03/11/2025
"Freyheit – ist das Einzige, was zählt“ lautete das Motto eines eindrucksvollen Chor-Workshops mit anschließendem Konzert, das der Chorverband Lahn-Dill – ehemals Solmser Sängerbund – gemeinsam mit Thuringia Cantat, einem Chorprojekt des Chorverbands Thüringen, veranstaltete.
Austragungsorte waren das Haus der Hessischen Sportjugend in Wetzlar für die Probenphase und die Pfarrkirche St. Walburgis in Wetzlar-Niedergirmes für das abschließende Konzert.
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Intensive Vorbereitung und logistische Meisterleistung
Die organisatorische Durchführung eines Projekts dieser Größenordnung erforderte monatelange Vorbereitung.
Zu bewältigen waren sowohl die Unterbringung der 45 Teilnehmenden aus Thüringen als auch die musikalische Vorbereitung der rund 70 Sängerinnen und Sänger aus Hessen, die überwiegend Mitgliedschöre des Chorverbands Lahn-Dill vertreten.
Das Leitungsteam des Verbands sorgte in enger Abstimmung mit den Partnern aus Thüringen für einen reibungslosen Ablauf – von der Anreise und Verpflegung bis hin zur Konzertorganisation und Öffentlichkeitsarbeit.
So entstand ein Wochenende intensiver musikalischer Arbeit, gelebter Gemeinschaft und thematisch tiefgreifender Auseinandersetzung mit dem Begriff „Freiheit“.
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Eine langjährige musikalische Freundschaft
Die Kooperation zwischen dem Chorverband Lahn-Dill und Thuringia Cantat hat eine lange Tradition.
Beide Verbände haben sich in den vergangenen Jahren mehrfach gegenseitig besucht und bei Konzerten unterstützt.
Ein früheres gemeinsames Projekt war das Konzert zum Thema „30 Jahre Mauerfall“ in der Martinskirche Heuchelheim, ein weiteres fand in Sondershausen (Thüringen) statt, wo die Sängerinnen und Sänger aus Hessen an der dortigen Musikakademie zu Gast waren.
Diese freundschaftliche Zusammenarbeit beruht auf einer gemeinsamen künstlerischen Vision: durch Chormusik gesellschaftliche Themen erfahrbar zu machen und Menschen über Landesgrenzen hinweg miteinander zu verbinden.
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Künstlerische Leitung und musikalisches Konzept
Die musikalische Leitung lag in den bewährten Händen von Prof. André Schmidt von der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar, der das Programm zusammenstellte und – bis auf wenige Ausnahmen – die meisten Arrangements für Chor und Instrumentalbegleitung selbst schrieb.
Unter seiner Leitung entstand ein abwechslungsreiches Programm, das mit 19 Chorwerken eine beeindruckende historische und emotionale Spannweite bot.
Der thematische Bogen reichte von der Zeit der Kreuzzüge und der Ära Friedrich Barbarossas über die Bauernkriege und die Epoche der Französischen Revolution bis in die heutige Zeit– stets mit dem zentralen Gedanken der Freiheit als verbindendem Leitmotiv.
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Freiheit durch die Jahrhunderte – musikalisch erzählt
Musikalisch spiegelte das Programm die Entwicklung des Freiheitsbegriffs in ganz unterschiedlichen Stilrichtungen wider:
Von mittelalterlich anmutenden Chorpassagen über kraftvolle romantische Werke bis hin zu Liedern der jüngeren europäischen Geschichte.
So widmeten sich zwei eindrucksvolle Werke der Zeit der Bauernkriege, in denen die existenzielle Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Freiheit musikalisch greifbar wurde.
Einen besonderen Schwerpunkt bildeten Chorwerke von Ludwig van Beethoven und Robert Schumann, in denen der Gedanke der Selbstbestimmung und der Würde des Menschen künstlerisch verdichtet erscheint.
Auch die dunklen Kapitel deutscher Geschichte fanden ihren Widerhall:
In einer bewegenden Collage verband Prof. Schmidt das bekannte Lied der Comedian Harmonists „Irgendwo auf der Welt“ – einem deutsch-jüdischen Ensemble der 1920er Jahre, das später in die USA emigrieren musste – mit einem Werk, das Melodien aus dem Film „Schindlers Liste“ aufgreift.
Die Kombination beider Stücke machte auf eindringliche Weise das Schicksal der jüdischen Musiker und vieler weiterer Verfolgter jener Zeit erfahrbar.
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Musik als Spiegel der jüngeren europäischen Geschichte
Auch die Nachkriegszeit und jüngste europäische Geschichte wurden musikalisch reflektiert.
So erklangen Lieder, die den Einfluss osteuropäischer Volksmusik in der ehemaligen DDR sowie die dortige Popmusik ebenso widerspiegelten wie die durch amerikanische Spirituals und Popmusik geprägten Klänge im Westen.
Beide Strömungen zeigen, wie stark Musik gesellschaftliche Entwicklungen begleitet und politische Realitäten spiegelt.
Darüber hinaus nahmen auch Liedermacher und kritische Stimmen der jüngeren deutschen Musikgeschichte ihren Platz im Programm ein.
Vertreten war etwa Reinhard Mey, der mit seiner poetischen und oft politischen Sprache die individuelle Freiheit ins Zentrum seines Schaffens stellt.
So wurde deutlich: Der Freiheitsgedanke lebt nicht nur in historischen Dokumenten, sondern auch in der zeitgenössischen Musik fort – in leisen, persönlichen Tönen ebenso wie in kraftvollen Chorarrangements.
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Beeindruckendes Abschlusskonzert
Das abschließende Konzert in St. Walburgis-Niedergirmes bot einen Querschnitt des gesamten Programms und verband die zuvor erarbeiteten Werke zu einem musikalisch wie emotional geschlossenen Ganzen.
Die Sängerinnen und Sänger begeisterten mit klarer Artikulation, hoher Textverständlichkeit und spürbarer innerer Beteiligung.
Der Funke sprang rasch auf das Publikum über, das die Darbietungen mit lang anhaltendem Applaus honorierte.
Gerade die Vielfalt der Themen, Stile und Epochen machte den besonderen Reiz des Abends aus.
Jede Epoche, jedes Werk eröffnete eine neue Perspektive auf das zentrale Motto: „Freyheit ist das Einzige, was zählt.“
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Fazit: Ein musikalisches Plädoyer für Freiheit und Gemeinschaft
Der Workshop und das Konzert des Chorverbands Lahn-Dill und Thuringia Kantat setzten ein starkes Zeichen:
für musikalische Qualität, überregionale Zusammenarbeit und gesellschaftliche Verantwortung von Chormusik.
Das Projekt machte deutlich, dass Freiheit nicht nur ein historischer Begriff ist, sondern eine Haltung – in Musik und Leben gleichermaßen.
Ein Wochenende voller intensiver Proben, inspirierender Begegnungen und mitreißender Musik fand so seinen Abschluss – mit einem klaren Bekenntnis:
Freyheit ist das Einzige, was zählt.