykompromiss“, welcher unter anderem das Recht auf Asyl in Deutschland stark einschränkte.
Damals und heute gilt: Wer glaubt, rassistische und rechtsextreme Stimmungen und Gewalttaten mit verschärfter Migrationspolitik bekämpfen zu können, irrt sich. Studien der Universitäten Mannheim, Oxford und des WZB Berlin zeigen, dass die Übernahme von rechtsextremen und migrationsfeindlichen Themen durch demokratische Parteien stattdessen sogar eine legitimierende Wirkung haben. Wer rechtsextreme Positionen übernimmt, dämmt den Erfolg rechtsextremer Parteien nicht nur NICHT ein. Wie die Statistiken zeigen, folgt außerdem ein Anstieg bei rechtsextremen Gewaltdelikten: 2025 erreichten sie den höchsten Stand seit 2016.
Mevlüde Genç, die in den 1970er Jahren mit ihrem Ehemann Durmuş Genç nach Deutschland kam, verlor zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte. Nach dem Brandanschlag setzte sie sich unermüdlich für Versöhnung und Verständigung ein und prägte den Dialog zwischen Deutschen und Menschen aus Einwandererfamilien. Mevlüde starb am 30. Oktober 2022. Um ihr zu gedenken und sie zu ehren wird heute die Mevlüde-Genç-Medaille für Verständigung und Toleranz verliehen.
Wenn rassistische und migrationsfeindliche Diskurse Medien und Politik einnehmen, heißt es gegenzusteuern anstatt rassistische Meinungen zu legitimieren und mit zu hetzen.
Für eine weltoffene und gegen eine rechtsextreme Gesellschaft!
Studie:
https://www.uni-mannheim.de/news/internationale-studie-radikal-rechte-parteien-zu-kopieren-hilft-der-mitte-nicht-im-gegenteil/
weitere Quellen:
https://brandanschlag-solingen-1993.de/hintergruende/
https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/161980/29-mai-1993-brandanschlag-in-solingen/