22/03/2026
009
Hallo meine Freunde, Smörk Borg heißt das mir vorliegende Werk. Schon beim ersten Blick auf dieses sonderbar schillernde Machwerk musste ich, ein Drachendame von erlesenem Geschmack und gelegentlich rauchender Geduld, die Schuppen heben. Eine witzige Aufmachung, gewiss! Schrill, düster, mit einem Augenzwinkern, das selbst unter meinen Flügeln noch nachhallt. Doch, meine lieben sterblichen Würfelwerfer, ist es auch für eine Spielrunde geeignet? Oder verbirgt sich unter der kohlrabenschwarzen Ästhetik nur heiße Luft? Lasst uns gemeinsam prüfen, ob dieses Werk mehr ist als nur ein knisterndes Pergament im Wind, oder ob es tatsächlich das Feuer entfacht, das eine Runde braucht, um Geschichten von Verderben, Wagnis und triumphierendem Gelächter zu schmieden.
Die Aufmachung
Lasst mich zunächst über die äußere Erscheinung dieses Werkes sinnieren. Ihr wisst ja, was wäre ein Schatz ohne seine entsprechende Truhe? Erhältlich ist Smörk Borg als Hard- oder Softcover, ganz nach dem Geschmack jener, die es lieber robust in den Klauen halten oder geschmeidig zwischen den Fingern gleiten lassen möchten. Und dann alles in Gelb! Als Drache frage ich mich gerade, warum nicht in Grün? Ich glaube ich muss das den Autoren einmal vorschlagen…
Nun ja, es ist jedoch gelb geworden. Ein Gelb, so grell und selbstbewusst, dass selbst meine goldenen Schuppen kurz neidisch aufblitzen. Die Gestaltung erinnert unverkennbar an den finster-funkelnden Stil von Mörk Borg, also roh, wild und beinahe trotzig. Knallige Farben springen einem entgegen wie aufgeregte Kobolde im Kerker. Sie sind laut, sie sind auffällig und sie bitten nicht um Erlaubnis, betrachtet zu werden. Der Text hingegen drängt sich nicht auf. Er unterbricht die Bildgewalt nur gelegentlich. Demzufolge ist er nicht störend, sondern fast respektvoll, als wüsste er, dass die Illustrationen bereits ihr eigenes Lied singen. Allein das Durchblättern bereitet Vergnügen. Jede Seite wirkt wie ein kleines Versprechen auf Chaos, Humor und finstere Kurzweil. Es ist ein Buch, das nicht nur gelesen, sondern erlebt werden möchte.
Der Inhalt / Die Welt
Wenn euch das düstere Grollen von Mörk Borg gefällt, meine neugierigen Würfelwirbler, und ihr zugleich eine seltsame Zuneigung zu blauhäutigen Waldwesen, welche aus Film und Fernsehen bekannt sind, hegt, dann, so knistert es in meinen Nüstern, seid ihr bei Smörk Borg goldrichtig. Denn hier wimmelt es von kleinen gelben Wichten. Keine Kobolde. Keine Feen und ganz gewiss keine glitzernden Lichtgestalten. Für eine Fee fehlt es ihnen entschieden an Anmut und Glitzer. Stattdessen trinken sie. Viel. Sehr viel. Und ihre berüchtigte „Pilzsuppe“ – nun, sagen wir so: Selbst ich habe schon Drachenkräuter gekaut, die weniger bewusstseinserweiternd wirkten. Obgleich sie kein Nomadenvolk sind, zumindest behaupten sie das steif und fest, bauen sie alle paar Wochen ein neues Dorf. Nicht aus Not. Nicht aus Strategie. Sondern weil sie ihre alten Häuser schlicht nicht wiederfinden. Ihre Behausungen bestehen aus ausgehöhlten Pilzen, allerlei Verpackungsmüll und Dingen, die man besser nicht zu genau betrachtet. Ordnung ist ein Gerücht im Bosk. Der Bosk! Ein dunkler, unheimlicher Wald, in dem Hirsche durch das Unterholz schreiten, Streifenhörnchen huschen, Wölfe lauern und warzige Trolle mit missmutigem Blick patrouillieren. Dazu gesellen sich weitere Feenvölker und all das vereint sich zu einem Ort, an dem Schönheit, Magie und Chaos wie ein schlecht gebrauter Trank zusammenblubbern. Da dies natürlich nicht ausreicht, sind mitten darin: die Smörks. Sie wollen nicht immer Tod und Zerstörung verursachen. Wirklich nicht. Doch seltsamerweise endet es… nun ja… meistens genauso. Smörk. Geld gibt es nicht. Gehandelt wird im Tausch. Doch damit auch der nüchternste Spielleiter ein Gefühl dafür bekommt, wie „smörk“ ein Gegenstand oder eine Waffe ist, existiert eine Tabelle mit Credit-Werten, oder besser gesagt in Silber. Sehr praktisch und dadurch kompatibel mit alle anderen Mörk Borg Spielen. Es folgen herrlich absurde Tabellen: Waffen, Drogen, Tränke, Alkohol und andere fragwürdige Substanzen. Alles, was das gelbe Herz begehrt. Das folgende hat sogar eine Drachendame, welche Äonen überdauert hat, überrascht. Meine Freunde und Würfelakrobaten, in diesem Spiel wird gesungen! Ja, gesungen. Musik ist essenziell im Leben der Smörks. Du erhältst einen Bonus von +4 auf deine Würfe, wenn Alkohol im Spiel ist. Und wenn ein Charakter ein Instrument spielt, erhält die gesamte Gruppe einen kumulativen Bonus von +3. Nennt es töricht, nennt es albern, ich finde es fast schon episch. Garniert wird das Ganze mit einer Liste der größten Smash-Hits: „99 Red Smörkfruits“, „Galgenbeck ist Musik“, „Was solln wir mit dem betrunkenen Goblin machen“ und weitere Perlen, die selbst meine Schwingen im Takt zucken lassen. Selbstverständlich darf auch ein „kleines“ Bestiarium nicht fehlen, samt Tabellen für den Smörk-Meister, um Begegnungen aus dem Ärmel zu schütteln, sowie ein paar Kurzabenteuer für den schnellen Einstieg ins gelbe Chaos. Und für diejenigen, welche sich bisher gefragt haben, ob er dabei ist … er ist es. Borgamel mit seiner Katze Assrael (und nein, die Schreibweise ist kein Fehler). Ohne die beiden wäre dies Spiel nicht vollständig. Besonders wohlgefällig, selbst für eine ordnungsliebende Drachendame wie mich, sind die letzten Seiten: eine kompakte Zusammenfassung der Regeln. Klar, griffbereit und hilfreich, wenn der Metfluss einmal zu heftig war. So entfaltet sich eine Welt, die zugleich albern und abgründig ist. Ein wilder Tanz aus Pilzsuppe, Gesang, Chaos und düsterem Humor. Und ich, Flocke, kann nicht leugnen: Es ist ein Waldbrand der besonderen Art, einer, dem man nur allzu gern beim Lodern zusieht.
Die Charaktererschaffung
Nun denn, ihr künftigen Chaoskeime, lasst uns darüber sprechen, wie man einen Smörk ins Leben stolpern lässt. In dieser Welt seid ihr klein und irgendwie unbedeutend. Winzig wie ein Brotkrümel in meinem Hort. Aber, und das ist das Tröstliche, alle anderen sind es auch. Warum also nicht ein wenig Spaß haben? Ein bisschen Chaos stiften? Niemand wird sich an euren Namen erinnern, also müsst ihr dafür sorgen, dass sie sich an die Explosion erinnert.
Die Charaktererschaffung ist herrlich unkompliziert – in sechs schnellen Schritten wird gesmörkt, bis der Smörk steht:
1. Startsmörk zufällig bestimmen.
2. Kleidung zufällig bestimmen. (Modebewusstsein ist ein Mythos.)
3. Fähigkeiten smörken.
4. Treffersmörk würfeln.
5. W2 Glückspunkte einstreichen (zwei kleine Funken Smörk)
6. Dem Ganzen einen Namen geben
Schon steht ihr da: Mit einem Hut aus getrocknetem schwarzem Pilz auf dem Kopf, einem Weinschlauch und etwas Proviant. Zu guter Letzt wird mit einem W66 der Archetyp ermittelt. Vom zickigen Smörk über den wilden Smörk bis hin zum hinterhältigen oder seltsamen Smörk. Unterm Strich ist alles möglich und nichts ist vernünftig. Und genau darin liegt der Reiz. Und ich weiß, was ihr denkt. Ist das hier Mittelalter? Oder Moderne? Warum gibt es Fackeln, die eigentlich nur Streichhölzer sind, aber warum gibt es Dynamit in Smörk-Größe? Trägt dieser eine Smörk etwa eine Pistole? Ja, das macht er und Dynamit wird mir Streichhölzer-Fackeln angesmörkt. Warum auch nicht? Es ist alles inkonsequent. Und genau deshalb funktioniert es. Smörk. Es ist besser, sich darauf einzulassen. Den Wahnsinn zu akzeptieren wie einen schlecht gebrauten Pilztrunk. Wer versucht, Ordnung hineinzubringen, wird nur feststellen, dass Ordnung hier ein Gerücht ist, so flüchtig wie Rauch aus meinen Nüstern. Doch solltet ihr euch die Mühe machen, diese Welt klar zu definieren, vielleicht ihr eine Epoche aufzuzwingen, ihr Grenzen zu ziehen, nun… dann lasst es mich wissen. Vielleicht, nur vielleicht, wechsle ich dann zu eurem Spiel.
Bis dahin aber gilt: Würfelt. Lacht. Smörkt.
Das Spielsystem
Kommen wir nun zum Herzstück des Ganzen, dem knisternden Regelwerk unter der gelben Haube. Und hier zeigt sich deutlich die Verwandtschaft zu Mörk Borg: schlank, schnell, und stets nur einen Würfelwurf vom Desaster entfernt.
Es gibt vier Attribute. Nicht mehr. Nicht weniger. Jedes wird mit 3W6 bestimmt und mithilfe einer Tabelle in einen Modifikator zwischen -3 und +3 übersetzt. Kein überbordendes Zahlenwerk, keine akademischen Abhandlungen, nur das Nötigste, um Chaos formvollendet zu würzen. Proben werden mit einem W20 geworfen. Das Ergebnis, addiert mit dem passenden Attribut (und eventuellen weiteren Modifikatoren), muss mindestens die vorgegebene Schwierigkeit erreichen. Einfach. Direkt. Effektiv. Selbst mit Pilzsuppe im System noch handhabbar. Sinken deine Trefferpunkte auf Null, wird es… interessant.
Ein W4 entscheidet dein Schicksal: Von abgetrennten Körperteilen bis hin zum endgültigen Ableben. Und sollte Letzteres eintreten, nun dann smörke rasch einen neuen Smörk und stoße wieder zur Gruppe. Das Leben ist kurz. Sehr kurz. Du möchtest vor, während und obwohl du Streiche spielst, jemanden Angreifen? Dann wird immer gegen 12 geworfen. Nahkampf nutzt Stärke, Fernkampf Präsenz. Eine natürliche 20 verursacht doppelten Smörk. Ein glorreiches Gelingen! Eine natürliche 1 hingegen… nun ja. Deine Waffe zersmörkt. Dramatisch. Endgültig. Lehrreich. Es existieren weitere Regeln, wie z.B. für Ohnmacht, Reichweite, Hinfallen oder den Kampf gegen größere Gegner. Doch, meine Lieben, ein wenig sollt ihr selbst smörken. Ein Regelwerk, das nicht jede Eventualität festnagelt, lädt zum Improvisieren ein und Improvisation ist der Treibstoff dieses Spiels. Ein kleiner, fast schon frecher Vorteil: Die Knirpse haben gegenüber den meisten größeren Gegnern stets die Initiative. Klein zu sein bedeutet hier nicht langsam zu sein. Im Gegenteil, wer näher am Boden ist, ist schneller im Chaos. Das System bleibt bewusst leichtgewichtig. Es will nicht simulieren, es will eskalieren. Und ich muss zugeben: Es trägt das Feuer genau dort hinein, wo es hingehört – mitten ins Spiel.
Magie
Meine leicht benebelten Zauberlehrlinge, sprechen wir über die Smörk-Magie. Natürlich gibt es sie. Wie sollte es in einer Welt voller Pilzsuppe, Gesang und Dynamit auch anders sein? Doch erwartet hier keine ehrwürdigen Zauberzirkel oder jahrtausendealten Runen. Smörk-Magie ist eine… sagen wir… kreative Mischung aus Drogen, Alchemie, Tränken und einfach nur seltsamen Smörks, die womöglich tatsächlich echte Magie wirken. Oder nur glauben, dass sie es tun. Prinzipiell kann beinahe jeder Smörk Magie einsetzen. Allerdings nur eine begrenzte Anzahl von Malen pro Tag – sonst drohen Überdosis, schlechter Trip oder anderweitige Realitätsverschiebungen.
Die sogenannte Gelbe Magie ist dabei von herrlich schräger Natur. Mit ausgestrecktem Mittelfinger lässt sich jeder Gegenstand, der weder festgebunden noch verankert ist, augenblicklich um 180 Grad drehen. Praktisch. Oder zutiefst irritierend. Natürlich, da ihr ja Waldbewohner seid, könntet ihr tierische Freunde beschwören. Keine heroischen Kampfbestien. Das wäre doch viel zu primitiv. Nein, eine kleine Herde aus Kaninchen, Rehen, Vö**ln und niedlichen Waldtieren erscheint und rennen auf das Ziel zu. Sie kämpfen nicht. Sie bedrängen, zerren, schubsen und verwirren. Und glaubt mir, unterschätzt niemals eine entschlossene Gruppe Kaninchen. Doch wo Gelb ist, da ist auch Schwarz. Die Schwarze Magie reicht vom stechenden Aufstoßen, das ein Ziel umhüllt und in völlige Trunkenheit versetzt, bis hin zur Beschwörung einer Armee von Termiten, die sich genüsslich durch Holzgegenstände frisst. Und wenn es etwas… nachhaltiger sein darf: Ein Säurespuckball, der sich durch Holz und Metall frisst. Sehr effektiv und sehr smörk. Smörk-Magie fühlt sich weniger wie gelehrte Zauberkunst an und mehr wie ein gefährliches Experiment mit offenem Ausgang. Sie ist unberechenbar, albern und bisweilen erschreckend wirksam.
Fazit
Smörk. Smörk smörk smörki smörkche. Diese kleinen gelben Kerlchen, in einer innigen Verbindung mit diesem herrlichen schrägen Text, entlocken selbst einer würdevollen Drachendame wie mir mehr als nur ein Schmunzeln. Es ist diese Mischung aus Anarchie, Augenzwinkern und bitterbösem Unterton, die das Werk so besonders macht. Ein Borg-Spiel, das unbedingt gesmörkt werden muss. Während ich hier auf meinem Hort sitze, stelle ich mir bereits genüsslich eine Kombination mit anderen Ablegern aus dem Dunstkreis von Mörk Borg vor. Welch wundervolles Durcheinander ließe sich da entfachen? Noch mehr Chaos. Noch mehr Wahnsinn. Noch mehr… Smörk. Für alle Liebhaber der Borg-Spiele und für Freunde üblen, aber erstaunlich durchdachten schwarzen Humors gilt: Hier sollte man mehr als nur einen Blick riskieren. Hinter der grellgelben, beinahe explodierenden Aufmachung verbirgt sich ein Spiel, das sehr genau weiß, was es da macht, auch wenn es sich so anstellt, als wüsste es das nicht. Doch lasst euch von der Farbigkeit nicht täuschen. Trotz aller Albernheit, trotz Gesang, Pilzsuppe und umherfliegender Termitenarmeen, dies ist und bleibt ein Borg-Spiel. Und ein Borg-Spiel ist nichts für kleine Drachen. Nein, wirklich nicht. In diesem Punkt macht auch Smörk Borg keine Ausnahme. Also sammelt eure Würfel, setzt euch den Pilzhut auf, nehmt einen kräftigen Schluck und stürzt euch hinein.
Viel Spaß. SMÖRK.
Flockes Urteil: 🔥🔥🔥 von 5 Flammenstößen