15/05/2026
Ein Weckruf von Thomas Gebhart. Für mich lokal der erste "Offizielle", der offensichtlich endlich erkennt, was bei uns im Land abgeht. Und es nicht mit den üblichen Allgemeinfloskeln abtut, sondern einen Schritt weitergeht. Betroffenheit und der Versuch, der Ursachenforschung.
Dafür hat Thomas Gebhart meinen Respekt. Und auch ich werde in der Sache das persönliche Gespräch mit ihm suchen.
Hier der Rheinpfalz Beitrag:
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Gebhart hat sein „Ohr vor Ort“. So nennt er seine Gesprächsreihe im Wahlkreis. Was er da zu hören bekommt, verschlägt ihm die Sprache.
„So etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Thomas Gebhart ist ratlos, sein Blick drückt Verzweiflung aus. Er wirkt erschöpft, kraftlos, und er ist in weiten Teilen des Gesprächs sprachlos. Der südpfälzische CDU-Abgeordnete hadert mit seiner Bundesregierung. Er hadert mit seiner Fraktion. Ja, er hadert mit seinem Kanzler Friedrich Merz.
Thomas Gebhart ist regelmäßig auf Wahlkreistour in der Südpfalz unterwegs. Er fährt in viele Gemeinden, steht vor dem Supermarkt, auf dem Dorfplatz oder vor dem Rathaus Rede und Antwort. Die Leute kommen, um mit ihm zu sprechen. Viele laden bei Gebhart ihren Frust ab. „Die Stimmung hat sich gewaschen“, sagt der Christdemokrat. „So etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Da beklagt sich in Landau ein Mann bei ihm, er habe 40 Jahre gearbeitet, anderen aber werde es zu leicht gemacht mit Bezügen; er wähle künftig nur noch AfD. Ein anderer Mann erzählt Gebhart, er sei 20 Jahre SPD-Mitglied gewesen, gehe aber jetzt mit der AfD. Weil sich da radikal etwas ändern müsse im Land.
Erfolge der AfD rational nicht zu erklären
Die weiter wachsende Zustimmung zur Alternative für Deutschland ist es, die Gebhart „ganz große Sorgen“ macht. Der 54-Jährige ist kein Haudrauf. Seit 23 Jahren hauptberuflich Politiker, schätzen ihn viele Südpfälzer für seine Gradlinigkeit, seine Unaufgeregtheit und seinen Fleiß. Sie wissen: Wenn ich ein Anliegen bei Gebhart platziere, dann kümmert er sich darum, dessen kann ich sicher sein. Er spricht mit vielen Leuten, kennt die Stimmung an der Basis. In der Partei, in der Wirtschaft, in der Gesellschaft. Doch was der Christdemokrat nun erlebt, ist in dieser Dimension für ihn neu.
Was sich an vielen Stammtischen schon länger abspielt, bricht immer stärker auf und zieht immer weitere Kreise. Nach dem Motto, es muss sich etwas radikal ändern, so kann es nicht weitergehen. Das ist die Diagnose, erzählt Gebhart. Das Rezept nach Ansicht der Kritiker: Die AfD wird es richten. Rational sei das nicht zu erklären, meint der CDU-Politiker, denn die AfD mache ja keine Vorschläge. Und wenn, dann widersprächen sich die Ansätze.
Deutschland erlebt eine politische Depression
Das Land erlebt eine politische Depression. Thomas Gebhart ringt damit. Er ist desillusioniert. Der Mann der leisen Töne wird lauter. Auch in der Fraktion halte er sich mit seiner Kritik nicht mehr zurück, sagt er. Der Jockgrimer drängt darauf, endlich Reformen umzusetzen. Parteifreunden an der Spitze ist der Realitätssinn abhanden gekommen. So lässt sich Gebharts Aussage deuten, da säßen dann sechs Leute in einer Kommission und heraus komme die 1000-Euro-Entlastungsprämie, mit der Unternehmer freiwillig ihre Mitarbeiter hätten unterstützen sollen. Gescheitert an der Realität – und der Einsicht im Bundesrat. Kopfgeburten, entstanden aus der Verzweiflung, ein sichtbares Zeichen der Veränderung bieten zu wollen.
Thomas Gebhart agiert heute in der zweiten Reihe, ist einfacher Abgeordneter, Obmann im Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Doch in der vorletzten Regierung war er Teil der Mannschaft – von März 2018 bis Dezember 2021 Parlamentarischer Staatssekretär beim damaligen Gesundheitsminister Jens Spahn. Der ist nun Fraktionschef der CDU im Bundestag, nach dem Kanzler der mächtigste Mann in der Partei. Spricht Gebhart auch mit ihm?
Jeder Verantwortliche muss alles der Sache unterordnen
„Ja natürlich. Ich rede offen mit ihm und bin sehr kritisch mit ihm über den Zustand der Koalition, sage das auch in der Fraktion“, antwortet der Südpfälzer. Einige Kollegen wollten das nicht hören. Doch er, Gebhart, habe keine Scheu, zu sagen, was er denke. Er habe nichts zu verlieren. Es gehe doch um die Zukunft der Kinder. Gebhart ist selbst zweifacher Vater. „Es geht doch nicht um Friedrich Merz, es geht nicht um Jens Spahn, und es geht auch nicht um Thomas Gebhart. Es geht um viel, viel mehr. Es geht um unser Land.“ Jeder, der Verantwortung trage, müsse alles der Sache unterordnen.
Manche Kollegen ziehen sich zurück, erzählt der 54-Jährige, machen keine Bürgersprechstunden mehr. Aber das sei doch genau das Falsche. „Ich halte diese Situation für brandgefährlich.“ Es brauche Ergebnisse, Überschriften reichten halt nicht mehr. Die AfD liegt in allen Meinungsumfragen mittlerweile vor der CDU. Gebhart macht das wütend. „Es ist der Job einer Regierung, sich zusammenzuraufen und gemeinsame Lösungen zu präsentieren. Ich erwarte, dass die Spitzen der Fraktionen sich berappeln und statt mit dem Finger aufeinander zu zeigen ordentlich kommunizieren.“
Thomas Gebhart ist einer von zwei Bundestagsabgeordneten, die die Südpfalz in Berlin vertreten. Der andere ist Bernd Schattner von der AfD. Ihn sieht man nicht bei Terminen oder Gesprächsrunden in der Südpfalz.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Gebhart hat sein „Ohr vor Ort“. So nennt er seine Gesprächsreihe im Wahlkreis. Was er da zu hören bekommt, ...