28/05/2026
vor 36 Jahren starb Józef GitlerBarski (1898 – 1990) in seiner Geburtsstadt Warschau. Er hatte Wirtschaftswissenschaften in München sowie später an der Freien Universität von Polen studiert. Vor dem Krieg war er Direktor von Centos, der Zentralen Gesellschaft für die Betreuung von Waisen und verlassenen Kindern, sowie Mitglied der Polnischen Kommunistischen Partei.
Nach der deutschen Besatzung Polens wurde auch er als Jude gezwungen, im Warschauer Ghetto zu leben. Dort setzte er seine Arbeit als CentosDirektor fort und organisierte Internate und Halbinternate, Küchen, Gemeinschaftszentren und Bildungseinrichtungen im Untergrund. Im Februar 1943 gelang es ihm, mit seiner Familie aus dem Ghetto zu fliehen. Bis Juli konnte er auf der sogenannten „arischen Seite“ untertauchen und beobachtete von dort die systematische Zerstörung des Ghettos während des Aufstandes. Er und seine Familie wurden denunziert und nach Bergen Belsen deportiert.
Während viele Holocaustüberlebende in den unmittelbaren Nachkriegsjahren Polen verließen, kehrte Józef Gitler-Barski mit seiner Frau Celina und der gemeinsamen Tochter Irena in sein Heimatland zurück. Als polnischer Patriot hatte er sich dem Wiederaufbau des Landes nach den Verwüstungen des Krieges verschrieben. Als Generalsekretär des American Joint Distribution Committee in Polen setzte er sich in den Nachkriegsjahren aktiv für das jüdische Leben ein. Auf dem Foto sehen wir ihn, wie er eine Delegation aus New York durch die Ruinen des Warschauer Ghettos führt, in dem er selbst gezwungen gewesen war zu leben und dessen Zerstörung er mit ansehen musste.
Nachdem dem Joint 1950 die weitere Tätigkeit in Polen untersagt worden war, stand er als Generaldirektor der Polnischen Bank vor. 1953 wurde er unter dem Vorwurf der Spionage verhaftet, kam aber bald wieder frei. Danach arbeitete er bis zu seiner Pensionierung 1967 als Direktor der Süßwarenfabrik 22. Juli (ehemals Wedel).
Foto: Józef Gitler-Barski mit Herman Gilman in den Ruinen des Warschauer Ghettos, 1946. Quelle: Privatsammlung Krzysztof Czajka-Kalinowski.