Burschenschaft Loshausen – Von Anbeginn
Im Jahr 1984 wurde 225 Jahre Kirmes mit Festzug gefeiert. Wie jedoch Dr. Armin Wiegand herausgefunden hat, war bereit 1569 im Saalbuch des Amtes Ziegenhain beurkundet, dass die von Lüder 1569 vierzehn Tage vor und vierzehn Tage nach der Kirmes den Wein-/Branntweinausschank frei hatten. So ist die Loshäuser Kirmes schon 190 Jahre früher erwähnt worden. Nach unserem Wissen und aus Erzählungen unserer Vorfahren fand die Kirmes, wenn sie gefeiert wurde, jedes Jahr im Oktober nach Abschluss der Erntearbeiten statt. Jahrhunderts hatte Loshausen zwei Gaststätten mit je einem Saal. Hier wurde abwechselnd gefeiert, in guten Jahren aber auch in beiden Sälen. Am Samstag- und Sonntagnachmittag wurde, wenn es das Wetter zuließ, auch auf dem Tanzplatz ( alte Schule, heute im Besitz von Georg Schwalm, Kreuzung Kirchweg, Oberdorf ) zum Tanz aufgespielt. Die Kirmes begann mit dem „Bierwagenfahren“ am Freitagmorgen. Hierbei wurde in den umliegenden Dörfern mit Gesang zur Kirmes eingeladen und auf dem Rückweg das Bier mitgebracht. Vor jeder Tanzveranstaltung gingen die Burschen und Mägde mit der Kapelle eine Runde durch das Dorf, bevor die Musik zum Tanz aufspielte. Für uns heute unvorstellbar, war der Tanzabend jeweils um Mitternacht beendet. Am Freitag- und Samstagabend ging es danach aber noch zum Kaffeetrinken, wobei meistens die Mädchen des Dorfes Gastgeberinnen waren. Es gab Kaffee und Kuchen, bei den „Besser-Gestellten“ kam auch Brot und Wurst auf den Tisch. Am Samstagmorgen wurden vor jedem Haus gegen einen Obolus die Ständchen gespielt ( Es sei denn, es handelte sich um ein Trauerhaus ). Am Sonntagmorgen folgte schließlich der gemeinsame Kirchgang, bevor es nach dem Mittagessen in stolzer Festtracht auf den Tanzplatz ging und Abends noch einmal in den Saal.Zum Abschluss wurde die Kirmes mit einer Ansprache über das Kirmesgeschehen und Bekanntgabe neuer Liebschaften „begraben“. Dies erweckte die Neugier der Loshäuser, besonders auch vieler älterer Dorfbewohnerinnen. Zu den Aktivitäten der Kirmesburschen gehörte nicht nur die Organisation der Kirmes, sondern auch ein Wurstball im Januar und nach dem 2. Weltkrieg wurde durch die Flüchtlinge ein Faschingstanz eingeführt. Zu Ostern wurde das Kammerfensterversteigern organisiert und durchgeführt. Im Sommer, zwischen Heu- und Kornernte, wurde der Probtanz am Samstagabend und auch Sonntagnachmittag abgehalten. Bei Hochzeiten wurden die Neuvermählten mit einigen Liedern, Schnaps und Branntwein aus dem Ledigenleben verabschiedet. Die gesellschaftlichen Veränderungen der 60er Jahre machten auch vor der Kirmes Loshausen nicht halt. Man verabschiedete sich von der traditionellen Blasmusik und holte Tanzbands, die mit Schlagermusik, Gesang und Elektronik für Stimmung und gute Einnahmen sorgten. Hierdurch ergab sich 1972 erstmals die Möglichkeit mit tatkräftiger Unterstützung des Dorfes und der Vereine einen Schwälmer Trachtenumzug zur Kirmes unter dem Motto „Kreiz schwer neng“ auszustellen und durch Dorf ziehen zu lassen. Für den guten Besuch des Festzuges und der ersten Wiederaufführung des Schwälmer Tanzes war der Saal zu klein. Das war 1973 der Anlass die Kirmes erstmals in einem Zelt im Schlosspark abzuhalten.
1974 folgte ein Festzug mit Bildern nach dem Kirmeslied „Inse Kermes“ und 1976 unter dem Motto „Aus dem Leben des Junker Hoose aus Leimbach“. Zunächst war es den Burschen möglich, alle 2 Jahre einen originellen Festzug durchs Dorf zu schicken, welches sich aber bald ändern sollte, doch dazu später mehr. Ab den 79er Jahren wurde der Bierwagen zur Ziegenhainer Salatkirmes von der Loshäuser Burschenschaft gestellt. Von nun an konnten die Schwälmer Schneider, Schuster, Stickerinnen und Stickfrauen ihr Können wieder unter Beweis stellen und weitergeben. Da die meisten Burschen größer und kräftiger waren als ihre Vorfahren, bekamen sie neue rote Westen, Hosen, Gamaschen und Schuhe. Auch stickten die Frauen wieder Schwälmer Strümpfe. So wurden die Burschen auch zur Teilnahme an den Festzügen zu den Hessentagen in Fritzlar und Friedberg eingeladen. Bei den Festzügen der Ziegenhainer Salatkirmes wurden ab 1974 außer dem Bierwagen von den Loshäusern auch weitere Festzugsnummern dargestellt und es bildeten sich die ersten Trachtengruppen, welche dann 1978 zur Gründung der Schwälmer Tanz- und Trachtengruppe Loshausen führten. Bis 1984 wurde im 2-Jahresrythmus eine Trachtenkirmes mit Festzug abgehalten. Anschließend folgte 1987 und 1991 noch je eine Kirmes mit Festzug. Bei der Kirmes 1991 wurden die Kirmesburschen jedoch nur durch eine 1000,- DM Spende des Kaufmannes Heinz Schmidt vor der Pleite gerettet. Bei den Festzügen gab es zwar noch genügend Zuschauer im Dorf, aber der Besuch auf dem Festplatz im Park, der mit Eintritt und Verzehr die Kosten decken musste, wurde immer schwächer. Obwohl die Kirmesburschen ab 1988 den Bier- und Getränkeausschank selber übernahmen und dieser nicht mehr wie seit Gedenken von den Gastwirten ausgeführt wurde, haben sich die Einnahmen und Ausgaben mal mehr und mal weniger gedeckt. Durch geburtsschwächere Jahrgänge der letzten 30 Jahre fanden sich zudem immer weniger ältere und erfahrene Burschen, die zum durchführen einer Kirmes bereit waren. Dieses ging soweit, dass 2005 der Ernstfall eintrat und die vorerst letzte Kirmes abgehalten wurde. Zuletzt noch etwas zur Kleidung der Burschen. Bei der Durchsicht alter Kirmesbilder ist festzustellen, dass 1947 ganze 41 Burschen auf Bildern zu sehen waren, alle in Schwälmer Kittel und Schirmmützen, welche auf die Zeit um 1900 zurückgehen. Von da an trugen die Burschen, welche bei den Soldaten gedient hatten, die Mützen ihrer Garnision. ( Bericht: Winfried Ide, unter Rücksprache mit Helmut Laudenbach und Dirk Riebeling )
Burschenschaft Loshausen 2006
Da sich im Zuge der letzten Kirmes im Jahre 2005 die Burschenschaft Loshausen zerschlagen hatte gab es eine Zeit lang keine Burschenschaft mehr im Ort, welches die Jugendlichen des Dorfes aber nicht auf sich sitzen lassen wollten. So entschlossen sich ca. 5-10 Jugendliche schon im Jahre 2006 wieder eine neue Burschenschaft zu gründen. Um nicht in die gleichen „personellen“ Probleme zu geraten, wie die gerade erst zerschlagene Burschenschaft, wurde von nun an auch den Mädchen des Ortes die Möglichkeit eröffnet, in die Burschenschaft einzutreten.Das Ziel der Burschenschaft war es natürlich, wieder eine richtige Kirmes zu organisieren. Dazu wurden wieder viele Veranstaltungen in anderen Ortschaften besucht, im Normalfall zum heute üblichen Burschenschaftstreffen am Samstagabend, um sich wieder einen Namen bei anderen Burschenschaften zu machen. Im Jahre 2008 war es dann soweit, es konnte, auch dank der großen Unterstützung der Loshäuser Vereine, wieder eine eigene Kirmes im Schlosspark gefeiert werden. Das traditionelle Bierwagenfahren in Schwälmer Tracht wurde ebenfalls direkt wieder aufgenommen, welches durch den Gesang der Burschen immer noch die gleiche Wirkung wie damals hat. Nachdem der Bierwagen gegen 19 Uhr von seiner Fahrt durch die Dörfer wieder angekommen ist, eröffnen die Burschen Freitag Abend den Dorfabend mit Musik und Tanz. Manch einer behält heute die Tracht auch noch den ganzen Abend an, aber es genügen auch die Kirmesmütze ( eine mit einer Kappeschnur verzierte Schildmütze ) und für die Mädchen ein Schwälmer Tuch, welche über die gesamte Kirmes getragen werden. Samstags ist dann das Festzelt für die Burschenschaften reserviert. Bei Fassbier direkt vom Burschenschaftstisch und Stimmungsmusik der Band ist dieser Abend immer ein besonderer Spaß. Sonntags schließlich ist der traditionelle Kirchgang durch einen Zeltgottesdienst ersetzt worden, worauf Frühschoppen mit Mittagessen folgt. Hierbei ist für jeden Burschen zudem eine Schwälmer Weste Pflicht. Nachmittags wird zu guter Letzt für die Kinder der Dorfes ein Programm dargeboten und bei Kaffee und Kuchen steht dem Ausklang einer anstrengenden Kirmeswoche nichts mehr entgegen. Weiterhin hat die Burschenschaft den Faschingsbrauch wieder aufgenommen, und organisiert jedes Jahr einen Kostümtanz, und führt jedes Jahr das traditionelle Kammerfensterversteigern durch.