06/08/2026
06.08.2026
41 Katzen in der prallen Hitze ausgesetzt:
„So etwas habe ich noch nie erlebt“
Hagen.
Auf einem Gelände in Haspe werden zahlreiche Kitten und Katzen in Kartons und Kisten zurückgelassen. Zwei Tiere überleben nicht. Wie es weitergeht:
Die Tierschützer konnten am Dienstag kaum ihren Augen trauen: Neun
Kartons und Transportboxen standen verlassen auf dem Gelände eines
Autohändlers in der Voerder Straße in Hagen.
Darin: 41 Katzen und Kätzchen. „So etwas habe auch ich noch nie
erlebt“, sagt Dr. Andrea Piepenbrink, Tierärztin und Tierheimleitung.
Am Donnerstag gibt es die traurige Gewissheit, dass zwei Tiere es nicht
überlebt haben. „Alle Katzen waren in schlechtem gesundheitlichen
Zustand, einige sind auch mit Dünndarm-Parasiten infiziert und haben
dadurch starken Durchfall, dazu kam die Hitze, in der die Tiere
gestanden haben“, sagt die Tierärztin.
Das Ordnungsamt hatte die
Katzen am späten Dienstagnachmittag – mehrere ausgewachsene Tiere und
viele Kitten im Alter von etwa zwei Wochen bis vier Monaten – zunächst
sichergestellt und das Tierheim über den traurigen Fund informiert.
„Aufgrund der hohen Anzahl an Tieren mussten mehrere Tierarztpraxen
angefahren werden, um eine zügige Erstversorgung und Untersuchung aller
Katzen sicherzustellen“, erklärt die Stadt Hagen dazu in einer
Mitteilung. Die Tiere waren verschmutzt, verhielten sich teilweise
apathisch. Sie saßen in Kartons und in Kisten, „waren abgestellt
zwischen Autos in einem nicht gut einsehbaren Bereich“, schildert die
Tierheimleiterin.
Die Kosten für die Versorgung haben die Stadt und der Tierschutzverein
Hagen, der ebenfalls vor Ort war, übernommen. Das Tierheim bedankt sich
ausdrücklich auch bei allen beteiligten Tierarztpraxen für die
unkomplizierte Unterstützung. „Wir konnten sofort vorbeikommen, das ist
nicht selbstverständlich. Auch für die Unterstützung des
Tierschutzvereins sind wir sehr dankbar“, sagt Piepenbrink.
Alle Katzen waren in schlechtem gesundheitlichen Zustand,
einige sind auch mit Dünndarm-Parasiten infiziert.Dr. Andrea Piepenbrink,
Tierärztin und Tierheimleitung
Ein Großteil der Katzen ist nun im Hagener Tierheim untergebracht, einige
weitere Tiere auf Pflegestellen. Sie befinden sich in Quarantäne und
werden aktuell medizinisch behandelt. „Einige haben Flöhe und Giardien,
was potenziell ansteckend ist. Es greifen also Vorsichtsmaßnahmen, damit
sich die Infektion nicht auch auf andere Tiere ausbreiten kann“,
erklärt sie das Vorgehen. So stehen etwa Desinfektionsbecken vor dem
Raum, der nur mit Schuhüberziehern betreten werden kann. „Wir sind aber
optimistisch, dass wir das gut behandelt bekommen“, sagt Dr. Andrea
Piepenbrink.
Bevor die Infektion nicht auskuriert ist und die Katzen nicht kastriert sind,
können die Tiere nicht vermittelt werden. „Wir haben schon einige
Anfragen bekommen. Wir gehen aber davon aus, dass es noch einige Wochen
dauern wird, bis eine Vermittlung infrage kommt“, erklärt die
Tierärztin. Die Katzen seien nicht scheu, an Menschen gewöhnt. Das ließe
darauf schließen, dass sie auch vorab schon im häuslichen Umfeld gelebt
haben. Da ein ausgewachsener, unkastrierter Kater unter den Tieren ist,
geht das Team derzeit davon aus, dass die Katzen sich ungeplant
vermehrt haben. Bei so vielen Katzen, die dann auch noch krank sind, sei
das natürlich ein enormer Kostenfaktor, der letztlich zum Aussetzen der
Tiere geführt haben könnte. Aber auch das sind bislang nur Mutmaßungen.
Aufruf: Zeugen gesucht
Anrufe mit möglichen Hinweisen, wer die Tiere in Haspe ausgesetzt haben
könnte, habe es zwar schon gegeben. Doch diese hätten noch keine
weiteren Erkenntnisse gebracht. Das Tierheim bittet daher weiterhin
Bürgerinnen und Bürger um Mithilfe: Hinweise zu verdächtigen
Beobachtungen am Dienstag zwischen 8 und 15 Uhr oder Angaben zur
Herkunft der Tiere oder zu den bisherigen Haltern können beim Tierheim
gemeldet werden. „Wir werden den Vorfall jetzt bei der Polizei zur
Anzeige bringen. Beim Aussetzen von Tieren handelt es sich zwar zunächst
um eine Ordnungswidrigkeit. Durch die Umstände – also das Aussetzen der
kranken Tiere in der prallen Sonne – sehen wir aber einen möglichen
Straftatbestand“, erklärt Dr. Piepenbrink.
Jetzt geht es zunächst einmal darum, die Katzen wieder aufzupäppeln. „Wir
haben viele Unterstützungsangebote oder Spendenanfragen bekommen. Was
wir aber am meisten brauchen, sind Leute, die sich verlässlich und
langfristig engagieren und einbringen möchten“, betont Piepenbrink.
Dabei gehe es etwa um die Versorgung der Tiere im Tierheim.
Tierhalter, die sich in einer Überforderungssituation befinden, „sollten
rechtzeitig Kontakt mit dem Tierheim oder dem Tierschutzverein
aufnehmen, um gemeinsam eine Lösung im Sinne des Tierschutzes zu
finden“, betont die Stadt. Eine, bei der die Tiere nicht in Kartons auf
der Straße landen.
https://www.wp.de/lokales/hagen/article412786340/41-katzen-in-kisten-ausgesetzt-und-zurueckgelassen.html