erst einmal möchten wir euch danken das ihr da seid und uns eure Aufmerksamkeit, Zeit und Liebe schenkt. Einige von euch wissen noch gar nicht wer wir sind und was wir machen bzw. wie IF YOU SMILE geboren wurde.
Als wir in 2016 über ein Bericht und einem Fotografen, der selbst ehrenamtlich tätig ist, auf die Friedhofskinder in Cebu aufmerksam geworden sind, haben wir uns entschieden in das Land zu reisen und uns ein eigenes Bild vor Ort zu machen. Gesagt getan! Nach einem Jahr Recherchearbeit, Kontaktaufnahme zur Styler-Mission (http://www.steyler-mission.de/…/zeu…/pater-heinz-kulueke.php) Pater Heinz-Kulücke – unserem privaten Spendenaufruf an Freunde, Bekannte und Verwandte – haben wir uns mit 14 Kg Bagpack und 8 Kg Sachspenden (Schuhe, Klamotten, Taschen, Mützen, Socken uvm.) auf den Weg auf die Philippinen gemacht. Nach 27 Stunden Reisezeit und der ersten Nacht in Manila, sind wir weitergeflogen nach Cebu.
Am 3. Tag auf den Philippinen, waren wir ziemlich angeschlagen, aber auch nervös, weil wir nicht wussten was uns erwartet. Mit dem Jeepney sind wir durch Cebu in Richtung Friedhof gestartet. Nach dem wir uns erst mal verlaufen haben und uns die Einheimischen die richtige Richtung gezeigt haben, standen wir vor den riesigen Mauern…in Mitten von Cebu an einer der größten Straßenkreuzungen. So viel Lärm, so laut, viel Armut und Dreck auf den Straßen!
Am Eingangstor zum Friedhof saß ein Wachmann der uns passieren ließ. Ich kann nicht in Worte beschreiben wie stark mir das Herz schlug, wie ängstlich, freudig, nervös aber auch unsicher ich war. Nach den ersten paar Metern war die Umgebung surreal. Es ist ein Friedhof, aber warum sitzen da Menschen im Müll und sortieren Altmetall? Warum spielt da ein Kind mit einem Fahrradreifen und warum füttert die ältere Dame ein kleines Säugling? Verwirrung im Kopf! Wie passt das alles zusammen? Leben und Tod auf einem Fleck? Der Kampf ums Überleben, eben nicht da zu enden, worauf sie schlafen…auf Särge! Es ist unbeschreiblich was einem für Emotionen hochkommen: Trauer, Wut, Aggression, der Schrei nach Hilfe….aber die Füße und der innere Drang für sie alle da zu sein, hat uns voran getrieben!
Kinder die plötzlich aus irgendwelchen Gräbern raus kamen und uns mit neugierigen Schritten verfolgt haben. Erwachsene und Ältere Menschen die uns mit einem Lächeln ‚Welcome to Philipines‘ zurufen, als wäre es das normalste auf der Welt dort zu sein wo sie leben. ‚Thank you‘ Mister and Misses, to visit our Country’ sagt ein anderer Wachmann. Es ist heiß und schwül, mir läuft der Schweiß den Rücken runter, mein Herz pocht ganz laut, mein Atem ist ganz schnell…ich habe Angst, aber Angst davor das ich das nicht verkrafte! Das ich zusammenbreche, das mir der Boden unter den Füßen aufgeht und ich in ein Loch falle! Als wir um die Ecke gehen und hören wie viele kleine Schritte uns verfolgen und wir die Familie sehen mit ebenfalls einem kleinen Baby, die uns mit einem Lächeln begrüßen, kann ich nicht anders: Ich SMILE …über das ganze Gesicht…ich empfinde Liebe, Vertrauen, Verständnis und das Gefühl kein Fremder zu sein.
Kaum haben wir uns platziert, kamen sie …die Friedhofskinder von Cebu! Sie standen vor uns und haben uns mit ihren großen Rehaugen angesehen und sich wahrscheinlich die gleiche Frage gestellt wie wir: Was machen die hier? Wer sind diese Weißen? ….ein junger Mann grüßt meinen Partner und ruft ihm zu: ‚Hey Joe, welcome‘ – JOE…so werden sie alle genannt, alle weißen Männer/Touristen die aussehen könnten wie ein Amerikaner. Ich …als Frau…werde nur mit den Augen begrüßt, mit einer Art von zwinkern. Warum? Weil Männer Respekt vor dem Partner/Ehemann einer Frau haben und möchten ihn quasi somit nicht beleidigen und grüßen die Frauen leise und unauffällig.
Als ich die Tasche mit all dem Spielzeug und den Klamotten aufmache, sind plötzlich alle um mich herum. Ich sitze auf einem Stein und ich spüre die vielen kleinen Hände, die mich anfassen und sich an mir festhalten, weil sie alle ein Stück WAS NEUES, WAS ANDERES, etwas davon haben wollen, was die Weißen haben. Das was wir haben….da frag ich mich… nachdem ich alle um mich herum sehe: Was hab ich eigentlich?
Sie zerren und reißen mir alles aus der Hand, ich verliere den Überblick…es sind so viele Hände! Warum haben wir nur 8Kg dabei?! – Mein Partner steht im Hintergrund und dokumentiert alles fotografisch…ich sehe ihn gar nicht, ich hab gar nicht mehr an ihn gedacht seitdem wir auf dem Friedhof sind.
Sie reden alle durcheinander, ich verstehe sie nicht. Und plötzlich kommt eine junge Dame, die sich zu mir setzt und etwas in ihrer Sprache sagt und man merkt wie ruhig es wird, sie versuchen sich in eine Reihe zu stellen, doch die Neugier und der Hunger treibt sie wieder dazu in die Tasche zu greifen. Eine andere Frau steht plötzlich hinter mir und wedelt mir frische Luft zu…mir läuft der Schweiß an den Schläfen runter…der Geruch von Dreck, Müll, Tieren und den Menschen um mich herum – steigt mir in die Nase…der Kreis um mich wird langsam weniger, ich kann wieder etwas durchatmen. Ich sehe die Kinder wie sie mit den kleinen Autos spielen, wie dem kleinen Jungen die Mädchenschuhe angezogen werden. Ich schau auf den Arm einer älteren Dame, das Baby hat das Kleid schon an was wir mitgebracht haben – und andere streiten sich über die Haargummis. Und ich sehe ihn…meinen Partner…wie er dasteht und sich zusammenreißt und versucht alles festzuhalten…wir verstehen uns, wir lächeln uns an und plötzlich SMILEN alle 📷:) Die neugierigen Rehaugen glänzen…die Erwachsenen sind dankbar und nehmen uns in den Arm und sagen etwas wie: God bless you…!
Wir stehen auf…die Beine sind so schwer, mein Partner kommt zu mir und wir gehen langsam…Schritt für Schritt in Richtung der großen Mauern zu dem Tor, zum Wachmann…alle schauen uns an und alle Winken uns zu…sie haben es alle mitbekommen. Von allen Seiten ernten wir ein Lächeln! Sie kommen aus ihren Blechhütten raus um uns zu winken und sie lächeln…alle!
Ein kleiner junge rennt auf mich zu und nimmt meine Hand und hält sie an seine Stirn: Das ist das Zeichen der größten Dankbarkeit! …ich bin gerührt…ich muss warten…ich muss tapfer bleiben…nur noch ein paar Schritte und wir sind raus: Wir nehmen uns in den Arm und wir weinen…mit einem Lächeln im Gesicht!
Und in diesem Moment wussten wir, wir haben das Richtige getan! Und…wir wollen mehr! Das war der Tag als IF YOU SMILE geboren wurde 📷:) - mitLars Szatmari