29/05/2026
Rhein-Neckar-Zeitung | 28.05.2026 | Seite 19
"Bei BASF scheinbar kein Ziel mehr, außer Sparen"
IG BCE-Bezirksleiter Steffen Seuthe kritisiert die immer neuen Kostensenkungsprogramme des Ludwigshafener Chemiekonzerns
Von Matthias Kros, Ludwigshafen. Steffen Seuthe, seit dem Herbst vergangen Jahres Leiter des Bezirks Ludwigshafen der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE), glaubt, dass BASF-Chef Markus Kamieth die Beschäftigten bei seinen Sparprogrammen zu wenig mitnimmt. Die Veränderungen bei dem Chemiekonzern seien zu wenig mit einer Vision verbunden, kritisiert er. Auf diese Weise drohe Kamieth seine Glaubwürdigkeit zu verlieren.
Herr Seuthe, BASF-Vorstandschef Markus Kamieth hat in der vergangenen Woche mit seinem neuerlichen Sparprogramm CoreShift, mit dem bis zum Jahr 2029 die Kosten im Kerngeschäft des Chemiekonzerns um bis zu 20 Prozent gedrückt werden sollen, viele überrascht. Sie auch?
Das Problem an der Sache ist, dass Herr Kamieth ein bestehendes und verhandeltes Sparprogramm noch einmal rückwirkend nachgeschärft hat. Es war vielleicht auf Führungsebene bereits diskutiert aber nicht mit den Arbeitnehmervertretern und somit nicht klar definiert.
In der Belegschaft dürften die Sorgen jedenfalls nicht kleiner geworden sein.
Das Schlimme für die Beschäftigten ist, dass sie das Gefühl bekommen, in einem Hamsterrad zu sein und immer wieder etwas Neues kommt. Das sorgt für Druck und Verunsicherung. Die Beschäftigten denken sich: Wir wurden doch schon durch den Fleischwolf gedreht und jetzt kommt schon wieder das Nächste. Aber irgendwann ist die Zitrone trocken. Wenn Herr Kamieth so weitermacht, verliert er seine Glaubwürdigkeit.
Der Betriebsratsvorsitzende Sinischa Horvat hat kritisiert, dass die Beschäftigten den weiteren Personalabbau angesichts der schon laufenden Strukturmaßnahmen nicht mehr einordnen könnten. Passiert bei BASF zu viel parallel?
Man hat jedenfalls das Gefühl, es gibt bei der BASF kein Ziel mehr, außer Sparen. Vor allem verstehen die Beschäftigten nicht mehr, wo die BASF eigentlich hin will. Es wird zwar investiert, aber das Gefühl eines Nachvornekommens kommt dabei nicht auf. Stattdessen haben die Beschäftigten das Gefühl, nur noch ein Kostenfaktor zu sein. Das ist dramatisch.
Wird den Beschäftigten zu viel abverlangt?
Sie werden auf jeden Fall zu wenig mitgenommen. Die Menschen sind ja bereit, Veränderungen mitzumachen. Das verstehen sie. Veränderungen müssen aber mit einer Vision verbunden sein: Wo will ich hin? Nur dann nehme ich die Leute mit.
Herr Kamieth macht die Sparprogramme sicher auch nicht gerne, sondern steht selbst unter Druck. Können Sie sein Denken vollziehen?
Herr Kamieth hat natürlich einen Plan für den gesamten Konzern im Kopf, der auf dem Reißbrett bestimmt auch Sinn macht. Wir reden hier aber über Menschen und ihre Familien in Ludwigshafen und ihre Identifikation mit der BASF. Vieles wirkt gerade unüberlegt. Die Geschwindigkeit ist angesichts der Krise vielleicht notwendig, aber es wäre nicht schlecht, Dinge erst mal wirken zu lassen, ehe die nächste Maßnahme kommt.
Werden die Beschäftigten auch die neuerlichen Sparpläne hinnehmen?
Wir können von Glück sagen, dass wir die Standortvereinbarung im vergangenen Jahr verlängert haben. Wenn es diese Sicherheit nicht gäbe, dann wäre in der Belegschaft jetzt mehr als Verunsicherung, dann hätten wir die komplette Resignation.
Nun geht es in die Verhandlungen mit der Geschäftsführung. Gibt es für Sie rote Linien?
Natürlich dann, wenn die Standortvereinbarung in Frage gestellt würde. Auch bei der Tarifbindung oder generell bei der Sozialpartnerschaft kann es keine Kompromisse geben. Aber da sehe ich im Moment keine Anzeichen.
IG BCE-Bezirksleiter Steffen Seuthe kritisiert die immer neuen Kostensenkungsprogramme des Ludwigshafener Chemiekonzerns 👉 Hier der Artikel: (RNZ+) https://ebx.sh/yWQVgh