12/02/2026
❤️Worte einer Betroffenen die auf meinen Post von gestern geantwortet hat❤️
Guten Abend Nadia und alle, die das gerade lesen,
die Frage, wie es uns – jedem Einzelnen und uns als Familie – fast fünf Jahre nach der Flut geht, ist für mich schwer zu beantworten. Das Thema löst bis heute gemischte Gefühle aus. Wenn ich daran denke, kommen Angst, Verluste, Unsicherheit, Gefühle von Versagen, schlaflose Nächte und viele Sorgen hoch.
Die viele Arbeit in dieser Zeit hat mich in gewisser Weise gerettet. Sie hat mir geholfen, manches zu verdrängen, mich durch Erschöpfung abzuschalten und gleichzeitig Hoffnung zu schöpfen, dass es irgendwann wieder gut werden kann. Für Wut und Zorn hatte ich weder Kraft noch Zeit. Stattdessen blieb Scham über die eigene Hilflosigkeit – und darüber, dass mein damals elfjähriger Sohn so abrupt aus seiner Kindheit gerissen wurde und all das erleben musste.
Ebenso empfinde ich Fremdscham gegenüber den gesetzlich Verantwortlichen, die ihrer Verantwortung nicht gerecht wurden und nicht bereit waren, sich ernsthaft mit der Situation der Betroffenen und der Helfer auseinanderzusetzen. Es fehlte an Mitgefühl, an Empathie und an Würde – und dennoch sind es diese Menschen, die unser Land regieren.
Was uns getragen hat und bis heute trägt, ist die Hilfe der vielen freiwilligen Unterstützerinnen und Unterstützer. Daraus sind Freundschaften entstanden – und neue Hoffnung.
Unser Zuhause konnten wir wieder aufbauen. Dafür bin ich unendlich dankbar gegenüber allen, die uns und anderen Betroffenen geholfen haben.
Nach all den Strapazen und der totalen Erschöpfung wurden mein Sohn und ich krank. Körper und Seele haben irgendwann nicht mehr mitgemacht. Inzwischen sind wir auf dem Weg der Besserung und bemühen uns, das Leben wieder bewusst zu leben und zu genießen.
In ein paar Monaten wird mein Sohn 16 Jahre alt. Ich wünsche ihm von Herzen, dass er seine neu gewonnene Stabilität und Lebensfreude behält. Über die Flut und die Zeit danach zu sprechen, fällt uns noch sehr schwer – oft fehlt uns dafür die Kraft. Aber ich bin zuversichtlich, dass die Zeit kommen wird, in der ich den Mut finde, mich dem noch bewusster zu stellen.
Von Herzen danke ich allen, die uns und so viele andere unterstützt haben.