23/06/2026
Es gibt keine einfachen Antworten!
KLB informiert sich über Vermarktung und Entsorgung in der Region Straubing
Zusammen gut zwei Tonnen geballter KLB-Agrarkompetenz machten sich Mitte Juni auf den Weg nach Straubing, um sich im Rahmen der Exkursion des Landsozialen Arbeitskreises (LSAK) der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) Bayern über die Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte durch Bayernhof und die Verwertung von Grünfällen im Kompostwerk Aiterhofen zu informieren. Das Gemeinsame Wiegen der rund 25 KLB-Vertreter*innen aus ganz Bayern auf einer LKW-Wage brachte das „Gewicht“ der Veranstaltung zutage.
Wir haben ein Luxusproblem
Die Bayernhof Erzeugergemeinschaften Vertriebs-GmbH mit Sitz in Hankofen besteht seit 1989. Hinter ihr stehen 14 Erzeugergemeinschaften mit ca. 2.000 landwirtschaftlichen Betrieben. Gehandelt werden hauptsächlich heimische Getreidearten und deren Nebenprodukte.
Geschäftsführer Stefan Heinrich begeisterte mit seiner offenen, europäisch-positiven sowie von Sachverstand und Weitblick geprägten Art. Er machte deutlich, dass es in der Agrarwirtschaft keine einfachen Lösungen gäbe, da alles mit allem zusammenhinge: naturräumliche Voraussetzungen, Klimawandel, Zusammenhalt oder Streit in Europa, Krieg oder Frieden in der Welt. Hauptgrund für die Gründung von Bayernhof sei es gewesen, mehr Konkurrenz über zusätzliche Absatzmärkte und damit bessere Preise zu schaffen, da es bei Getreide in Deutschland ein Überangebot gäbe. Das sei heute noch immer so, wenngleich die Margen immer enger und damit die Situation immer herausfordernder würde.
Ein zusätzliches Standbein hat sich Bayernhof durch die Übernahme einer modernen biotechnischen Produktionsanlage, in der ursprünglich aus Stroh Bioethanol gewonnen wurde, geschaffen. Bei „Bayernhof Bio Tec“ wird in der Anlage hochwertiges Bio-Sonnenblumenöl und Bio Rapsöl erzeugt und weiterveredelt. Ebenso findet in der Anlage Forschung im biotechnischen Bereich statt, u.a. zur Fermentation von Vitamin B12 aus Bio-Sonnenblumen Presskuchen, z.B. zur Anreicherung veganer Produkte.
Den spannenden Aufenthalt bei Bayernhof fasste der Bundesvorsitzende der KLB Deutschland und stellvertretende Sprecher des LSAK, Hans Gall, so zusammen: „Eigentlich haben wir ein Luxusproblem, weil wir weltweit mehr als genug Nahrungsmittel haben. Wir müssten nur besser damit umgehen!“. Damit verwies er u.a. auf die Feststellung von Geschäftsführer Heinrich, dass wir in Europa eigentlich viel mehr Importprodukte wie Raps und Soja und Gemüse anbauen sollten. Wichtig sei zudem die wirtschaftliche Betrachtung mancher Forschungsergebnisse: So sei z.B. die Bio-Ethanol-Gewinnung aus Stroh zwar technisch möglich, jedoch nicht wirtschaftlich, während Bio Ethanol aus Getreide bei den hohen aktuellen Energiepreisen wirtschaftlich gut funktioniere.
Zu viel Müll im Biomüll
Am Nachmittag besuchte die Exkursion noch das Kompostwerk Aiterhofen. Dort werden Grünabfälle, Abfälle aus der Biotonne und organische Anlieferungen aus dem Lebensmittelbereich verwertet. Grüngut wird direkt kompostiert, die anderen Abfälle werden der Vergärung zugeführt. Allerdings sei nicht sicher, ob dies nach dem Auslaufen der Anlage fortgesetzt werde, da die Effizienz gering und der technische Aufwand hoch sei, so Konrad Reitinger, Abteilungsleiter für den operativen Betrieb. Die Abfälle seien einfach zu unterschiedlich und leider v.a. aus den privaten Haushalten zum Teil stark mit Fremdstoffen belastet.
Ein Dank gilt der KLB Regensburg, die dieses spannende und vielseitige Exkursionsprogramm zusammengestellt und so hervorragend organisiert hat!