27/01/2026
Heute vor 81 Jahren, am 27. Januar 1945, wurden die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau von sowjetischen Soldaten befreit. Seit 1996 wird dieser Tag in der Bundesrepublik als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus begangen.
Darüber hinaus erklärte die Vollversammlung der Vereinten Nationen den 27. Januar im Jahr 2005 zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.
Mit der weltweiten Gedenkkampagne wird an die über 6 Millionen Jüdinnen und Juden erinnert, die unter dem Terrorregime und durch das Wegsehen und stille Profitieren der Mehrheitsgesellschaft ermordet wurden. Zugleich setzt sie ein Zeichen gegen Antisemitismus, fördert Aufklärung und macht deutlich: Es gibt immer weniger Zeitzeug:innen – doch die Erinnerung muss weitergetragen werden.
Die Aufmerksamkeit darauf zu lenken ist gut – aber lange nicht genug. Denn ein Gedenken an über 6 Millionen ausgelöschte Menschenleben sowie ein klares Zeichen gegen Antisemitismus darf nicht nur an einem Tag im Jahr stattfinden.
Zumal es ein Privileg ist, nach dem 27. Januar wieder zum Alltag übergehen zu können, während Jüdinnen und Juden tagtäglich mit den gewaltvollen Rissen in ihren Familien, mit Tanten und Großeltern, die sie nie kennenlernen konnten, und mit dem wieder ansteigenden Antisemitismus konfrontiert sind.
Deshalb gilt es gerade für die Nachkommen der Tätergeneration, den 27. Januar nicht als jährlichen Punkt auf der To-do-Liste zu sehen, sondern als Anlass, sich berühren zu lassen – und danach zu handeln.
Es geht nicht um das Zur-Schau-Stellen von Schuld, sondern um das Bewusstwerden von Verantwortung: Verantwortung sich selbst gegenüber, der Gesellschaft als Ganzes und der Würde jedes einzelnen Menschen. Und um die dramatischen Folgen, die entstehen, wenn wir uns davor verschließen und wegsehen.
Darum lasst uns auch über den 27. Januar hinaus wachsam gegenüber Ungerechtigkeit und Diskriminierung sein, erinnern, Judenhass klar benennen und entschieden dagegen vorgehen.