15/02/2026
Zum Beginn des diesjährigen Straßenkarnevals zeigen wir heute einen Bilderbogen des Hagener Karikaturisten Carl Grimm (1872-1936), den dieser zur Session 1927/28 für die Beilage „Die Welt zum Lachen“ im „Westfälischen Tageblatt“ entworfen hatte. Der im ostpreussischen Memel (heute litauisch: Klaipeda) geborene Grimm arbeitete seit 1901 in Berlin als Werbegrafiker und Entwurfszeichner für Tapeten und Textilien, gestaltete dann einige Jahre später in Elberfeld Möbelstoffe und in Barmen Glasmalereien, bevor er um 1910 nach Hagen kam. Hier arbeitete er zunächst als Reklamemaler, wurde dann im Ersten Weltkrieg mit immerhin bereits 42 Jahren nicht zum Fronteinsatz eingezogen, sondern arbeitete in einem Rüstungsbetrieb als Schlosser, um sich ab 1918 wieder der Zeichenkunst zu widmen. Seine regelmäßige Beschäftigung als Honorarkraft bei Gustav Thiebes‘ rechtsorientierter Tageszeitung „Westfälisches Tageblatt“ währte von 1925 bis zur Schließung des Blattes 1934 und sorgte für einen großen Bestand Karikaturen und humoristischen Zeichnungen, die in Hagen sehr populär waren. 230 Blätter wurden von der Stadt aus seinem Nachlass angekauft und werden heute in den Beständen des Stadtmuseums aufbewahrt.
Der Karnevalsbogen 1928 geht erkennbar auf kommunalpolitische Themen der Zeit ein. So erkennen wir oben einen Bezug zum kommenden Großstadtstatus der Stadt Hagen, die mit der Geburt der 100.000sten Einwohnerin Theresia Floren dann im selben Jahr Wirklichkeit wurde. Ebenso sind die Diskussionen über die Eingemeindung benachbarter Ortschaften thematisiert, die dann in der Gebietsreform 1929 zu einem vergrößerten Stadtgebiet führten. Auch die damals viel kritisierte Kostensteigerung beim Bau der Cuno-Siedlung am Kuhlerkamp wird ironisch dargestellt, - Themen, die Grimm auch in vielen weiteren Einzelkarikaturen in die Zeitung brachte. Auch wenn der erste Rosenmontagszug in Hagen erst 1934 stattfand, zeugen Grimms Bilderbögen, die auch aus den Jahren 1927 und 1931 im Original überliefert sind, von der satirischen Seite des Hagener Karnevalsgeschehens.
hwo © Stadt Hagen, Stadtmuseum