30/12/2024
Silvester mit Schafen (eine nicht-witzige Geschichte)
Vor vielen Jahren (Ohje! Es sind schon Jahrzehnte!) zog ich mit meinen Schafen aus einsamer Alleinlage in ein kleines Dorf zu Freunden. Die Schafe standen dort auf der Hauskoppel.
Silvester bekam ich noch Besuch und wir kamen auf die glorreiche Idee, bei den Schafen auf das neue Jahr anzustoßen. Es war bitterkalt, -17°C.
Es wurde Mitternacht und die ersten Raketen gingen in die Luft. Die Schafe standen dicht um uns herum und sahen eigentlich ganz entspannt aus. Natürlich machten wir auch kein Feuerwerk.
Wir tranken unseren Sekt aus und wollten wieder gehen.
Denkste.
Alle Schafe wollten mit. Sobald ich über den Zaun war, schwupps, sprangen eins nach dem anderen die Schafe hinterher. Ich wieder zurück über den Zaun, schwupps, alle Schafe wieder zurück zu Muddi. Sonst sprangen sie nie über den Zaun und auch danach nicht wieder. Keines berührte den Zaun, sie sprangen wie Springpferde, ohne die oberste Litze zu berühren (damals hatte ich allerdings auch noch 90cm-Zäune).
Na gut. Ich wartete bibbernd ab (MINUS! 17°C!), bis das Feuerwerk so langsam weniger wurde und versuchte erneut mein Glück. Nichtsda. Alle wollten wieder mit.
Inzwischen kamen meine lieben FreundInnen und brachten mir Strohballen, Wärmflaschen, heißen Tee und dicke Decken. Gesellschaft wollte mir allerdings niemand leisten.
Ich konnte bis 1:30 Uhr bei den Schafen wachen. Erst dann ließen sie mich gehen.
Ich bin nie wieder Silvester zu den Schafen gegangen. Sie stehen allerdings auch immer so weit wie möglich weg von menschlichen Ansiedlungen. Und die Zäune sind inzwischen auch viel höher.
Die letzten Jahre, wo ich nun auch am Dorfrand wohne, stand ich meistens zwischen den Eseln und habe versucht, sie zu beruhigen. Gleichzeitig muss ich allerdings auch im Haus sein, um die Hunde zu beruhigen, die ich versuche mit dunklen Vorhängen, Festtagsbeleuchtung und lauter Musik oder Hörspiel abzulenken.
Ich kann auf jeden Fall nicht weg hier. Wenn ich so zwischen den Eseln stehe und auch noch die hier rastenden Wildgänse in Panik hochfliegen höre, dann macht es mich so unsagbar traurig. Warum können so viele Menschen einfach nur an sich denken?