16/05/2023
Vor wenigen Minuten wurde die neue internationale IGLU-Studie zur Lesekompetenz der Zehnjährigen vorgelegt. Die Ergebnisse sind katastrophal, und, um es ganz knapp zusammenzufassen: Ein Viertel dieser Altersgruppe wird unserer Gesellschaft später leider nicht als Fachkräfte zur Verfügung stehen können, da 25% (!!!) der Kinder nicht den Mindeststandard im Lesen erreichen, der für die weitere Schullaufbahn notwendig wäre. (Darüber, was das für das weitere Leben dieser Kinder bedeutet, das Thema Bildungsgerechtigkeit, will ich gar nicht erst reden.)
Warum, um Himmels Willen, begreift niemand diesen Zusammenhang zwischen fehlender Lesekompetenz und Fachkräftemangel? Warum schreit nicht endlich die Wirtschaft auf, die doch immer über Fachkräftemangel klagt, und macht heftigste Lobbyarbeit für das Lesen? Wann endlich wird die Politik begreifen, dass es immer noch um ein Vielfaches günstiger wird, jetzt große (inzwischen sehr große, leider!) Mittel aufzuwenden für alles, was zur Förderung der Lesekompetenz notwendig ist (mehr Kita-Erzieher:innen! Sprachförderung vor der Schule! Kleinere Kita-Gruppen! Ausbildung von Grundschullehrerinnen! Kleinere Klassen! Fortbildung aller Grundschullehrkräfte zum Thema Lesen! Lese- und Sprachförderung auch noch in der Sekundarstufe! Und, und, und…), als später die Folgen zu tragen? Und was es für die Demokratie bedeutet, wenn dann in nicht ganz so ferner Zukunft ein Viertel der Menschen in Deutschland sich nicht mehr qualifiziert über komplexe Themen informieren kann: Sollte sie das nicht auch schrecken? Schon jetzt gewinnt ja der Populismus bei uns immer mehr an Boden. - Und jetzt bitte nicht alles auf die Pandemie schieben! Vor der Pandemie waren es ja auch schon 20%, denen die ausreichende Lesefähigkeit gefehlt hat. Wir müssen etwas tun. Wir brauchen endlich ein Sondervermögen Bildung!. Jetzt. Wir können nicht mehr warten.