04/06/2026
Freiheit für die Waldwiesel
Stepha Quitterer
Barbara Jung
Gerstenberg
Verlagsempfehlung ab 10 Jahre
Das Wiesel Piet muss in die große Stadt. Er ist der Einzige, der einer großen Aktion entkommen konnte, bei der alle Wiesel des Waldes gefangen wurden – auch seine Mutter und seine Schwester Cilli. Für Piet ist klar: Er muss sie aus der „Wiesel-Fabrik“ retten. Aber wie kommt er überhaupt in die Stadt? Und wie kann er die Wiesel befreien?
Auf seiner Mission begegnet Piet Tieren, die ihm helfen, etwa dem Siebenschläfer Hugo oder den Kanalratten. Gleichzeitig lernt er, dass nicht nur Menschen eine Gefahr für Tiere sein können. Da ist der Marder Toni, der andere Tiere skrupellos ausbeutet, oder die Riesenhunde, die das Lager bewachen.
Stepha Quitterer erschafft mit viel Fantasie und Sprachwitz eine Tierwelt, die der Menschenwelt erschreckend ähnlich ist. Manche Szenen sind witzig – etwa die Anzeige: „Junge Dachsfamilie, 5 Kinder, reinlich, gebildet, solides Einkommen, sucht dringend Wohnung im Kiez.“ Vieles ist aber auch bedrückend: die Vorurteile unter den Tieren, die „Entwieselung des Waldes“, bei der alle wegschauten, oder Wiesel in der Fabrik, die keinerlei Gnade mit ihren Artgenossen kennen.
Besonders berührt hat mich Hugo, der überzeugt ist, Verantwortung für Piet zu tragen, weil er sich entschieden hat, ihm das Leben zu retten: „Ich muss zu dieser Entscheidung stehen. Dafür sorgen, dass es eine gute Entscheidung war.“
Eine spannende Abenteuergeschichte, die ganz nebenbei viele wichtige Fragen über Verantwortung, Vorurteile und Mitgefühl stellt – mit schönen Illustrationen. Sehr lesenswert!
Beate Böhm
Gerstenberg Verlag